HOME

Blackmore's Night: 'Ghost of a Rose': Rosen, Ritter, E-Gitarren

Mittelalter klingt so schön nach traurigen Balladen und sanften Harmonien. Gibt's hier - und doch sorgt Ex-'Deep Purple' Ritchie Blackmore dafür, dass es auch ein bisschen rockt.

Nachts auf einsamer Landstraße mit dem Auto liegen geblieben. Das Handy liegt zu Hause auf dem Schreibtisch. Also bleibt nur der Weg durch den düsteren Wald zum nächsten bewohnten Ort. Plötzlich dringt ein heller Schein durch die Bäume, ein Lagerfeuer knistert, umringt von ein paar wilden Gestalten, die schlemmen und musizieren.

Genau das ist der Ort, wo Musik wie die von 'Blackmore‘s Night' ertönen könnte. Was nicht bedeutet "Oh Gott, noch eine Mittelalterband...". Die erfreuen sich zwar im Moment einer steigenden Beliebtheit bei einem breiteren Publikum, doch 'Blackmore’s Night' ist zu gitarrenlastig, um sich mit 'Schandmaul' oder 'Corvus Corax' messen zu lassen. Andererseits aber auch zu ruhig und zu balladesk, um in eine Ecke mit Bands wie 'Subway to Sally' oder 'In Extremo' zu passen. Die sehr klischeehaft daherkommenden Songtitel wie 'Ghost of a Rose', 'Loreley', 'Dandelion Wine' und 'Queen for a Day' klingen schlimm, die Songs dazu glücklicherweise viel besser. Was man in denen hört, hat nämlich einen durchaus authentischen Touch von Spätmittelalter und gleitet nicht in die tiefsten Sphären der Sampler mit keltischer Musik ab. Und dann ist da noch die Gitarre, die irgendwie nach den achtziger Jahren und sehr energiegeladen klingt.

Kein Wunder - addiert man die Gitarre und den Namen der Band, so können gerade ältere Musikfans schnell die Querverbindung knüpfen: Der Blackmore im Bandnamen ist tatsächlich der alte 'Deep Purple'-Held Ritchie Blackmore. Nach 50 Jahren im Musikgeschäft weiß er, wie man Aha-Effekte erzielt. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Candice Night, die sich um die Gesangsparts kümmert, widmet er sich nun der Folk-Musik im weitesten Sinne. 'Ghost of a Rose' ist schon das vierte Studioalbum und dank treuer Fans ist ein Ende nicht abzusehen.

Ein Album, wie man es zum Beispiel gut bei einer gemütlichen kleineren Grillparty laufen lassen kann. Die ersten Stücke bringen Schwung in die Runde: 'Diamonds and Rust', im Original von Joan Baez gesungen und hier als Cover, ist gut gelungen - ein bisschen als ob Carlos Santana und Enya sich auf ein gemeinsames Stück eingelassen hätten. Auch 'Cartouche' geht gut ins Ohr und in 'Queen for a Day' zeigt Candice Night, dass sie nicht nur singen, sondern auch eigene Songs beisteuern kann. Zur Mitte des Albums macht es auch nichts, wenn die Gäste sich etwas lebhafter unterhalten, da reichen die Songs allemal als Background. Und zum Klassiker 'All for one' (in Deutschland melodisch bekannter als 'Was wollen wir trinken...') können dann alle die Teller fallen lassen, um die Hände zum Mitklatschen frei zu haben und das Fest bis in die späten Abendstunden dauern zu lassen. Ein Fackeln-Grill-und-Wein-Album.

Tourdaten:

03.07. Wuppertal - Stadthalle
04.07. Würselen - Burg Wilhelmstein
06.07. Fulda - Schlosshof
07.07. Bielefeld - Oetkerhalle
08.07. Bremen - Die Glocke
10.07. Wertheim - Burg Wertheim
11.07. Rothenburg - Burggarten
12.07. Glauchau - Schloss Forderglauchau
15.07. Friedrichshafen - Graf Zeppelin Haus
17.07. Trier - Kaiserthermen

Themen in diesem Artikel