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NDR-Journalistin: "Sexistisch und rassistisch": Anja Reschke kritisiert Deutschen Fernsehpreis

Während Preisverleihungen in den USA zum Protest gegen sexuelle Gewalt genutzt werden, ist beim Deutschen Fernsehpreis die Männerwelt noch in bester Ordnung. NDR-Journalistin Anja Reschke empört sich über die Gala.

Anja Reschke über den Deutschen Fernsehpreis

Anja Reschke echauffiert sich über den Deutschen Fernsehpreis

Im Gegensatz zu früheren Jahren wurde die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises diesmal nicht im TV übertragen. Gut so, findet Anja Reschke. Die NDR-Journalistin ist entsetzt über die Gala, die am vergangenen Freitag in Köln über die Bühne gegangen ist. Im Medienmagazin "Zapp" hat sie am Mittwoch in einem furiosen Rant erklärt, weshalb sie die Veranstaltung so erbost hat.

Sie erinnert an die Preisverleihungen in den USA, die für Proteste und Stellungnahmen in aktuellen Debatten genutzt werden. So trugen die Besucherinnen der Golden Globes vor ein paar Wochen Schwarz, um ein Zeichen zu setzen gegen sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch. Mit den Enthüllungen über Dieter Wedel hätte es auch beim Deutschen Fernsehpreis ein Thema gegeben, immerhin ist er ein deutscher Fernsehregisseur.

Doch anstelle einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Sexismus in den eigenen Reihen musste die Journalistin erleben, wie die Gala mit nackten Hupfdohlen eröffnet wurde. "Mit Troddeln auf den Brüsten und Bananen auf den Hüften", wie Reschke fassungslos berichtet. "Also nicht nur sexistisch, sondern auch rassistisch."

Der Deutsche Fernsehpreis zeichnet fast nur Männer aus

Später habe sie erfahren, dass die Eröffnungsszene eine Hommage an die in den 30er Jahren spielende Serie "Babylon Berlin" gewesen sei. Eine Serie, die sie nicht kenne, denn sie laufe auf dem Pay-TV-Kanal Sky. Was Reschke nicht erwähnt: Auch die ARD hat diese Serie mitfinanziert, noch in diesem Jahr wird die Produktion auch im öffentlich-rechtlichen TV zu sehen sein.

Doch es gibt noch weitere Punkte, die Reschke aufregen: Fast alle Preisträger seien Männer. Sie zählt ein paar Kategorien auf "Beste Musik: zwei Männer. Bester Schnitt: zwei Männer. Beste Ausstattung: zwei Männer. Beste Kamera: zwei Männer. Beste Regie: ein Mann. Beste Late Night: ein Mann." Auch der Nachwuchspreis sei an zwei Männer gegangen.

Der Gipfel war jedoch die Verleihung in der Kategorie Beste Einzelleistung Information. Da dort drei Frauen nominiert waren, musste es eine weibliche Preisträgerin geben. Doch dann sang Moderatorin Barbara Schöneberger dieses Lied: "Das bisschen Info macht sich von allein, sagt der Claus. Das bisschen Info kann so schlimm nicht sein, sagt der Claus", während über der Bühne ein überlebensgroßes Foto von "heute journal"-Moderator Claus Kleber hing. 

Letztlich zeigte sich Anja Reschke froh, dass diese Veranstaltung nicht im Fernsehen übertragen worden sei. Ihr bitteres Fazit: "Die Fernsehbranche hat nichts zu sagen."

Das hat Jan Böhmermann ganz ähnlich gesehen. Der ebenfalls anwesende Satiriker hatte bereits am vergangenen Samstag einen vernichtenden Tweet über die Veranstaltung abgesetzt: "Der geniale Dr. Wedel hat gestern Abend beim Deutschen Fernsehpreis zum Glück nicht mit einem einzigen Wort oder einer kleinen Anspielung stattgefunden. Bis auf "Beste Schauspielerin" und "Beste Moderation" haben wir alle Preise gewonnen. YES! We did it again, Männer!"


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