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Corona-Krise: Hupen statt Klatschen: Immer mehr Künstler geben Autokonzerte

Seit Mitte April ist klar: Großveranstaltungen sind wegen der Corona-Krise bis zum 31. August verboten. Doch die Not macht erfinderisch: Immer mehr Künstler geben nun Autokonzerte.

Mutter und Tochter umarmen sich zur Begrüßung. Im Hintergrund ist ein hölzerner Mast eines Segelschiffs zu sehen
DPA

Als Sido am Samstagabend die Bühne des Düsseldorfer Autokinos betrat, trug er wieder eine Maske. Nur wollte er damit nicht seine Identität schützen – wie zum Beginn seiner Karriere. Dieses Mal war es viel mehr ein Statement: 'Schaut her! Auch ich, die Deutschrap-Legende, trage Mundschutz – zumindest für ein paar Sekunden meines Auftritts.'

Kurz nachdem der Rapper die Bühne betreten hatte, nahm er den roten Mundschutz wieder ab. Er rappte los: Raus aus den Pantoffeln / Rein in diese Schuhe, die nur mir passen, flowte er auf den Beat die ersten Zeilen seines Songs "Wie Papa". Da war auf einmal wieder ein Hauch von Normalität, die die Corona-Krise fast gänzlich hatte verkommen lassen. Auch wenn Sido lediglich vor Menschen in ihren Autos auftrat, es war ein Live-Konzert.

Doch selbst das schien vor wenigen Tagen noch völlig ausgeschlossen. Wegen der Pandemie einigten sich Bund und Länder Mitte April darauf, Großveranstaltungen bis zum 31. August zu untersagen. Die diesjährige Konzert- und Festival-Saison war damit vorbei, ohne begonnen zu haben. Für Veranstalter, Labels und Künstler bedeutete das einen Millionen-Verlust.

Der Stimmung tut es keinen Abbruch

Die Not macht bekanntlich erfinderisch. Und so hielten viele Künstler und Bands in den vergangenen Wochen vermehrt Wohnzimmer-Konzerte ab (NEON startete sogar eine eigene Wohnzimmerkonzert-Serie). 

Am Freitag vergangene Woche gaben dann der Rapper Alligatoah und das Essener Rap-Duo 257ers ihre Autokonzert-Premiere. Sie sind, wenn man so will, die Pioniere der Deutschrap-Szene. Auf dem zum Autokino umgebauten Messeparkplatz in Düsseldorf spielten die Künstler jeweils vor 500 Fahrzeugen, in denen maximal zwei Personen sitzen durften. Der Sound wurde wie in einem klassischen Autokino über das Radio ausgespielt.

Der Stimmung tat es keinen Abbruch. Die Fans sangen in ihren Autos mit, hupten laut oder machten ihr Fernlicht im Takt der Musik immer wieder an und aus. Die besonderen Konzerte scheinen eine sinnvolle Alternative zu sein. Das verdeutlichte die Nachfrage auf Sidos Konzerte. Seine beiden Auftritten am Samstag und Sonntag waren bereits nach 20 Minuten ausverkauft. 

Auch Revolverheld und SSIO geben Autokonzerte

Dazu brachte es dem Berliner Rapper Spaß, wie er in einer Instagram-Story erzählte. "Es war unfassbar." Im selben Atemzug kündigte an, am 11. Mai in Hannover sein nächstes Autokonzert zu geben. "Wir werden es da machen, wo es möglich ist", versprach er seinen Fans. Er ist nicht der Einzige, der weitere solcher Live-Auftritte machen wird.

Auch die Bands Revolverheld und Fury in the Slaughterhouse werden in Hannover auftreten. Ebenfalls spielt der Rapper SSIO am 8. und 9. Mai vor Autos. Trotz des stolzen Preises von mehr als 90 Euro sind die Tickets bereits ausverkauft. Es zeigt, wie sehr Musikfans Live-Konzerte vermissen.

rpw

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