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Eurovision Song Contest: Ausgerechnet: Osten stimmt gegen Westen

In Europas Osten haben die aus dem Westen keine Chance - zumindest beim Eurovision Song Contest. Dass selten osteuropäische Länder für westeuropäische abstimmen, glauben viele. Nun hat sich ein Mathematiker der Frage angenommen. Und einige Vorurteile belegt. Überraschungen gab es dennoch.

Der Mathematiker Marcus Weber ermittelte in einem Beitrag für die "Zeit", dass in manchen Ländern ähnlich abgestimmt wird. Ganze Gruppen von Staaten gibt es, die ein ähnliches Abstimmungsverhalten zeigen, ermittelte der Forscher vom Berliner Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik. Mit einer Software, die ansonsten bei der Medikamentenherstellung eingesetzt wird, ermittelte er sechs Länder-Cluster. Als Grundlage der Berechnung dienten ihm die Abstimmungsergebnisse der vergangenen zehn Jahre. Ein Ergebnis: Osteuropäische Staaten gaben Eurovision Song Contest-Teilnehmern aus dem Westen nur wenige Punkte.

Nach der Analyse der Software zeigen die sechs Cluster der Länder mit einem übereinstimmenden Abstimmungsverhalten auch eine erstaunliche geografische Nähe. Das Vorurteil, dass Nachbarländer bevorzugt für Nachbarn stimmen, stimmt demnach anscheinend.

Offensichtliche Antipathien gibt es natürlich auch: So fiel Lena Meyer-Landrut in einer stark vom früheren Ostblock geprägten Gruppe mit Ländern wie Russland, Polen, der Ukraine, Weißrussland, Georgien, aber auch Israel durch. Die Siegerin von Oslo hätte mit den Stimmen dieser Länder im Schnitt nur 2,1 Punkte und Platz elf geholt. Dagegen flog der Block der baltischen Staaten Lettland, Estland, Litauen, der ebenfalls seit Jahren ein ähnliches Abstimmungsverhalten zeigt, im vergangenen Jahr total auf Lena und gab ihr im Schnitt 11,3 Punkte.

Das Programm ermittelte jedoch auch eine große Überraschung. Demnach gehört Österreich, wo es früher oft gar keine Punkte für Deutschland gab, inzwischen zu den besten deutschen Freunden. Mit im Schnitt 3,8 Punkten liegt die Alpenrepublik auf Rang drei, nur die Spanier mit 5,0 und die Schweizer mit 5,1 Punkten bedachten Deutschland großzügiger. Auch die deutschen ESC-Gegner identifizierte die Software eindeutig: Israel und Weißrussland gaben Deutschland in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt null Punkte, Griechenland nur 0,3 Punkte.

liri/AFP / AFP
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