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Tribute Center New York: Der Ort, an dem täglich Tränen fließen

Angerostete Flugzeugfenster, zerbeulte Feuerwehrhelme, Porträts von Menschen, deren Leben ausgelöscht ist - im gerade eröffneten Museum am Ground Zero bekommt das Inferno 9/11 ein Gesicht.

Von Daniela Gorgs

An dieser Wand kommt keiner ungerührt vorbei. Tausendeinhundert lachende, fröhliche Gesichter. Eine bunte Fotocollage blühendes Leben, ausgelöscht am 11. September vor fünf Jahren. Carol Wilkinson weiß, wie diese Bilder wirken. Und genau darum hat sie sich mit einer großen Taschentücherbox direkt neben der Wand postiert. Die junge Frau ist eine von 122 Ehrenamtlichen im neuen Tribute Center, einem Museum, gegenüber von Ground Zero.

In einem historischen Gebäude, einem ehemaligen Delikatessengeschäft an der Liberty Street, haben Hinterbliebene für 3,4 Millionen Dollar ein Besucherzentrum errichtet. Auf einer Fläche von 560 Quadratmetern informiert die "September 11th Families' Association" Menschen, die nach New York kommen, über die Terroranschläge. An fünf Stationen werden Erinnerungen an den Tag wach gehalten, wird der Opfer gedacht und den Helfern Tribut gezollt. Die Familien-Organisation lädt zu einer Zeitreise ein, die mit einem Blick auf das pulsierende Arbeitsleben im World Trade Center beginnt und mit persönlichen Geschichten der Hinterbliebenen endet.

Täglich 1.000 Besucher seit Eröffnung

Seit der Eröffnung vor einer Woche schreiten täglich rund 1.000 Besucher durch Extreme, bestaunen ein zweieinhalb Meter hohes Modell der Zwillingstürme und starren drei Schritte weiter auf das, was nach dem Inferno übrig geblieben ist. Ein Stück zusammengeschmolzenes Metall aus der Stahlkonstruktion eines ehemals überragenden Hochhauses, ein angerostetes Flugzeugfenster, die zerbeulte Ausrüstung eines Feuerwehrmannes, durchlöcherte, verbogene Messinglöffel. Videofilme dokumentieren in Endlosschleifen Bergungsarbeiten, projiziert auf eine Trümmerlandschaft. Gegenüber eine blau gestrichene Wand, die an das traumhaft schöne Wetter am Tag des Anschlags erinnert. 375 Vermisstenanzeigen kleben auf blauem Grund - Wolken, die den Himmel verdunkeln, schwärzen.

Die "Lower Manhattan Development Corporation" und die "Port Authority of New York and New Jersey" finanzierten das Besucherzentrum - eine "Zwischenlösung", wie es der Mitbegründer Lee Ielpi nennt. Mit seinem Anliegen, "der Welt zu zeigen, wohin Ignoranz und Intoleranz" führen kann, könne die Familienorganisation nicht bis zur Eröffnung des geplanten Museums im Jahr 2009 warten. Nein, jetzt müsse man dem Leiden ein Gesicht geben, jetzt müssten Menschen aus den Erfahrungen lernen, in dem sie die Erlebnisse mit den Angehörigen teilten.

Taschentücherbox wird ständig gebraucht

Und das tun sie. Joe und Margaret Mielky, ein älteres Ehepaar aus Colorado, greift gleich ein paar Mal an diesem Nachmittag in die Taschentücherbox. Die Gesichter der unschuldigen Menschen und eines der Exponate, ein abgebrochenes Flugzeugfenster, hat sie zum Weinen gebracht. "Unser Sohn ist auch Pilot", sagt die Frau aus Colorado der ehrenamtlichen Helferin. "Nicht auszudenken, wenn er damals...". Sie stockt. Carol Wilkinson drückt ihr die Hand. Wie die meisten der Freiwilligen im Besucherzentrum hat auch sie einen Verwandten verloren. Ihren Cousin Glenn, ein Feuerwehrmann. Es sind Angehörige Verstorbener, Überlebende, Rettungskräfte und Augenzeugen, die den Besuchern einen Einblick in die Folgen der Attentate verschaffen.

Die Touristin Mary Walton aus Iowa kann nicht genug davon bekommen. Seit zwei Stunden bereits wandert sie durch das Museum, notiert sich Zitate von Augenzeugen, die das Grauen auf beinahe poetische Art in Worte fassen. Weint vor der Fotowand und taucht an der letzten Station im Keller in die Berichte der Betroffenen ein. Die Pinnwand am Ausgang jedoch kann sie nicht ertragen. Die Abschiedsworte, von Kindern auf Notizzettel geschrieben, brechen Mary Walton fast das Herz. Sie muss gehen.

Das Tribute Center, 120 Liberty Street, New York, ist geöffnet Montag, Mittwoch bis Samstag von 10 bis 18 Uhr, dienstags von 12 bis 18 Uhr und sonntags von 12 bis 17 Uhr. Führungen am Ground Zero finden von Montag bis Freitag jeweils um 13 und 15 Uhr statt, samstags und sonntags um 12, 13, 14 und 15 Uhr. Treffpunkt ist vor dem Tribute Center.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.