HOME

Deutscher Musikautorenpreis 2018: Nur eine Frau unter 20 Männern: Die Musikbranche hat ein Problem

Zum zehnten Mal wird in diesem Jahr der Deutsche Musikautorenpreis verliehen. Schon jetzt ist klar: Die Gewinner werden fast alle männlich sein. Die Gema ist sich des Problems bewusst und verspricht Besserung.

Deutscher Musikautorenpreis

Die Nominierten für den Deutschen Musikautorenpreis: Auf diesem Bild ist eine Frau versteckt. Finden Sie sie?

Dass es Frauen bei Preisverleihungen noch immer ungleich schwerer haben als ihre männlichen Kollegen, ist auch 2018 keine Seltenheit. Erst vergangene Woche echauffierte sich NDR-Journalistin Anja Reschke über das Ungleichgewicht beim Deutschen Fernsehpreis, wo in den geschlechtsneutralen Kategorien wie beste Kamera, beste Ausstattung oder beste Regie 19 Männer ausgezeichnet wurden - jedoch nur eine Frau gewann.

Ähnlich könnte auch die Vergabe des Deutschen Musikautorenpreises 2018 ablaufen. Der Ausrichter Gema hat am Dienstag die Nominierungen für die am 15. März verliehenen Auszeichnungen bekannt gegeben. Unter den 21 Nominierten in den sieben Kategorien befindet sich eine einzige Frau.

Sieben Juroren - alles Männer

Angesichts dieses Männerüberhangs wundert es wenig, dass der für die Nominierung verantwortlichen Jury keine einzige Frau angehört: Sieben Männer entscheiden darüber, wer preiswürdig ist. Sie wählen dabei unter Einsendungen der Gema-Mitglieder und der Berufsverbändesowie aus und können eigene Vorschläge einbringen. "Die Nominierungen sind ein Zeichen, dass man von Kollegen gesehen und gehört wird", sagt der diesjährige Jurysprecher, der Komponist Helmut Oehring.

Doch gesehen werden offensichtlich fast ausschließlich Männer. Dass im Jahr 2018 eine rein männliche Jury überhaupt noch möglich ist, hat vor allem strukturelle Gründe: Die Juroren werden von der 2012 gegründeten Akademie deutscher Musikautoren gewählt. Und dort wird nur Mitglied, wer den Deutschen Musikautorenpreis bereits einmal gewonnen hat oder zumindest nominiert war. 

Natürlich ist die Männerdominanz nicht in jedem Jahr so groß wie diesmal. Seit 2009 wurden 90 Musikautoren ausgezeichnet, 22 Frauen, 65 Männer und drei gemischte Bands. In den vergangenen Jahren gehörten den Jurys zudem jeweils drei Frauen an. 

Die Gema ist sich des Problems bewusst

Dennoch führt die Entwicklung dazu, dass die Akademie mit jedem Jahr männlicher wird. Nach jetzigem Stand kommen bald 20 Männer und eine Frau hinzu. Das ungleiche Geschlechterverhältnis wird sich über die Jahre also immer weiter verfestigen. 

Bei der Gema ist man sich des Eindrucks bewusst, den die Veröffentlichung der Nominierung erweckt, und begrüßt die gesellschaftliche Debatte zu dem Thema ausdrücklich. Die Männerdominanz sei "auf strukturelle Branchenprobleme" zurückzuführen, wie eine Gema-Sprecherin dem stern sagte. "Wir müssen das Thema als Verein gemeinsam mit unseren Mitgliedern angehen."

Man habe bereits Maßnahme ergriffen: "Die Stärkung der Rolle der Frauen innerhalb der Musikbranche steht bei uns auf der Agenda", sagte die Sprecherin. "Seit letztem Jahr engagieren wir uns beispielsweise in der internationalen Keychange Initiative, die die Rahmenbedingungen für Frauen in der Musikindustrie nachhaltig verbessern will."

Ob derlei Initiativen greifen, wird die Zukunft zeigen. Für die Gegenwart bleibt einstweilen die Hoffnung, dass sich das Bild bei der Preisverleihung am 15. März etwas differenzieren wird. Denn es wird bei den bislang feststehenden sieben Kategorien nicht bleiben. In den nächsten Wochen sollen die Nominierten in weiteren Kategorien bekannt gegeben werden. Gut möglich also, dass noch ein paar Frauen hinzukommen.

Exklusive Videopremiere: Balbina singt gegen das "Nichtstun" an