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Duran-Duran-Konzert: Nur die Fans streiken nicht

Am Freitag erscheint das neue Album von Duran Duran: "Red Carpet Massacre". Nachdem es bereits um das Video der Single-Auskopplung "Falling Down" einen handfesten Skandal gab, lief auch die offizielle Präsentation am Broadway nicht ohne Komplikationen ab.

Von Ulrike von Bülow, New York

Es war alles hübsch geplant. Duran Duran hatten das altehrwürdige "Ethel Barrymore Theatre" am New Yorker Broadway für zehn Konzerte gebucht, um ihr neues Album "Red Carpet Massacre" vorzustellen. Passend zum Titel war dort ein roter Teppich ausgelegt worden, an dem Fotografen-Darsteller sich aufspielten und mächtig viel Blitzlicht auslösten. Sieben Abende lang ging alles gut - dann begannen die Bühnenarbeiter am Broadway zu streiken, für mehr Geld und gegen drohenden Stellenabbau. Und so sitzt man heute nicht im Theater, sondern steht im "Roseland Ballroom", einem schön abgerockten Saal in der 52. Straße, der eilig organisierten Ersatzherberge für die finalen Konzerte, und muss auf die Inszenierung drum herum verzichten. Aber das macht nichts, man geht ja eh nicht zu Duran Duran, um dolle Showelemente zu sehen, sondern um den Soundtrack seiner Jugend zu hören, um den Männern zu begegnen, in die man als Mädchen verknallt war: Simon Le Bon, den Sänger. John Taylor, den Bassisten.

Das Publikum ist überwiegend weiblich und wie die Band nicht jünger geworden, aber es kreischt wie einst, als die Herren um kurz nach neun in schwarzen Anzügen die Bühne betreten. Duran Duran waren in den Achtziger so was wie die Beatles der damaligen Zeit - zumindest was die Verehrung weiblicher Teenager anging: Hysterie überall. Duran Duran kamen daher wie von einer Kosmetikschule mit Synthesizer-Kurs. Trugen Kajal und Lippenstift, produzierten Plastik-Musik - und das machte sie zu den perfekten Hochglanz-Poppern. Sie hatten Hits wie "The Reflex" und "The Wild Boys" und mit Prinzessin Diana genau einen bekennenden Fan über 20. Doch dann driftete die Band auseinander.

Vor vier Jahren fand sie sich wieder, produzierte in der Originalbesetzung Simon Le Bon, John Taylor, Nick Rhodes (Keyboard), Roger Taylor (Schlagzeug) und Andy Taylor (Gitarre) das Album "Astronaut", aber sie klang nun ein bisschen gestrig. Inzwischen hat sich Andy Taylor wieder von Duran Duran verabschiedet, und die übrigen vier Herren haben sich mit Timbaland zusammen getan, dem Erfolgsproduzenten der Neuzeit, und "Red Carpet Massacre" aufgenommen; Timbaland ist für drei Songs des Albums verantwortlich: "Zoom In", "Night Runner" - und "Skin Divers", das sechste Lied, das Duran Duran an diesem Abend spielen.

Die Band ist im neuen Jahrtausend angekommen

"Oh, Timbalaaaaand!", spricht Simon Le Bon denn auch nach dem ersten Refrain ins Mikrophon. Und wenn man all die neuen Songs hört, hat man das Gefühl, die Band ist im neuen Jahrtausend angekommen. Das ist moderner US-Disko-Pop, sehr tanzbar.

Die erste Single aus dem Album heißt "Falling Down", und es mag sein, dass sie sogar ein Hit wird, denn "Falling Down" wurde von Justin Timberlake produziert, der ja ein Jünger ist von Timbaland, und das Video dazu machte ein paar nette Schlagzeilen: Es geht um eine junge Frau, die Kate Moss ähnelt und in eine Suchtklinik eingeliefert wird, um Pillen, vergitterte Krankenzimmer und um einen Arzt im weißen Kittel, gespielt von Simon Le Bon. Es gibt unterschiedlich lange Versionen des Videos, in einer ist irgendwo ein Fitzelchen blanker Frauen-Brust zu sehen, und darum hieß es in England: Shocking! Video-Verbot!!

"Beängstigend und erschreckend zugleich"

Nüchtern betrachtet ist "Falling Down" eine schöne Ballade über einen Star auf dem absteigenden Ast. Duran Duran wissen, wovon sie sprechen; John Taylor zum Beispiel ist heute clean, nach dem er über Jahre abhängig war von Kokain und Co. "Die Tatsache, dass Berühmtheit heute für so viele junge Leute der Heilige Gral zu sein scheint", sagt Simon Le Bon, "ist beängstigend und erschreckend zugleich."

Nach einer Stunde Konzert ist Pause, denn das Bühnen-Programm von Duran Duran ist unterteilt in drei Akte: Der erste heißt "Red Carpet Massacre - The Album", da geht es ausschließlich um die neuen Songs. Der zweite heißt "ElectroSet", da steht die Band in einer Reihe am Bühnenrand, Keyboards vor sich, sieht aus wie Kraftwerk, spielt Kraftwerks "Showroom Dummies" und Kraftwerk-artige Verschnitte von eigenen Songs wie "I don't want your love".

Der dritte Akt heißt "Essential Duran Duran", und da ist Party. "Clap your hands in the air!", sagt John Taylor, alle mal klatschen, und dann folgen die großen Hits von einst: "The Reflex", "Rio", "A View To A Kill" oder "Girls on Film", und alle Frauen sind im Film und singen jede Zeile auswendig mit. "Wie heiße ich?", fragt Simon le Bon, und alles kreischt: Simoooooon! "Wir haben nur zwei Flaschen Bier da, aber wollt ihr backstage vorbei kommen?!", fragt er, und alles kreischt: Yeeeeeeeees!

Die Herren spielen insgesamt gute zweieinhalb Stunden, es ist ein sehr, sehr unterhaltsamer Abend, entspannt zu genießen: Vor 20 Jahren wäre man hinterher zum Hintereingang gehechelt, hoffend, die Band dort zu erspähen - so aber geht man zufrieden in die nächste Bar, noch ein Bier trinken.