VG-Wort Pixel

RTL-Dschungelshow, Tag 8 "Wie kann man Prosecco falsch buchstabieren?" – Flennen und Feiern im Tiny House

Sobald sich das Rad dreht, werden die drei Bewerber immer wieder mit dem Kopf durch ein Becken voller Dschungelschlotze gezogen.
Sobald sich das Rad dreht, werden die drei Bewerber immer wieder mit dem Kopf durch ein Becken voller Dschungelschlotze gezogen.
© TVNOW / Stefan Gregorowius
Was macht man, damit es kracht und die Fetzen fliegen? Schön auf die Sollbruchstellen drücken, die Alkoholzufuhr mit Bedacht dosieren – und Mammutaufgaben stellen. Ab in die Buchstaben-Schlotze mit der Bande.
Von Ingo Scheel

Was waren das noch für Zeiten: Simon Le Bon an einen Flügel dieser Folter-Windmühle gekettet, unten der Tümpel des Grauens, drumherum ein paar dubiose Tänzer, im Tiny Käfig sitzt der schmucke John Taylor und soll mit Gehacktem gefüttert werden. "They tried to tame you, looks like they'll try agaiiiiiiin. Wild Boys, Wild Boys, never lose it". Und so weiter. Blende. Peter Illmann. "Das waren Duran Duran, weiter geht's mit Laura Branigan." Ach, war det schön.

Die Dschungelshow bei RTL nun bringt ein weiteres Mal die dezent abgespeckte Version dieses einst teuersten Videoclips der Welt: Wiedersehen mit dem "Unglücksrad". Unten Schlotze mit Fisch, auf der Drehscheibe drei gefesselte Adepten, die sich anschicken, "ihr Leben zu ficken", deren Aufgaben zwischen Pisa-Studie und Kindergeburtstag: Buchstabieren und Bälle schmeißen.

Für Oliver, Sam und Christina - so die Reihenfolge ihrer "Popularitäts"kurve vom Vortag – ist die rotierende Fangopackung mit Scrabble-Gelöt fast wie eine Erlösung. Wir erinnern uns (oder auch nicht): Zum Einzug in den Wohnwürfel gab es ordentlich Schnaps und Prosetscho, es wurde getanzt und gelacht, kurz darauf zeigten sich erste Risse im Firnis der Isolation. Der Tag danach, wie so ein Tag danach dann mal ist, wenn der letzte Sekt geleert, die letzte Dippe verqualmt ist, und man feststellt, dass es unter der Bettdecke nach abgelaufenem Senf riecht: Da wird die Lunte gefährlich kurz.

Dschungelcamp

Beim Tiny Triple mussten erstmal die Filmrisse notdürftig gefickt, Verzeihung, geflickt werden. Einfach war das nicht. Hatte Christina nun zu Sam gesagt, er würde sich prostituieren oder hatte sie das nicht gesagt? Irgendwie war das nicht zu klären, allein der Versuch, dem Dialog, nennen wir es der Einfachheit halber so, zu folgen, fühlte sich an wie kurz vorm Hörsturz. Dann ging alles ganz schnell. Sam vergoss unter seinem sauerkrautigen Haupte flugs ein paar Tränen, überlegte gar zu gehen, Christina tat es ihm gleich und wässerte ihre glasigen Augen. Aber mal ehrlich, hat Sam nun sein Seelchen verhökert, oder nicht? Fotos mit Georgina Fleur, Tagesfreizeit in Dubai, das sollte als Argument herhalten, so richtig schlüssig geriet das nicht.

Not eines Hantelreißenden

Danach gab es noch ein wenig Ghetto-Beichte, eine Geschichte, in der ein Dutzend Mitschüler Christina in eine Falle gelockt hatte, um ihr Saures zu geben – keine schöne Erinnerung. Gut, dass Christina es trotzdem zu was gebracht hat. Soviel Tränenfluss setzte dann selbst einen Steher wie Oliver unter Wasser, auch bei ihm Rückführung das große Thema, Arbeitstitel: Not eines Hantelreißenden. Vom Höhenflug bei der Rosenshow in Allmachtsphantasien abgeglitten, trainierte Oliver so hart, dass es ihm die Wirbel verschob. Vom Bachelor zum Bandscheibler, ganz krumm, der Rücken, und fort die Freunde. Auch keine schöne Erfahrung.

Aber Lebbe geht weider, und da hieß es dann – sinnigerweise mit Tanja Tischewitz und Maren Gilzer im Stadion, Quatsch, im Studio zu Gast (Unglücksrad/Glücksrad, nudge-nudge) – rauf da, auf die Drehscheibe und buchstabieren. And what fun we had: Allein Sams Versuch, das australische Beuteltier in seine Einzelteile zu zerlegen, eine psychedelische Grenzerfahrung: K - A - KANG - KA - Ä - ANG - N - G - R. Ein Morsecode aus dem Zwischenreich, nichts weniger als G - R - A - N - D - I - O - S. Schreibt man doch so, oder? Parallel dazu sollten Oliver und Christina, ebenfalls am Rad festgebimst, Bällchen in ein Netz werfen. So richtig knorke gelang auch das nicht, wobei Sam sein Standing bei den Pisa-Leuten zumindest noch ein wenig verbessern konnte. Limosine. Sinflut. Plumsklo. Karsuel. Da weiß man doch nun wirklich was gemeint ist.

Grundnahrungsmittel Prosecco

Ausgerechnet bei einem Grundnahrungsmittel wie Prosecco dann aber nochmal zu versagen, das brachte dann sogar den Sanne auf die Tanne. War dann aber doch nur Spaß vom Oliver, zudem hatte Lieferandoof den Kühlschrank schon wieder vollgemacht, also, aufgefüllt und da hieß es zur Freude aller: Luft muss in die Buddel, dann klappt's auch mit dem Mitbewohner. Prösterchen. Selbst die Challenge, ein paar hitzige Social-Media-Kommentare dem jeweiligen Bewohner zuzuordnen, geriet vergleichsweise harmonisch.

Am Schluss lag Sam in der Zuschauergunst vorn, vielleicht auch, weil er die Sache mit dem IQ-Test, dem "EKU-Test", so toll erklären konnte, seiner läge nämlich bummelich bei 9.8, aber das ändert sich ja zum Glück eh jeden Tag.

Apropos ändern – auch seine Haare sahen nach der Dschungelprüfung direkt besser aus, die Mini-Pli nach Wolle-Petry-Art ist deutlich schicker. Dass Olivers Sympathiewerte etwas abgerutscht sind, so what. "Beyoncé, Trump, Merkel, die haben auch nicht nur Freunde". Sprach es und lutschte den letzten Rest Bier aus der Flasche. Christina vertrug den SocMed-Gegenwind nicht mehr ganz so gut, ihr Kommentar "Alle kaputt im Kopp". Ein schönes Schlusswort. Als Hausaufgabe bitte Prostitution und Schneckenschlotz buchstabieren. Morgen wird abgefragt.

"Ich bin ein Star – Die große Dschungelshow" läuft um 22.15 Uhr auf RTL oder bei TVNow


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker