Konzert für Diana "Das war keine gute Idee"


Um vier Uhr an diesem 1. Juli 2007 wird es beginnen, das große "Konzert für Diana". Doch entgegen aller Meldungen: Weder ist das Konzert ausverkauft, noch sorgt es für Begeisterungs-Stürme im Lande der Prinzessin der Herzen.
Von Cornelia Fuchs, London

Es gibt noch Tickets, sogar ganz hochoffiziell auf der Webseite der Veranstalter des "Concerts for Diana" (www.concertfordiana.com), Stückpreis 45 Pfund, also 60 Euro. Es scheint sich niemand darum zu schlagen, zu diesem Konzert zu gehen. Tickets auf Ebay erhalten, wenn überhaupt, nur einige, wenige Angebote. Teilweise werden sie gar unter Einkaufspreis weitergegeben.

Da ist die eine Seite, die diese Idee eines Pop-Konzerts für großartig halten. Prinz William und Prinz Harry wollen ihre Mutter so feiern, wie sie es selber getan hätte - mit viel Spaß und Musik und VIPs. Damit soll an die strahlende Diana erinnert werden. An die Frau, die beim ersten LiveAid-Konzert vor 22 Jahren neben Bob Geldof Platz nahm und mit den ersten Songs von Status Quo nicht mehr auf ihrem Platz zu halten war. Die mit ihrem Lachen die ganze Veranstaltung aufwertete, und vor der Stars wie Elton John, George Michael und Freddie Mercury Schlange standen, um ihr einmal die Hand zu schütteln. Es ist dieser Geist eines weltumspannenden guten Willens, den das "Konzert für Diana" auferstehen lassen will. Das wird schwierig werden.

Eine Woche später kommen die großen Stars

Denn die Kritik im Vorfeld ist harsch. Sie begann, als das Programm verkündet wurde. Elton John, Rod Stewart, Bryan Ferry, Andrew Lloyd Webber, Duran Duran, Joss Stone - alles gut und schön, aber wo sind die großen Namen? Wo sind Madonna, Paul McCartney, U2? Im Vergleich zum Auflauf der Musikgrößen nur eine Woche später anlässlich der "Live Earth"-Klima-Kampagne ist das Konzert für Diana allenfalls der kleine Stiefbruder. Statt großer Gesten plant Andrew Lloyd Webber, den Gewinner einer Reality Show mit Songs aus der Wiederauflage seines Musicals "Joseph and the Amazing Technicolour Dreamcoat" auf die Bühne zu schicken. Das ist schwerlich großes Theater. Noch sagen die Veranstalter, sie hätten weitere Trümpfe im Ärmel. P.Diddy hat nun zugesagt. Und Nelly Furtado. Doch egal, wer noch auftreten wird: Die größte Kritik richtet sich gegen den Sinn des Konzertes selber, wie die Kolumnistin Zoe Brennan in der Zeitung "Daily Mail" schreibt: "Das ist der Knackpunkt. Das Konzert soll keine Spenden sammeln. Und das obwohl die Webseite alle Hilfsorganisationen aufzeigt, die Diana unterstützt hat."

Die Ticketpreise sind so kalkuliert, dass sie die Kosten des Konzertes decken. Nicht mehr und nicht weniger. Dianas Hilfsorganisationen haben auch anscheinend keine Eintrittskarten zur Verfügung gestellt bekommen. Sie mussten sie selber bezahlen - und durften sie dann zum Fundraising benutzen. Es gibt Gerüchte, dass gerade einige angefragten Musik-Business-Größen aus Angst abgesagt haben, das Konzert könne fast gar keine Spenden generieren. Zoe Brennan bringt die Kritik "angesichts der Abwesenheit jeglicher klaren karitativen Absicht" auf den Punkt: "Das war keine gute Idee - und jemand hätte dies den Prinzen sagen sollen."

Streit der Royalisten

Einige Kritiker gehen sogar noch weiter: Sie verdammen gleich die ganze Idee eines Pop-Konzertes. Dies sei nicht passend für ein ehemaliges Mitglied der königlichen Familie. Sie schüren damit den alten Konflikt der Traditionalisten und der Erneuerer der royalen Traditionen im Hause Windsor. Letztere glauben, dass Diana der Monarchie dringend nötige neue Impulse gegeben hat vor ihrem Tod. Und dass ihre Söhne diese Impulse weiter tragen, auch durch die Organisation eines Konzertes für den Geburtstag ihrer Mutter. Die Traditionalisten hoffen nur, dass endlich Ruhe ist und Dianas unruhiger Geist in der Vergessenheit verschwindet. Sie wollen die Monarchie wieder haben, wie sie vor Diana war: Ruhig, etwas langweilig und schwergewichtig gehaltvoll. Öffentliche gezeigte Emotionen passen da nicht ins Bild. Und Pop-Konzerte schon gar nicht. Diana spaltet wieder einmal die Nation.

Kein anderer Royal wird übrigens am Sonntag in Wembley auftreten. Nicht Prinz Charles und schon gar nicht die Queen. Die Noch-Ex-Freundin von Prinz William, Kate Middleton, wird wohl dabei sein. Sie hat von Anfang an bei der Organisation mitgeholfen. Es ist das erste Mal, dass die beiden Prinzen allein für eine große Veranstaltung verantwortlich sind - und den Großteil der Kritik ertragen müssen. Prinz William hat schon im ersten Interview gescherzt: "Wenn es funktioniert, wird es großartig. Wenn nicht, dann verlassen wir das Land."


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