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"Harry und Sally": Musical ohne vorgetäuschten Orgasmus

Die Hauptstadt ist um eine Attraktion reicher: Das Musical "Harry und Sally" feierte im Berliner Hansa Theater Premiere. Eine berühmten Szene aus der Filmvorlage fehlte allerdings.

"Das Gute an Depressionen - man schläft viel", erklärt Harry seiner Freundin Sally am Telefon. Die Filmkomödie "Harry und Sally" mit Meg Ryan und Billy Crystal von 1989 ist ein Klassiker. Fans zitieren die originellen und komischen Dialoge heute noch fehlerfrei. Am Freitagabend hatte nun das Musical "Harry und Sally" Premiere im Berliner Hansa Theater. Das Publikum spendete der deutschen Erstaufführung andauernden Beifall. Dabei waren unter den Zuschauern des fast ausverkauften Hauses nicht nur "Harry und Sally"-Kenner.

Der Spanier Joan Vives hat für die Geschichte um die Beziehung zwischen Frauen und Männern ein Musical zwischen Swing und Jazz komponiert. Geboten werden romantische Balladen und schmissige Tanzszenen. In Spanien war das Stück 2002 uraufgeführt worden.

Freundschaft zwischen Männern und Frauen unmöglich

Die Handlung des Musikstücks ist mit der des Erfolgsfilms nahezu identisch. Harry Burns (Werner Bauer) und Sally Albright (Katja Berg) lernen sich und ihre unterschiedlichen Einstellungen zu Liebe, Sex und der Zukunft auf einer Fahrt von Chicago nach New York kennen. In einer Raststätte - Sally alias Katja Berg bestellt einen exklusiven Salat mit einem wunderbar komischen Lied - fällt Harrys entscheidender Satz: "Eine Freundschaft zwischen Männern und Frauen ist nicht möglich, ihnen kommt immer der Sex dazwischen." Die Wege der beiden trennen sich.

Erst nach zehn Jahren und zwei zufälligen Begegnungen entwickelt sich eine intensive Freundschaft zwischen ihnen. Als dann Harry Sally über Liebeskummer hinweghilft, landen die beiden schließlich doch im Bett - nur um es kurz darauf zu bereuen. Die Freundschaft scheint gestört. Erst Silvester gibt es ein Happyend.

Katja Berg als Star

Die intime Inszenierung des Musicals im 500 Plätze fassenden Theater hält sich mit den pointierten Dialogen an das Drehbuch von Nora Ephrons. Dabei vermisst der Zuschauer auch die bekannte Szene des vorgespielten Orgasmus im Restaurant nicht. Katja Berg erinnert mit ihrem sympathischen Lachen sogar ein bisschen an Meg Ryan. Mit fantastischer Stimme ist sie der Star der zwei Stunden und 40 Minuten dauernden Aufführung. Bei spritzigen Tanzrhythmen zeigt das Ensemble, was es kann. Das Stück lebt auch von originellen Szenen - etwa wenn Weihnachtsmann-Bunnys Harry seine Einsamkeit vor Augen führen. Auch viel Liebe zum Detail ist spürbar. Ob dies reicht, einen ähnlichen Kultstatus wie der Film zu erlangen, ist allerdings offen.

In anderer Besetzung und Regie wird das Joan-Vives-Musical unter anderem im kommenden Jahr auch in Bamberg zu sehen sein.

Carmen Scharte/DPA / DPA