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54. Kunstbiennale startet: Venedig im Rampenlicht

Am Samstag geht die 54. Kunstbiennale von Venedig an den Start. Das von der künstlerischen Leiterin Bice Curiger gesetzte Motto heißt diesmal "ILLUMInazione-ILLUMInations" - ausgehend von einem Alten Meister: Jacopo Tintoretto.

"Vorhang auf für die Kunst" heißt es ab Samstag (4. Juni) wieder in der italienischen Lagunenstadt Venedig. Insgesamt 89 Länder werden dann bei der 54. Kunstbiennale mit eigenen Werken am Canal Grande vertreten sein. 83 Künstler aus aller Welt streiten im Park der "Giardini" und in den Hallen des "Arsenale" in einer internationalen Schau um den Goldenen Löwen. Leiterin des diesjährigen Kunstspektakels der Lagune ist zum ersten Mal die Schweizerin Bice Curiger - mit mehr als einer Neuheit.

So stellt die 62-jährige Kunsthistorikerin mit Jacopo Tintoretto (1518-1594) einen Alten Meister in den thematischen Mittelpunkt der zeitgenössischen Kunstschau. "Erstmals", behaupten italienische Medien. "Meine Idee war von Anfang an, von der Kunst auszugehen, und Tintoretto ist ein für seine Renaissance-Zeit revolutionärer Künstler. Einer, der Regeln bricht", erklärte Curiger dazu kurz vor Beginn der Biennale. Andererseits sind in diesem Jahr mehr als sonst zahlreiche junge Künstler mit von der Partie bei der weltweit renommierten Schau.

"ILLUMInazione-ILLUMInations" heißt Curigers Motto. Gemeint ist damit nicht nur das Licht in der Kunst - wie etwa in den einbezogenen Werken Tintorettos -, sondern auch "Aufklärung", "Erleuchtung", "Intuition". "Die Idee ist, über Kunst zu reden, die den Betrachter erleuchtet, aber auch über die Nationen, die in Form der Länderpavillons einen entscheidenden Teil der Biennale darstellen", erzählt Curiger in der Turiner Zeitung "La Stampa".

"Erleuchtung" kann auch die Kuratorin des Deutschen Pavillons Susanne Gaensheimer gebrauchen bei der schwierigen Aufgabe, den auserwählten Künstler zu vertreten. Gaensheimer präsentiert eine Ausstellung über die Projekte des im vergangenen Jahr 49-jährig gestorbenen Christoph Schlingensief. Der bekannte Theater-, Opern- und Filmregisseur hätte den Pavillon entwerfen sollen.

Der italienische Länder-Pavillon sorgte hingegen bereits für Aufsehen und Polemik durch seinen Kurator Vittorio Sgarbi. Der Duz-Freund des umstrittenen Regierungschefs Silvio Berlusconi, der rund 200 Künstler in den Pavillon des Belpaese geladen hat, griff die Kuratorin an. Tintoretto-Werke für die Biennale aus den Museen zu holen, sei "ein auf Eitelkeit beruhender Fluch der Curiger", lautete der Vorwurf Sgarbis.

Die Schweizerin ließ den auch für Unflätigkeiten im Fernsehen bekannte Sgarbi schlicht links liegen. "Kreativität und Polemik - willkommen zurück, Biennale", freuten sich dagegen italienische Medien. Die abwechselnd mit der Architekturbiennale alle zwei Jahre stattfindende Kunstbiennale bleibt bis zum 27. November 2011 geöffnet.

Katie Kahle, DPA / DPA