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Arctic Monkeys: Ernüchterung nach dem Hype

Von den Fanforen im Netz an die Spitze der Charts hat die englische Band Arctic Monkeys eine beeindruckende Karriere hingelegt. Derzeit sind sie auf Deutschland-Tour. Das Hamburger Konzert wurde in eine größere Halle verlegt - zu Lasten der Qualität.

Von Kathrin Buchner

Große Erwartungen verband man im Vorfeld mit dem Konzert der Arctic Monkeys in Hamburg, eilt der Band aus der Stahlkocherstadt Sheffield doch schon ein beinahe mystischer Ruf voraus: Die Kultpostille für Fans britischer Musik, der "New Musical Express", kürte gerade deren Sänger Alex Turner noch vor Noel Gallagher von "Oasis" zum "coolest man on the planet". Ohne Plattenvertrag, allein über Mund-zu-Mund-Propaganda erreichten sie ihre Fans, die Songs der Arctic Monkeys millionenfach aus dem Internet herunterluden. Als ihr Album Ende vergangenen Jahres in England in den Läden zu kaufen war, brach es sämtliche Rekorde: Es ging sofort 360.000 Mal über den Ladentisch und schrieb Popgeschichte als am schnellsten verkauftes Debütalbum der britischen Insel. Damit bereicherten die Arctic Monkeys die nicht enden wollende Erfolgsgeschichte der Retro-Rock-Bands von Art Brut über Maximo Park bis The Rakes tatsächlich um ein weiteres Kapitel.

Uninspiriertes Geschraddel

Kein Wunder, dass man von solch einer Band auch auf der Bühne Großes erwartet. Zumal sie in ihrem Tourgepäck eine Horde begeisterter englischer Fans haben, die für guten Stimmung sorgen könnten. Um es vorweg zu nehmen: Das Konzert war eine Enttäuschung. Uninspiriert und gelangweilt wirkende Musiker, schlecht abgemischter Sound und vor allem ein viel zu kurzer Auftritt. Von dem viel gepriesenen jugendlichen Ungestüm der neuen britischen Rockbands war wenig zu spüren. Während der Rest der Band mehr oder weniger teilnahmslos auf seine Instrumente drosch, bemühte sich Sänger und Gitarrist Alex Turner zumindest noch um ein wenig körperlichen Einsatz und sprang zeitweise mit dem Mikro über die Bühne. Erstaunlich, die doch kräftige und lässig krächzende Stimme mag so gar nicht zu dem schmalen Körper passen.

Soloeinlagen, die im Soundbrei untergehen

Nachdem sie gleich als zweiten Song ihren Hit "You look good on the dancefloor" abfeuerten, kam ein richtiger Stimmungshemmer: Bei dem leicht psychedelisch angehauchten "Perhaps vampires is a bit strong but.." versuchten sie sich in Solo-Einlagen, die allerdings in einem undefinierbaren Soundbrei untergingen. Die Kommunikation mit dem Publikum reduzierte sich auf genuschelte, schlecht verständliche Kurzansagen. Eingefleischte Fans sorgten zwar direkt vor der Bühne für schweißtreibende Hüpfattacken, aber schon kurz hinter dem "harten Kern" standen die Zuschauer steif und gelangweilt herum, richtige Stimmung kam nicht auf. Wo vorher schon vereinzelt Pfiffe und Buh-Rufe in den Liedpausen zu hören waren, ging es nach dem Konzert erst so richtig los. Denn nach nur 60 Minuten verließen die arktischen Affen die Bühne, ohne auch nur eine einzige Zugabe gegeben zu haben.

Kometenhafter Aufstieg steigt zu Kopf

Im Interview mit dem Kölner Radiosender Eins Live sagte Gitarrist Jamie Cook: "Wir haben noch nie eine Zugabe gespielt. Warum sollten wir das auch machen." Es klingt, als sei ihnen der kometenhafte Erfolg durchaus zu Kopf gestiegen. Kein Wunder. Jeden Abend ausrastende weibliche Fans vor den Augen zu haben und ungehinderter Zugang zu diversen Suchtmitteln hat schon weitaus ältere oder abgebrühtere Musiker zum kosmischen Abfliegen gebracht, man denke nur an Robbie Williams oder Pete Doherty.

Auf Euphorie folgt Ernüchterung

Noch dazu hatte die Verlegung des Konzerts von dem eher intimen Hamburger Live-Club Grünspan in die weitaus mehr Zuschauer fassende Große Freiheit dem Flair des Konzerts entscheidend geschadet. Vielleicht hätte man sich mehr auf Klasse statt Masse konzentrieren sollen. Aber wie bei jedem allzu schnellen Rausch, ist der Nachgeschmack umso schaler, auf die Euphorie folgt Ernüchterung.