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Hörbuchtipp

Stephen King "Der Outsider": "Der Outsider" - Stephen Kings kleine Abrechnung mit den USA unter Donald Trump

Ein Kindsmord,  eine selbstgefällige Polizei und etwas Populismus reichen, um eine nette Kleinstadt in einen hysterisch nach Lynchjustiz schreienden Ort zu verwandeln.

In "Der Outsider"  von Stephen King spielt sich die Polizei selbst zum Richter auf. Der grausame Mord an einem Kind lässt die Beamten die Grundlagen solider Polizeiarbeit vergessen. 

In "Der Outsider"  von Stephen King spielt sich die Polizei selbst zum Richter auf. Der grausame Mord an einem Kind lässt die Beamten die Grundlagen solider Polizeiarbeit vergessen. 

Picture Alliance

Worum geht es?

In der kleinen Stadt Flint im US-Bundesstaat Oklahoma wird ein 13 jähriger Junge vergewaltigt und bestialisch ermordet. Die Polizei braucht nicht lang, um den Täter zu identifizieren: es ist der beliebte Trainer der Baseball-Jugendmannschaft Terry Maitland. Der sympathische 40 Jährige hatte derart viele Spuren am Tatort hinterlassen und sich so vielen Zeugen in blutverschmierter Kleidung gezeigt, dass die Ermittler ihr Glück kaum fassen konnten.

Ihrer Sache absolut sicher verhaften sie Maitland mitten während eines Spiels im Baseballstadion vor 1500 Zuschauern. Nahezu jeder in der Kleinstadt war Zeuge der Polizeiaktion. Das Prinzip "im Zweifel für den Angeklagten" sollte für Maitland nicht gelten, da waren sich Polizei und Staatsanwaltschaft einig. Der zweifache Familienvater und "Mann des Jahres" der Stadt wurde ohne vorherige Anhörung festgesetzt.

Mann in einem blauen Kreis

Stephen King - Der Outsider

Die 19 Stunden lange, ungekürzte Hörbuchfassung des Romans "Der Outsider"  gibt es bei Audible zum Download. 

Kurz reingehört
Stephen King - Der Ousider

Die öffentliche Vorverurteilung der Polizei hat fatale Folgen. Die Bevölkerung von Flint ist entsetzt. Ein Monster in ihrer Mitte, in Gestalt des netten Mannes von Nebenan. Fast schon hysterisch fordern die Bewohner von Flint vor dem Gerichtsgebäude die Todesstrafe oder gleich die Lynchjustiz. Der Ruf nach Rache sprengt jeden Rahmen. Die Familien von Opfer und dem vermeintlichen Täter zerbrechen an dem öffentlichen Hass, noch bevor Maitland überhaupt einen Richter sieht.

Allerdings kann Maitland zweifelsfrei nachweisen, dass er zur Tatzeit in einer anderen Stadt war. Doch kann ein Mensch an zwei Orten gleichzeitig sein?  Anders ist die Tat jedenfalls nicht zu erklären. Gute 19 Stunden lang dreht sich in der Hörbuchfassung von "Der Outsider" alles um diese eine Frage.

Wer liest?

David Nathan inszeniert den Horror wie immer fabelhaft. Dabei musste der "King of Hörbuchsprecher“" beim "Outsider" ein dickes Brett bohren und gleich zahlreichen Protagonisten sowie noch mehr Nebendarstellern eine Stimme geben. David Nathan hat die Protagonisten jedoch souverän im Griff und verleiht selbst kleineren Rollen einen unverwechselbaren Charakter. Leider laborierte der Sprecher zu Anfang der Aufnahmen noch hörbar an einer Erkältung herum.

Für wen geeignet?

Auch wenn der Meister des Horrors dem Krimigenre auf seine alten Tage zuneigt ist, aus dem „Outsider“ wurde kein echter Krimi. Doch wer Polizeiarbeit und Grusel gleichermaßen mag, ist in der Hörbuchfassung genau richtig. Für ungeduldige Zuhörer ist King wie immer eine Qual. Der 71 Jährige Schriftsteller malt seine Figuren mit größter Akribie und betont langsam. Von der Idee eines Protagonisten, sich nach Jahren wieder eine Zigarette anzuzünden bis zum ersten Zug können da gern 15 Minuten vergehen. Muss man mögen. Vor allem dann, wenn man schon ahnt, dass viele dieser kleinen Studien wenig zur eigentlichen Geschichte beitragen.

Der Autor und der Präsident

Stephen King kann den neuen US-Präsidenten von ganzem Herzen nicht ausstehen, soviel ist sicher. In seinen fast 40 Tweets nennt King Trump nur "Blabbertmouth Don" gewürzt mit den Adjektiven "faul", "narzisstisch", "unvorbereitet" und "unerzogen".  Ihm käme die Wahl von Trump vor "als hätte man ausgerechnet den besoffensten Typen auf der Party zum Fahrer auserkoren". Freunde dürften die beiden also nicht mehr werden.

Und so könnte man durchaus zwischen den Zeilen herauslesen, dass King in "Der Outsider" mit Donald Trump und dem gesellschaftlichen Klima in den USA abrechnet. Neben den vielen direkten Anspielungen auf Trump  hat King die Handlung nicht wie gewohnt in den Neu-England-Staaten, sondern in den Trump-Hochburgen Oklahoma und Texas angesiedelt. Auch mit den Kernthemen des Buches der schnellen Vorverurteilung, der Selbstjustiz durch Polizeibeamte und der Verlockung von "einfachen Lösung" von Problemen  scheint King den Amerikanern einen Spiegel vorhalten zu wollen.

Was nervt?

Das fortwährende Produktplacement. Schwer nachvollziehbar, was den Altmeister da geritten haben mag, an jeder passenden Stelle Produktnamen zu platzieren. Aus dem Tablett wird stets das hochgelobtes iPad, ohne das man sich das Leben schon nicht mehr vorstellen kann. Bestimmte Software preist King ebenso mit Namen an, wie Automarken und Getränke.

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henlue