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Rezension Tamagotchis und keine Smartphones: Früher war alles besser – die Serie "Wieder 15“ auf Netflix

Anita hat dunkle, lockige Haare und tippt auf ihrer Tastatur
Maisa Silva spielt die 15-jährige Anita
© Courtesy of Netflix © 2022
In der brasilianischen Netflix-Serie "Wieder 15" geht es um die 30-jährige Anita, die plötzlich wieder 15 ist. In der Vergangenheit versucht sie nun, ihre Gegenwart in Ordnung zu bringen.

Protagonistin Anita (Camila Queiroz) ist 30 Jahre alt und lebt im brasilianischen São Paulo. Als ihre Schwester heiratet, kehrt sie nach längerer Zeit wieder zurück in ihren kleinen Heimatort Imperatriz. Dort trägt sie ihr Abschlussballkleid und fängt Streit mit mehreren Hochzeitsgästen an. Ziemlich niedergeschlagen zieht sie sich in ihr früheres Kinderzimmer zurück. Während sie sich alte Fotos aus ihrer Schulzeit ansieht, wird sie plötzlich wieder 15 und findet sich am ersten Schultag an der weiterführenden Schule wieder.

Und damals, im Jahr 2006, schien einfach alles besser zu sein: keine Smartphones, dafür Tamagotchis, Jugendzeitschriften und natürlich Pailletten, pinke Chucks, Karohemden und Bandshirts. Was man eben so im Kleiderschrank hatte. 

Neu auf Netflix: "Wieder 15"

Anita (Maisa Silva) ist nun also wieder 15 Jahre alt, hat aber die Erfahrungen einer 30-Jährigen. Das gipfelt nicht selten darin, dass sie Kalenderspruchweisheiten à la "Du musst zu dir selbst stehen“ zum Besten gibt. Da sie ja schon weiß, wer später mit wem zusammen (und unglücklich) sein wird, versucht sie nun in der Vergangenheit, das zu ändern. Am Ende jeder Episode wird sie zurück in die Gegenwart geschickt und findet sich an unterschiedlichen Plätzen wieder.

Mal lebt sie wieder in ihrer Wohnung in São Paulo, hat aber eine Räumungsklage am Hals und dafür ein paar Ohrlöcher mehr. Dann wieder lebt sie mit ihrer besten Freundin Camila in einer WG. (Die früher ihr Kumpel César "Cé" war.) Kurz: was sie in der Vergangenheit ändert, hat direkte Auswirkungen auf ihr Leben in der Gegenwart.

Das Gedankenspiel ist durchaus interessant: Was wäre, wenn ich dieses und jenes anders gemacht hätte in meinem Leben und wo wäre ich dann heute. Fragen, die sich vermutlich jeder schon mal gestellt hat. Dabei hat "Wieder 15" auch interessante Charaktere: Cé etwa, der in der Kleinstadt schon früh zu seiner Homosexualität steht und später zur Frau wird. Anita ist da fast ein bisschen langweilig, wie sie ihren Fotoblog führt, schließlich haben das in dem Alter die meisten getan. 

Tamagotchi, Gameboy und Plateausohlen - Viele Trends aus den Neunzigern sind bis heute unvergessen.

Die Serie folgt dem Prinzip des Films "30 über Nacht", nur in die umgekehrte Richtung. Darin sieht sich die 13-Jährige Jenna mit ihrem Leben als 30-Jährige konfrontiert und merkt, wie unglücklich sie durch ihren aktuellen Lebensstil und ihre Freunde mit 30 sein wird. Und erhält die Chance, das zu ändern. 

"Wieder 15" hingegen ist eine Feel-Good-Serie, die für viele sicher eine Zuflucht sein mag aus der Corona-Krise oder den täglichen Nachrichten aus den Krisengebieten. Sie zeigt, wie die Jugend in den Nullerjahren war, fernab von Tiktok und Likes. Dafür mit schlechtem Internet und dicken Röhrenbildschirmen. Aber es reichte, um glücklich zu sein.  


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