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"Wine & Dine": Hymnen an den Wein

Der gemeine Rockhörer betrinkt sich gewöhnlich mit Bier, als Krönung gibt's vielleicht noch einen Schluck Whisky. Ein neuer Sampler befasst sich mit dem Verhältnis von Popmusik und Wein.

Der Klang des Weins ist in den Ohren vieler Genießer wohl schon Musik genug - das Schnalzen beim Entkorken, das Glucksen beim Einschenken, das Pling beim Anstoßen. Nun aber gibt es etwas komplexere "Wein-Klänge" auch auf CD: Auf dem Sampler "Wine & Dine" versammelt das Münchner Label "Red Wine Tunes" (Rough Trade) 17 Musikstücke, die die alte Liaison von Wein und Gesang beleuchten.

Alle Stücke haben den edlen Rebensaft zum Thema. Es versammeln sich zum musikalischen Umtrunk so unterschiedliche Künstler wie Paolo Conte, Lionel Hampton, Melanie, Hans Moser, John Cale, Eartha Kitt, Höngdobel und natürlich Cat Sun Flower.

Musikalisches Neuland

Bei dieser Münchner Band spielt Rainer Germann, der den Sampler zusammengestellt hat, Gitarre. Obwohl die Kombination Popmusik und Wein so fern nicht liegt, betritt der 40-Jährige Journalist und Musiker damit Neuland: "Ich habe mich rund eineinhalb Jahre mit dem Projekt beschäftigt, dabei auch viel im Internet recherchiert, und da habe ich festgestellt, dass es bisher noch keinen Sampler gibt, der sich mit dem Thema auseinander setzt."

Zwar habe eine Weinzeitschrift einmal eine CD kompiliert, mit Hintergrundmusik für den Weingenuss, doch sind darauf nur Instrumentalstücke enthalten. Bei "Wine & Dine" dagegen drehen sich die Songtexte um den Wein, wie Germann berichtet: "Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal kommt Wein nur am Rande vor, wie bei 'Wanda' von Paolo Conte, wo er eine Szene beschreibt, wo frischer, junger Weißwein eine Rolle spielt. Manchmal geht es wirklich um das exzessive Trinken; manchmal ist der Wein nur eine Metapher, manchmal geht es wirklich um den Wein als sozusagen Grundnahrungsmittel."

Neue Vertriebswege

Neu ist aber nicht nur das Thema für einen Sampler mit Pop-, Folk- und Jazz-Stücken, neu sind auch die Vertriebswege für die Platte: "Wine & Dine" wird nicht nur über den Tonträgerhandel verkauft, sondern auch über den Buchhandel - und über den Weinhandel. Das Konzept scheint aufzugehen, berichtet Germann: "Beim Buchhandel war schon viel Überredungskunst nötig, aber die Weinhändler waren meist sehr begeistert. Mit den bisherigen Verkäufen können wir sehr zufrieden sein."

Nachfolger geplant

So zufrieden, dass wohl im Jahr 2006 die zweite Folge von "Wine & Dine" auf den Markt kommt. Dabei hofft Germann, auch die Rechte an Songs zu bekommen, die es nach Widerständen der Plattenfirmen, die die Rechte besitzen, nicht auf die nun vorliegende CD geschafft haben. "Einige Kompromisse mussten wir bei der Zusammenstellung eingehen", sagt Germann: "Aber insgesamt ist der Sampler schon so geworden, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Ich wollte ein möglichst breites Spektrum bieten und auch die ganzen Brüche sind beabsichtigt. Ich finde es toll, dass der Hans Moser zwischen Melanie und dem Willem Breuker Kollektief steht."

Man muss schon etwas weit greifen, um in der Pop-Szene genügend Material für einen Wein-Sampler zusammenzubekommen. Gilt doch diese Szene eher als geschätzte Abnehmerschaft der Whiskey- und Bier-Lieferanten. Doch Germann sieht das nicht ganz so: "Es tauchen viel mehr Stücke zum Thema Wein auf, als ich gedacht habe. Gerade heute habe ich zwei entdeckt, eines von Jonathan Richman, eines von Holly Golightly. Aber ansonsten stimmt es schon: Rock kommt aus der Arbeiterklasse, und da ist Bier einfach verfügbarer als Wein. Und in den Ländern, in denen Wein eine starke Tradition hat, wie Italien, Spanien und Frankreich, ist die Rock- und Pop-Tradition erst spät entstanden."

Markus Schwarz/AP / AP
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