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Duran Duran: Postpubertärer Schub

stern-Redakteurin Ulrike von Bülow und ihre beste Freundin trafen die Götter ihrer Teenie-Jahre: Duran Duran. Und fanden sie immer noch aufregender als ihre Musik.

Wir sind uns schon einmal begegnet. Am Hamburger Flughafen war das, Mitte der 80er Jahre, die Herren schwebten für ein Konzert ein, und meine beste Freundin und ich warteten in einem Pulk restlos überdrehter Mädchen in der Ankunftshalle auf sie.

Vielleicht kann man das, was dann passierte, damit entschuldigen, dass wir etwa 13 waren und Duran Duran so was wie die Beatles der damaligen Zeit - zumindest was die Verehrung weiblicher Teenager anging. Hysterie überall, da wollten wir wohl nicht aus der Rolle fallen.

Ich entdeckte Simon Le Bon, den Sänger, rannte los und klammerte mich an seiner braunen Lederjacke fest wie ein Affe an einem Ast. Er grinste, wahrscheinlich, weil er schon den heraneilenden Security-Typen entdeckte, der mich entfernte und zurück zu den anderen Mädchen schleifte. Wo meine beste Freundin das Mikrofon eines Radioreporters nass machte. "Ich liebe ihn soooo!", heulte sie und meinte John Taylor, den Bassisten.

"Echt?", fragt dieser John Taylor zwei Jahrzehnte später. Dann blättert er in ihrem alten Tagebuch, voll gemalt mit Herzchen und grenzdebilen Liebeserklärungen: "John ist wie ein Ring um mein Herz." Er lacht. "Gut, dass es auf Deutsch ist."

Wir nicken. Denn meine beste Freundin und ich sind auf unsere alten Tage doch noch da gelandet, wo wir als pubertäre Mädchen immer sein wollten: in einem Hotelzimmer mit Duran Duran. Auch wenn wir damals eher an unsere Entjungferung durch John oder Simon gedacht hatten. Aber dafür ist es jetzt zu spät, insofern ist ein Interview auch okay; ich habe um diesen Termin gebettelt und darum, dass meine beste Freundin mitkommen durfte. Aus nostalgischen Gründen.

Duran Duran sind wieder komplett. Zuletzt bestand die Band ja nur noch aus Simon Le Bon und Nick Rhodes, dem Keyboarder, und war überall außer in den Charts. Aber nun ist mit "Astronaut" das erste Album seit 18 Jahren in der ursprünglichen Besetzung erschienen. Vor uns sitzt John Taylor, 44, die Haare schwarzblond gesträhnt, und überlegt, wer die Idee hatte, wieder gemeinsam Musik zu machen. Er kommt auf einen, mit dem wir nicht gerechnet hatten: "Gott", sagt er. "Oder es war die Konstellation der Planeten."

Wir sind verwirrt.

Fragen uns, ob es zu viel Kokain war damals als Superstar. Aber dann kriegt er die Kurve: "Simon. Er hat es am meisten gefühlt, you know?" Neben Taylor sitzt Nick Rhodes, und der sagt jetzt, dass sie halt alle immer noch "diese Leidenschaft für Musik" hätten. Wie 1978, als er und Taylor die Band in Birmingham gründeten.

Duran Duran kamen daher wie von einer Kosmetikschule mit Synthesizer-Kurs. Trugen Kajal und Lippenstift, produzierten Plastik-Musik - und das machte sie zu den perfekten Hochglanz-Poppern der frühen Achtziger. Sie hatten Hits wie "The Reflex" und "The Wild Boys" und mit Prinzessin Diana genau einen bekennenden Fan über 20. Doch dann driftete die Band auseinander. Und nun das: "Astronaut" mag für Feuilletonisten Pop-Trash sein - für uns ist es immer noch Kunst.

"Wir wollen bald in Berlin spiel..." - sagt John Taylor nun und hält inne. "Look at her, she's beaming!" Er zeigt auf meine beste Freundin, die ihn anstrahlt, als sei heute sie auf Koks. Weil er immer noch soooo sexy ist. Zum Abschied sagt er: "See you at the show." Vor Jahren wären wir bei diesem Satz bestimmt tot umgefallen. Aber jetzt wollen wir noch zu Simon.

Der Sänger steht ein Zimmer weiter im Bad, gurgelt und lässt sich dann in ein Sofa fallen. Le Bon, 45, die Haare blond gesträhnt, sieht erstaunlich frisch aus. Faltenfrei. Hat bestimmt 'ne super Hautcreme, der Mann. Aber wie war das mit der Wiedervereinigung von Duran Duran? You know, Gott, die Konstellation der Planeten, Simon, was war es?

"Wir waren auf einem ständigen Abstieg ", sagt er, "wenn das so weitergegangen wäre, hätten wir irgendwann in Ferienlagern gespielt." Respekt, so was nennt man eine ehrliche Antwort! "Die Magie von uns fünf haben wir alle vermisst... Oh dear." Er lacht. "Und Retro ist schick. Heute sind alle nostalgisch."

Das ist unser Stichwort. Wir erzählen, warum wir vor 20 Jahren beste Freundinnen geworden sind: weil unsere Mütter, Lehrerinnen an derselben Schule, feststellten, dass sie beide Töchter haben, deren Kinderzimmer aussehen wie eine Gummizelle - bis unter die Decke mit Duran Duran tapeziert. Und die sich mal treffen sollten, zwecks Austauschs doppelter Poster. "Ohh" - Le Bon lächelt. Nimmt uns für ein Foto in die Mitte. Und sagt in sehr väterlichem Ton: "Für eure Mütter."

Ulrike von Bülow und Suze Barrett / print
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