HOME

BARBARA BECKER ÜBER DEN SUPERSTAR: Jeder Frau ihre eigene Madonna

Die alleinerziehende Mutter über das Frauenidol

Diese Frau ist einfach so wandlungsfähig! Ein Beispiel: Kürzlich war sie in der Talkshow von David Letterman. Madonna hatte seine Show jahrelang boykottiert, weil er sie wegen ihrer Erotik-Geschichten damals dumm angemacht hatte. Und was tut sie jetzt? Nimmt eine akustische Gitarre, spielt und singt ein selbst geschriebenes Lied. Ganz ruhig, fast spirituell. Madonna als Songwriterin, in der Tradition von Joan Baez. Die hatte den zynischen Letterman komplett am Kragen.

Sie erfindet sich immer wieder selbst neu, aber diese Metamorphosen sind nicht nur Styling, sie empfindet und lebt die jeweilige Rolle auch bis zum Anschlag. Wir wissen nie, was sie uns als nächstes zeigt: Vamp, Mutter, Muskelpaket, Diva, Businessfrau, Evita oder die Spirituelle – sie ist so facettenreich, jede Frau kann sich aus der Palette eine Identifikationsfigur aussuchen, ihre eigene Madonna sozusagen. Mir gefällt sie – nahe liegend – auch in ihrer Rolle als Mega-Mutter und »Mrs. Guy Ritchie«, die im Familienleben aufgeht und ihre Karriere doch nicht aus dem Blick lässt.

Sie verkauft sich nicht. Madonna ist, was sie ist –- und zwar jedes Mal anders und doch immer sie selbst, auch wenn sie damit aneckt. Ich glaube, sie braucht nicht einmal das Gefühl, akzeptiert zu werden, um glücklich zu sein. Weil sie ganz und gar unabhängig ist – auch von der Meinung anderer.Vielleicht ist sie ja auch deshalb eine Ikone in dieser Zeit, wo jeder vor irgendetwas Angst hat. Gerade wir Frauen wollen es doch immer allen recht machen – unseren Männern, unseren Kindern, unseren Bossen und auch noch der Nachbarin –, weil wir Angst haben, sonst nicht geliebt zu werden. Madonna hat genau diese Ängste nie, und das macht sie für mich stark. Ihre Leidenschaft ist immer größer als ihr Zweifel. Frauen gefällt das, weil ihnen hier eine andere Frau zeigt, was man mit Energie alles schaffen kann. Und Männer finden Madonna toll, weil sie mutig ist und sie sich so einen Energiespender als Motor wünschen.

Wenn Madonna nett ist zu Menschen, dann nicht, um geliebt zu werden. Ich habe sie bei einem Abendessen in Miami getroffen. Ihre Kinder waren nicht dabei, aber ihr Kindermädchen. Sie hatte die Nanny eingeladen, »weil die immer so viel für uns tut«.

Und sie hat diese Besonderheit, diese Extra-Ausstrahlung, die auch Marilyn Monroe hatte und noch ein paar wenige andere. Das macht sie sogar gegen die üblichen Gehässigkeiten im Showgeschäft unanfechtbar. Es gibt doch diesen alten Spruch: Du musst dich selbst lieben, um von anderen geliebt zu werden. Das ist bestimmt ein Teil vom Geheimnis Madonna – plus Professionalität, Können, Authentizität, Energie, Disziplin, Mut, Ausdauer und was sonst noch zu einer großen Künstlerin gehört.

Da fällt mir ein: Im August gibt Madonna ein Konzert in der »Miami Philips Arena«. Ich muss mich dringend um Karten für mich und Noah kümmern! Der ist – so viel zur Bandbreite ihrer Bewunderer – ein großer Madonna-Fan.

Themen in diesem Artikel