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Corona-Krise Hupen statt Klatschen: Immer mehr Künstler geben Autokonzerte

Mutter und Tochter umarmen sich zur Begrüßung. Im Hintergrund ist ein hölzerner Mast eines Segelschiffs zu sehen
Sehen Sie im Video, wie die Crew der "Thor Heyerdahl" die Coronakrise auf See erlebt hat.


Endlich wieder Boden unter Füßen: Nach einer wochenlangen Odysee ohne richtigen Landgang ist das Segelschiff "Thor Heyerdahl" am Sonntag in Kiel angekommen. Die Schüler des "Klassenzimmers unter Segel" wurden nach sechseinhalb Monaten an Bord des Schiffes nun von ihren Familien empfangen und in die Arme geschlossen.
Die geplante Tour wurde am Ende wegen des sich ausbreitenden neuartigen Coronavirus zur kleinen Irrfahrt für die Jugendlichen und das Personal an Bord. So wurden zuletzt wegen der Pandemie alle Landaufenthalte gestrichen.
Detlef Soitzek, Kapitän der "Thor Heyerdahl", sagt: "Wir kommen jetzt zurück in eine andere Welt. Das hat uns schon schwer beschäftigt seit Bermudas. Wir sind nicht mehr an Land gekommen. Das ging auf den Azoren los, auch in England. Wir sind jetzt 47 Tage an Bord. Wir haben keinen Fuß auf Land gesetzt sozusagen."
In den Häfen konnte das Schiff lediglich Lebensmittel und Diesel aufnehmen.
Am 19. Oktober war das Segelschiff nach einer festlichen Verabschiedung ausgelaufen. Im Winterhalbjahr ist die "Thor Heyerdahl" der Schulcampus für das Schulprojekt "Klassenzimmer unter Segeln" der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg unterwegs. Jungen und Mädchen der 10. Klasse verbringen dabei sechs Monate des Schuljahres an Bord des Dreimast-Toppsegelschoners und im Ausland. Zur Tagesordnung gehören dabei der Schulunterricht genauso wie die Vermittlung nautischer Fachkenntnisse.
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Seit Mitte April ist klar: Großveranstaltungen sind wegen der Corona-Krise bis zum 31. August verboten. Doch die Not macht erfinderisch: Immer mehr Künstler geben nun Autokonzerte.

Als Sido am Samstagabend die Bühne des Düsseldorfer Autokinos betrat, trug er wieder eine Maske. Nur wollte er damit nicht seine Identität schützen – wie zum Beginn seiner Karriere. Dieses Mal war es viel mehr ein Statement: 'Schaut her! Auch ich, die Deutschrap-Legende, trage Mundschutz – zumindest für ein paar Sekunden meines Auftritts.'

Kurz nachdem der Rapper die Bühne betreten hatte, nahm er den roten Mundschutz wieder ab. Er rappte los: Raus aus den Pantoffeln / Rein in diese Schuhe, die nur mir passen, flowte er auf den Beat die ersten Zeilen seines Songs "Wie Papa". Da war auf einmal wieder ein Hauch von Normalität, die die Corona-Krise fast gänzlich hatte verkommen lassen. Auch wenn Sido lediglich vor Menschen in ihren Autos auftrat, es war ein Live-Konzert.

Doch selbst das schien vor wenigen Tagen noch völlig ausgeschlossen. Wegen der Pandemie einigten sich Bund und Länder Mitte April darauf, Großveranstaltungen bis zum 31. August zu untersagen. Die diesjährige Konzert- und Festival-Saison war damit vorbei, ohne begonnen zu haben. Für Veranstalter, Labels und Künstler bedeutete das einen Millionen-Verlust.

Der Stimmung tut es keinen Abbruch

Die Not macht bekanntlich erfinderisch. Und so hielten viele Künstler und Bands in den vergangenen Wochen vermehrt Wohnzimmer-Konzerte ab (NEON startete sogar eine eigene Wohnzimmerkonzert-Serie). 

Am Freitag vergangene Woche gaben dann der Rapper Alligatoah und das Essener Rap-Duo 257ers ihre Autokonzert-Premiere. Sie sind, wenn man so will, die Pioniere der Deutschrap-Szene. Auf dem zum Autokino umgebauten Messeparkplatz in Düsseldorf spielten die Künstler jeweils vor 500 Fahrzeugen, in denen maximal zwei Personen sitzen durften. Der Sound wurde wie in einem klassischen Autokino über das Radio ausgespielt.

Der Stimmung tat es keinen Abbruch. Die Fans sangen in ihren Autos mit, hupten laut oder machten ihr Fernlicht im Takt der Musik immer wieder an und aus. Die besonderen Konzerte scheinen eine sinnvolle Alternative zu sein. Das verdeutlichte die Nachfrage auf Sidos Konzerte. Seine beiden Auftritten am Samstag und Sonntag waren bereits nach 20 Minuten ausverkauft. 

Auch Revolverheld und SSIO geben Autokonzerte

Dazu brachte es dem Berliner Rapper Spaß, wie er in einer Instagram-Story erzählte. "Es war unfassbar." Im selben Atemzug kündigte an, am 11. Mai in Hannover sein nächstes Autokonzert zu geben. "Wir werden es da machen, wo es möglich ist", versprach er seinen Fans. Er ist nicht der Einzige, der weitere solcher Live-Auftritte machen wird.

Auch die Bands Revolverheld und Fury in the Slaughterhouse werden in Hannover auftreten. Ebenfalls spielt der Rapper SSIO am 8. und 9. Mai vor Autos. Trotz des stolzen Preises von mehr als 90 Euro sind die Tickets bereits ausverkauft. Es zeigt, wie sehr Musikfans Live-Konzerte vermissen.

rpw

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