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Frank Ramond: Der Mann hinter Roger Cicero

Nach zwei Pleiten beim Vorentscheid wollte Frank Ramond nie wieder beim Grand Prix mitmachen. Doch mit Swing-Sänger Roger Cicero ist der Texter und Produzent nun zum Finale nach Helsinki geflogen - und erleidet einen Rückfall ins Englische.

Von Gerhard Richter

"Wer nichts zu erzählen hat, der sollte es auf Englisch tun, das klingt zumindest besser", sagt Frank Ramond, schlägt die Beine übereinander und lacht. So ein Statement irritiert. Späte Einsicht? Midlife-Weisheit? Vergeblich lauscht man nach ehrlicher Reue in der Stimme des 43-Jährigen, der früher alles geschrieben hätte, nur um Erfolgreich zu sein. Und der alles geschrieben hat. Natürlich auch englisch. 300 Lieder von ihm werden ständig irgendwo abgespielt, gesungen von Oli P, Francine Jordi, Yvonne Catterfeld, Christina Stürmer, Die Lollipops, Dj Ötzi, Truck Stop, Nino de Angelo, Vicki Leandros, Roger Whittaker.

Schlager, Pop, Kinderlied und Karneval. Alles Mögliche hat er ausprobiert. Ein Glücksritter der Musikindustrie war er, immer auf der Jagd nach einem Smash-Hit. Hatte ein Kollege die Charts gestürmt, rannte Ramond durch die Schneise hinterher. Tanzten alle den Mambo Nr. 5, fertigte Ramond flugs den Mambo Nr. 6. "Wir sind jeden Trend mitgegangen", sagt er über seine Anfangsjahre in der Branche. Dann dieses Jungs-Grinsen unter den blonden Haaren: Musikbusiness als Abenteuerspielplatz.

"...es ging mehr um den Beat!"

Die Mechanik des Musikgetriebes hat Frank Ramond während seiner kaufmännischen Ausbildung in einer Hamburger Plattenfirma kennen gelernt. Um ihn herum wurden die Künstler in den Himmel katapultiert, glitzerten als Stars oder erloschen. Der Deutsch-Franzose misstraute dieser faszinierenden Welt und begann ein Jurastudium. Nebenher, wie er heute sagt. Ein Bein hatte er immer im Studio und ein Auge auf den Markt. Probierte und produzierte - oder besser - programmierte als Autodidakt Dance-Titel. "Da hat man ein paar belanglose Texte auf Englisch machen müssen, aber da ging es ja mehr um den Beat."

Kurz vor dem zweiten Staatsexamen kam ein Angebot von Udo Lindenberg bei dessen Album "Benjamin" mitzuwirken. Ramond packte die Chance beim Schopf und beendete den Spagat zwischen Studium und Studio. Seit 14 Jahren arbeitet Frank Ramond nur noch als Texter und Produzent.

Ideen aus der Kellerbar

Ein kleines Dorf in der Nähe von Hamburg: In einer sehr ruhigen Seitenstraße lebt Frank Ramond mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in einem Eigenheim. Nach Kindheit in Istanbul und Jugend in Mexiko ist er hier angekommen, im Heimatdorf seiner Frau. "Villa Ramond" steht auf einem Keramikschild neben der Eingangstür. Die Terrasse ist gerade Baustelle. Im Garten feiert der Wildwuchs kleine Siege. Neben der Klinkervilla ist ein Schuppen oder eine Garage, aber in Wirklichkeit ist es ein Studio. Hinter der Holztür, im schmalen Flur, hängen Konzert-Plakate von Anett Louisan und Roger Cicero. Daneben die Gold- und Platin-CDs, so wenig glamourös wie Hirschgeweihe beim Förster.

Das Studio selbst ist mit königsblauem Teppich ausgelegt. In der Ecke lehnen sechs Gitarren, um den Drehstuhl herum sind Keyboard und Mischpult angeordnet. Vor drei flimmernden Bildschirmen sitzt Frank Ramond. Er googelt, chattet, klickt sich durchs Reimlexikon und Synonymwörterbuch. Die Ideen für die Songs schnappt er beim Männerabend in seiner Kellerbar auf. "Nach zwei Stunden platzen da manchmal so kleine Wahrheiten heraus…"

Staubsauger und Groove-Gebläse

Im kleinen Aufnahmeraum steht einsam das Mikro. Jetzt wo kein Sänger da ist, und schon gar keine Sängerin, liegen Aktenordner auf dem Teppich, ein Staubsauger lehnt nachlässig an der Wand. "Zieh die Schuh aus! Bring den Müll raus! Und dann räum hier auf", hat Roger Cicero hier drin gesungen. Ramonds Text auf dem Notenständer, das Groove-Gebläse der Swingband im Kopfhörer. Beides hat er mit seinem Gesang zu einem Flow vereint, bei dem alle öffentlich mitwippen und heimlich mitnicken können. Ramond und Cicero, zwei Jungs, die sich verstehen, und die wissen, wie man sich den Alltag vom Halse singt.

"Bestimmte Dinge, von denen ich weiß, dass jeder Mann sie denkt, darf man nicht aussprechen, weil man sonst einfach das Macho - Entschuldigung - Arschloch ist und das versuche ich ein bisschen zu verarbeiten und das bringt natürlich all diejenigen zum Schmunzeln, die sich da ertappt fühlen. Und ich glaube, das sind viele", sinniert Frank Ramond seinem Volltreffer hinterher. 350.000 Mal hat sich das Album "Männersachen" verkauft. Frank Ramond hat den Echo 2007 bekommen, als bester Produzent des Jahres. Dabei sind eher die Texte das Besondere.

Der Rückfall

Eigentlich wollte Frank Ramond nicht mehr am Grand Prix teilnehmen, nach den beiden Vorrundenpleiten: 2000 mit der Gruppe Goldrausch und 2003 mit der Sängerin Senait. Aber was bedeuten alte Schwüre angesichts neuer Chancen? Über 50 Prozent der deutschen Zuschauer des Eurovision Song Contest wählten Roger Cicero und den Titel "Frauen regier'n die Welt" ins Finale. In Helsinki wird Cicero den letzten Refrain auf Englisch singen, hat Ramond beschlossen, "damit die Leute in anderen Staaten zumindest wissen, worum es in dem Lied geht."