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Kurztrips: No cheerio, Miss Sophie!

2003 muss niemand mit Käsefondue, Bleigießen und Fernsehlangeweile im trauten Heim beginnen. Wir stellen sechs Kurzreiseziele für Unentschlossene vor - von Berlin bis Sydney.

"Same procedure as last year?" fragt Butler James und weiß genau, was ihm blüht. Und Miss Sophie antwortet verschmitzt: "Same procedure as every year!" Auch für uns? Nicht dieses Jahr! 2003 muss niemand mit Käsefondue, Bleigießen und Fernsehlangeweile im trauten Heim beginnen. Auf der Neujahrswelle reitet der Surfer im sommerlich warmen Sydney. In Madrid verheißen Glückstrauben ein frohes neues Jahr. Von den Zermatter Gipfeln genießt der Skifahrer herrliche Aussichten. Fern von allen Großstadtpartys: In irischen Dorfpubs singen sich Einheimische und Gäste fröhlich bis in den Neujahrsmorgen. Richtig romantisch fängt 2003 im Frankenland auf der Burg Colmberg an. Wer lieber viele Menschen umarmen will, sollte in Berlin auf der großen Party mittanzen. Rund ums Brandenburger Tor knallen am letzten Tag des Jahres Tausende von Sektkorken. Prost Neujahr!

Berlin - Silvesterparty in der Hauptstadt

Tanzende Menschen, lachende Gesichter und knallende Sektkorken. Gute Laune überall. Rund eine Million Menschen erwartet Berlin auch in diesem Jahr wieder zur Mega-Silvesterparty rund um das Brandenburger Tor. Einen Höhepunkt bildet das gigantische Feuerwerk am Himmel über der Hauptstadt.Über zweieinhalb Kilometer erstreckt sich die Festmeile. Vom Brandenburger Tor bis zum Großen Stern werden auf den sechs Showbühnen Starbands wie Right Said Fred, Milton oder Massive Töne dem Publikum so richtig einheizen. Ageless, Royal Disco Show und The Clogs sorgen als heimische Bands für einen guten Sound. Auch SAT.1 wird wieder mit einer eigenen Show dabei sein. Da springt der Funke schnell über. Und aus dem Zucken im großen Zeh, wird bald ein rhythmisches Wippen mit dem Fuß und schließlich bewegt sich die Menge in fließenden Bewegungen zum Sound der Musik.

Wer bei den sehr winterlichen Temperaturen in Berlin immer noch friert, kann sich bei einem Becher Glühwein an einem der zahlreichen Stände auf der Meile aufwärmen. Noch kuscheliger feiert man in einem der acht großen Festzelte mit frisch gezapftem Bier und deftiger Hausmannskost. Weitere Leckereien aus aller Welt sorgen für das kulinarische Wohl der Partygäste. Aus dem 40 Meter hohen Riesenrad kann man nach den Sternen greifen. Alles in allem ein rundes Partyerlebnis zum Jahreswechsel. Extra-TippEin Nervenkitzel der besonderen Art erwartet nicht nur die Partybesucher ab etwa 21 Uhr am Brandenburger Tor. Kurz bevor sich das Jahr 2002 verabschiedet, wollen sich dort noch zwei Wagemutige das Ja-Wort auf dem Hochseil geben.

Franken - Silvester auf Burg Colmberg

Bei frostigem Winterwetter schmeckt die warme Burgsuppe, das üppige Rittermahl wird abgerundet mit einem ausgedehnten Verdauungsspaziergang durch hügeliges, schneebedecktes Land. Und vorm Einschlafen schweifen die Gedanken zu all den mittelalterlichen Burgherrn, die hier einmal geschnarcht haben. Wer auf Dudelsäcke und den mittelhochdeutsch dichtenden Walther von der Vogelweide steht, verbringt die letzten Stunden des Jahres gerne unterhalb des Burgfrieds. Als bewusster Gegenentwurf zum Großstadtfeuerwerk lässt sich hier das alte Jahr auf altmodische Art verabschieden, ohne die Böllerattacken nervender Spaßvögel. Zum Beispiel auf der Burg Colmberg in Mittelfranken. Colmberg liegt mitten im Naturpark Frankenhöhe, rund hundert Kilometer westlich von Nürnberg. Die hoch über dem Ort thronende Burg wurde ab 1964 zum Hotel umgebaut. Wer ein Faible für Rittersäle, Markgrafenstuben und Kaminzimmer hat, fühlt sich hier wohl.MauerrundgangWenn man schon mal in Franken Silvester feiert, sollte man auch Colmbergs berühmte Nachbarstadt besuchen: Der Ausflug ins mittelalterliche Kleinod Rothenburg ob der Tauber, keine zwanzig Autominuten entfernt, hat im Winter einen klaren Vorteil: Die Kopfsteinpflastergassen sind nicht überlaufen und beim Rundgang auf der Stadtmauer gibt´s auch keinen Gegenverkehr. Zurück in der Burg wird zum wiederholten Male geschmaust. Und um Mitternacht kann man, lässig an die Burgmauer gelehnt, dem neuen Jahr entgegenblicken und an die "schöne Else" denken, die Gemahlin des Burggrafen Heinrich, der hier vor 600 Jahren residierte und später das preußische Königshaus Hohenzollern gründen sollte.Blackmore´s NightDas Zeitalter der Hexenverbrennung und der Pest erfreut sich im 21. Jahrhundert auch musikalisch einer stabilen Fangemeinde. Unlängst gab Ritchie Blackmore Konzerte in deutschen Burgen. Das Gitarrenriff von Smoke on the Water war bei diesen Gelegenheiten allerdings nicht zu hören. Im Gegenteil: Der Ex-Schrammler von Deep Purple und seine Lebensabschnittspartnerin Candice Night verzauberten das Publikum mit mittelalterlichen Balladen.

Zermatt - Umzingelt von Viertausendern

Welcher Ort bietet den passenden Rahmen, um 2002 das "Jahr der Berge" gebührend zu verabschieden? Die Wahl fällt auf das autofreie Zermatt. Denn nur der Walliser Ferienort verfügt über dieses Alpenpanorama: Rund die Hälfte von Europas höchsten Bergen, die 76 Viertausender, ragen rund um Zermatt in den klaren Winterhimmel.Am Fuße des Matterhorns sind Fahrzeuge verpönt. Auf der Bahnhofstraße verkehren keine Taxis mit Dieselmotoren, sondern Kutschen und Pferdeschlitten. Denn die Gemeinde gehört neben Bettmeralp, Riederalp und Saas-Fee zur Gemeinschaft autofreier Schweizer Tourismusorte (GAST). Ungestörte Ruhe und saubere Luft zum Durchatmen werden hier garantiert. Fußgänger und Skiläufer haben Vorrang Für den Transport vom Bahnhof zum Hotel, zur Ferienwohnung oder Gondelstation stehen auch Elektromobile zur Verfügung. Die schwere Skiausrüstung kann getrost zu Hause bleiben. Die Anreise kann daher mit leichtem Gepäck erfolgen. Skier, Snowboards, Schlitten oder das neueste Trendsportgerät lassen sich bequem vor Ort zu Preisen ab 20 Euro mieten. Das Matterhorn als MarkenzeichenEinheimische nennen das 4478 hohe Matterhorn liebevoll "Horu". Die Erstbesteigung des imposantesten Gipfels durch Edward Whymper endete 1865 mit einer Katastrophe. Vier Männer der siebenköpfigen Seilschaft stürzten beim Abstieg in die Tiefe. Das tragische Unglück machte Zermatt über Nacht berühmt und gilt als Auftakt eines Besucherbooms, der im 19. Jahrhundert mit den Engländern begann. Aus der losen Ansammlung von Bauernhöfen wuchs eine Siedlung, die sich zum renommierten Reiseziel von Weltruf entwickelte. Doch im Gegensatz zu St. Moritz oder Grindelwald blieb der Ort bis heute ein Dorf. Die längste Skisaison der AlpenNur im Winter verirrte sich lange kein Gast nach Zermatt. Bis vor genau 75 Jahren. Zum Silvesterabend 1927 wurden auf allen verfügbaren Bauernschlitten erstmals Touristen aus dem Rhonetal hinauf in die Berge gezogen, wo sie in tief verschneiter Umgebung ihr "Fremdenzimmer" bezogen. Heute verfügt Zermatt zum Jahreswechsel über eine Infrastruktur, die jedes andere Fremdenverkehrsamt mit Neid erfüllt: 116 Hotels, 1500 Ferienwohnungen, sieben Hotel- und Hallenschwimmbäder sowie ein Soleschwimmbad. Dazu kommen 200 Skilehrer, 394 markierte Abfahrtskilometer, sieben Kilometer Langlaufloipen, 30 Kilometer Wanderwege für Nichtskifahrer und die längste Skisaison der Alpen. In Schnee und StilleÜber allen Dächern, Almen und Hängen wacht eisern die markante Pyramide aus Fels und Eis. Zu jeder Tageszeit wirkt das Matterhorn anders: kalt und Menschen abweisend die schattige Nordwand, sanft dagegen der Gipfel, wenn im Morgenlicht die ersten Sonnenstrahlen den Gipfel küssen. Bei Neuschnee könnte das Matterhorn auch ein Stück weiße Toblerone sein, ein gigantischer Schokoladebrocken, von frischem Puderzucker bestreut. Für den Silvesterabend heißt es rechtzeitig einen Tisch im Hotelrestaurant reservieren. Das Feuerwerk kann man von überall sehen, den Knallern jedoch ausweichen. Wie wäre es mit einer nächtlichen Schneewanderung? Oder einfach auf Skiern die Piste hinab ins neue Jahr gleiten? Einsam wird es für Langläufer in der Loipe. Nur das Knirschen des Schnees ist dann als einziges Geräusch zu vernehmen. Bei der Stille lässt sich kaum begreifen, dass in der Schweiz nur Zürich und Genf mehr Gäste haben als das kleine Zermatt im Wallis.

Irland - Kältekiller "Hot Whiskey"

Silvester an der Westküste Irlands: ein klarer, zum Greifen nah scheinender Sternenhimmel. Weder Streulicht noch Dunst stören die Sicht auf Orion, Sirius und Co. Das Auge möchte verweilen. Doch der restliche Körper zittert im Wind, der vom Nordatlantik kommend, über das Land pfeift. Also so schnell wie möglich in den Pub.Dort geht es sofort an die Bar, um einen Hot Whiskey zu bestellen. Dieses leckere alkoholische Heißgetränk, zubereitet mit Zitrone und Nelken, ist die richtige Antwort auf die eisigen Temperaturen. Die Kneipe ist voll, doch am offenen Kamin mit dem brennenden Torf ist noch ein Platz frei. In einer Ecke sitzen die Musiker, packen ihre Instrumente aus, quatschen und trinken ihren Pint ungekühltes Guinness.Dann beginnt die Band und gibt ein Traditional, einen überlieferten Folksong, zum besten. Die Musiker spielen die schnell wechselnden Töne, die Jigs 'n' Reels, mit atemraubender Leichtigkeit. Unmerklich beginnen die Füße zu wippen. Es folgen herzzerreißende Balladen, Trinklieder und immer wieder temporeiche Songs. Plötzlich stehen ein paar Kinder vor der Band und führen einen Set Dance vor."It was new years eve, babe in the drunk tank..."Später am Abend kommt einer der Musiker auf die Idee, die "Fairytale of New York" von den Pogues umzudichten. Eigentlich ein Weihnachtslied, aber das Wort "Christmas" wird einfach durch "New Year" ersetzt. Alle singen mit, bis zur letzten Strophe. Spätestens jetzt läuft selbst dem distanziertesten Beobachter eine Gänsehaut über den Rücken. Schließlich schlägt die Kirchturmuhr zwölf Uhr. Kein Feuerwerk. Kein Geböller. Statt dessen geben sich die Menschen einfach nur die Hand oder umarmen sich und wünschen einander "a happy New Year"."... the bells were ringing out new years day."Nachdem sich alle gegenseitig beglückwünscht haben, setzt der kühne Geiger zu einer Unplugged-Version des U2-Hits "New Years Day" an. Die Band geht mit. Alles tobt. Wer die Iren kennt, weiß, dass die Party jetzt erst beginnt - trotz Sperrstunde. Um halb eins schließt der Wirt die Tür von innen. So kann kein Polizist den Pub betreten. Falls in dieser eisigen Nacht, weitab von den Großstädten, überhaupt jemand auf die Idee kommt, eine Kontrolle durchzuführen.

Madrid - Feliz año nuevo

Eine für Gesundheit, eine für Liebesglück, eine für die Karriere, eine für... Zwölf Glückstrauben stopft der Madrilene an der Puerta del Sol insgesamt in sich rein. Wenn beim zwölften Glockenschlag des Jahreswechsels nicht alle "uvas de la suerte" im Mund verschwunden sind, geht kein Wunsch in Erfüllung. Damit das Glück Spaniens aber nicht an der Schluckgeschwindigkeit der Spanier scheitert, schlägt die Uhr auf dem Platz in der Mitte Madrids zum Jahreswechsel ein wenig langsamer. Das Traubenwettessen wird als Großereignis auf die Fernsehapparate und auf städtische Leinwände übertragen, damit nicht nur den Madrilenen auf der Puerta del Sol das Traubenglück zuteil werden kann. Glück mit vollem MundWas ist denn die Puerta del Sol? Am quirligen halbrunden Sonnentor-Platz führen alle Metrolinien Madrids und alle Straßen des Landes zusammen - der Nabel Spaniens sozusagen. Der Name geht auf ein früheres Stadttor mit einem Sonnenemblem zurück. Die Glockenschläge ertönen vom Turm des ehemaligen Postgebäudes Casa de Correos aus dem Jahre 1768, das heute als Regierungssitz dient. Und was hat es mit der Traubentradition auf sich?1909 sahen sich die spanischen Weinbauern angeblich Bergen überschüssiger Trauben gegenüber. Und da man die guten Früchte nicht verrotten lassen wollte, kam jemand auf die Idee, sie den Hauptstädtern an Silvester zum Geschenk zu machen. Und die lustige Silvestertradition war geboren! Witzig ist der Anblick der dicken Backen und eifrig kauenden Münder nämlich in jedem Fall. Ganz nach spanischer Manier geht die Silvesterparty nach dem zwölften Glockenschlag erst richtig los. Auf der Straße, in den Bars und auf den Tanzflächen der Clubs wird bis zum Morgengrauen gefeiert, um dann ausgepowert Churros, spanische Schmalzkringel, in heiße Schokolade zu tunken. Sanfter Kater-TourismusWer nach der alten Nacht, der Noche Vieja wie die Spanier Silvester nennen, ausgeschlafen hat, entdeckt die faszinierende Hauptstadt abseits ihrer Partykultur. Er trinkt Tee in den stillen, engen Gassen des alten maurischen Viertels Morería, guckt an den Fassaden der prachtvollen habsburgischen Architektur an der Plaza Mayor hoch. Oder bestaunt die Gemälde der großen Künstler im Prado. Das ist genau das richtige Programm für die ersten Tage im neuen Jahr. Wer nach einer durchzechten Nacht und ein bisschen Kunst und Kultur frische Luft braucht, flaniert gemütlich die Gran Via hinunter. Zu erreichen ist Madrids Prachtboulevard vom Palacio Real aus über die Plaza de España.

Sydney - Ins neue Jahr surfen

Sydney läutet als eine der ersten Weltmetropolen das neue Jahr ein: Der Jahreswechsel findet neun Stunden früher als in Deutschland statt, denn Sydney ist nur drei Zeitzonen von der internationalen Datumsgrenze entfernt. Wie jedes Jahr gibt es im Hafen ein sagenhaftes Feuerwerk. Der krönende Abschluss: Die funkelnde Harbour Bridge. Am Bondi Beach interessiert sich jedoch keiner für das Spektakel. Am Pazifikstrand trifft sich die Szene.Es ist sechs Uhr morgens. Wie jeden Tag springen viele mit dem Board in die Wellen. Normalerweise tanken sie dabei Energie für den Arbeitstag. An Silvester gibt´s aber einen Unterschied: Dann fällt nämlich für die meisten die Arbeit aus. Von Osten rollt die große Silvesterwelle an den Strand und Bondi Beach verwandelt sich in eine Surfer-Party.Baywatch downunderDer Stadtteil Bondi mit seinem Beach steht für Sonne, Surfen und Partys. Die richtige Kulisse für Modeaufnahmen. Sehen und gesehen werden lautet das Motto in den zahlreichen Straßencafés und Restaurants. Die Surfergemeinde erklärt in diesem Sommer Birkenstocksandalen zum letzten Schrei. In rotgoldenen Mützen und Badeanzügen sitzen die Rettungsschwimmer auf ihren Hochsitzen oder patrouillieren am Wasser. Baywatch lässt grüßen. Bei dem Andrang an Silvester hätte ich eigentlich erwartet, dass verbissen um jeden Zentimeter Strand gekämpft wird. Aber die Australier, die "Aussies", genießen entspannt die lebhafte Stimmung.

Eisbrecher KühlboxEinheimische, Einwanderer und Touristen mischen sich ins multikulturelle Flair. Bis die Dunkelheit hereinbricht, lerne ich viele Leute kennen. Als besonderes Hilfsmittel, um das erste Eis zu brechen, entpuppt sich der Eski - in der Kühlbox lagern die kalten Getränke. Immer noch toben die Wellen und immer noch reiten die Surfer. Bondi Beach ist das perfekte Auslaufbecken für alle Bretter-Süchtigen. Der Strand öffnet sich sichelförmig nach Südosten und lässt so starke Winde herein. Mittlerweile bilden sich Gruppen und das eine oder andere Pärchen. Plötzlich fängt die Menge an zu zählen: "Ten, nine, eight ...""Happy new year" schrillt es durch die Luft, die letzten Flaschen werden entkorkt. Für eine schnelle Umarmung ist noch Zeit. Dann packen die Jungs und Mädchen ihre Bretter unter die Arme und laufen ins Meer. Viele waren aber bereits schneller und surfen auf der Neujahrswelle.

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