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Weimar: Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" kommt ins Theater

Im kommenden Jahr laufen die Urheberschutzrechte für Hitlers "Mein Kampf" aus. Ein kritisches Theaterstück widmet sich der Frage, wie man mit einer möglichen Neuauflage umgehen soll.

Theaterstück zu Hitlers "Mein Kampf" in Weimar

Das Theaterstück "Adolf Hitler: Mein Kampf, Band 1&2" will die kritische Auseinandersetzung mit der Hetzschrift fördern

Das Kunstfest Weimar begibt sich am Donnerstag mit der Uraufführung des Theaterprojekts "Adolf Hitler: Mein Kampf, Band 1 & 2" auf brisante Spurensuche. Das Berliner Theaterkollektiv Rimini Protokoll hat das Auftragswerk nicht mit Schauspielern, sondern laut eigenen Angaben mit "Experten des Alltags" besetzt. Eine Frau und fünf Männer werden dabei ihre ganz persönliche Sicht zu dem Buch vortragen, das bis 1945 millionenfach gedruckt wurde und bis heute auf Dachböden, Antiquariaten und im Internet zu finden ist.

70 Jahre nach dem Tod Hitlers laufen die Urheberschutzrechte für das Buch aus, dessen Besitz in Deutschland zwar erlaubt, dessen Verbreitung aber verboten ist. Bayern hat mit dieser Begründung den Nachdruck bisher verhindert. Ab 2016 könnte es jedoch wieder gedruckt werden. Die Frage, wie mit einer Neuauflage umgegangen werden soll, habe bereits im Vorfeld für Unsicherheit gesorgt, sagte Daniel Wetzel von Rimini Protokoll. "Wer würde es kaufen, wer lesen? Wie ist es historisch einzuschätzen?" Hitler habe darin klar und überhaupt nicht verquast, wie oft behauptet, bereits Mitte der 1920er Jahre eine Art Handlungsanleitung für seine politische Weltanschauung geschrieben. Der Intendant des  Kunstfest Weimar Christian Holtzhauer sagte: "Die Debatte, die wir führen müssen: Wie mit dem Mythos des Buches umgehen?" 

Zu dieser kritischen Auseinandersetzung wolle man mit dem Theaterstück nun beitragen. Der Impuls zu dem Auftragswerk, das von der Kulturstiftung des Bundes mit 94.000 Euro unterstützt wird, entstand im Deutschen Nationaltheater Weimar in Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Hitler hatte zu Weimar eine ganz besondere Beziehung. 1926 fand in dem Theater, in dem 1919 die Weimarer Republik gegründet wurde, der erste NSDAP-Parteitag nach Aufhebung des Parteiverbots statt. 1937 errichteten die Nazis auf dem nahen Ettersberg das KZ Buchenwald.

jho / DPA
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