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Roger Cicero: Deutschlands neuer "Mr. Swing"

Mit einer großen Portion Swing will Roger Cicero für Deutschland nach Helsinki fahren. Sein altmodischer Big-Band-Sound gepaart mit frechen Texten schielt auf alle Altersgruppen - das könnte ein Vorteil sein.

Roger Cicero mixt Pop, Jazz und Swing mit frechen Texten und eroberte damit die Charts. Rein altersmäßig liegt der 36-Jährige genau im Mittelfeld der Grand-Prix-Bewerber. "Die einen trumpfen mit Jugend, der andere mit Erfahrung - ich habe beides", sagt der Sänger schmunzelnd. Der Sohn des Jazz-Pianisten Eugen Cicero überrascht nicht nur mit ungewohnten Klängen und Texten, auch optisch machen seine Auftritte etwas her: Elegant mit Hut und Lackschuhen sowie Elf-Mann-Orchester kommt er ganz im Stil von Swing-Musikern auf die Bühne. "Beim Grand Prix habe ich die Chance, meine Musik einem großen Publikum zu präsentieren", meint der Künstler. "Wenn es nicht funktioniert, mache ich so weiter wie bisher. Ich habe schon immer mein Geld mit Singen verdient."

Karriere

Noch vor einem Jahr war Cicero außerhalb der Jazz-Szene kaum bekannt. Mit zwölf Jahren hatte er den ersten Bühnen-Auftritt, später studierte er Musik in den Niederlanden und finanzierte mit Clubauftritten sein Leben. Die Begegnung mit Texter Frank Ramond und Komponist Mathias Hass - beide mit Annett Louisan erfolgreich - verhalf ihm zum Durchbruch. Mit Swing-Kompositionen und amüsanten Wortspielereien entdeckte er eine Nische, der Song "Zieh die Schuh aus" katapultierte ihn in die Charts. "Dass das so einschlägt, hat uns selbst überrascht. Nicht mal die Strategen in der Plattenfirma wussten, welche Zielgruppe wir erreichen können", erläutert er. Im Kern sind es die 25- bis 35-Jährigen - "Grenze nach oben und unten aber weit offen", sagt Cicero, der auch für den Echo nominiert ist.

Grand Prix

Nach seinem Debüt-Album "Männersachen" gilt Ciceros Aufmerksamkeit beim Vorentscheid am Weltfrauentag ganz dem weiblichen Geschlecht. "Frauen regier'n die Welt" heißt sein Titel - "eine alte Erkenntnis, die nur ein Macho nicht wahrhaben will", sagt der Sänger augenzwinkernd. "Sie pushen Beckham und stürzten Clinton, ohne dafür 'ne Partei zu gründen", singt Cicero, der als Kind selbst mit "großen Augen" vor dem Fernseher saß, als Nicole 1982 mit "Ein bisschen Frieden" für Deutschland den Sieg holte. Seine eigenen Chancen beim Vorentscheid und die seiner Konkurrenten schätzt er als "ziemlich ausgeglichen" ein. "Vor allem aber kommen die Teilnehmer aus so unterschiedlichen Lagern, dass es sehr schwer ist, auch nur irgendeine Prognose zu abzugeben."

Pläne

Sein großes Ziel ist es, für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Helsinki an den Start zu gehen. Selbst dann will der in Hamburg lebende Sänger komplett auf seine Muttersprache setzen und auf Englisch verzichten. "Vielleicht würde ich einige finnische Wörter pauken", sagt Cicero. Sollte aus der Teilnahme nichts werden, kommt dennoch nichts anderes als Musik für ihn in Frage. "Ich hatte nie einen Plan B, nie eine Ausweichstrategie, obwohl ich auch schwierige Zeiten erlebt habe", erinnert sich Cicero. Bereits wenige Wochen nach der Vorentscheidung wird an den Texten für das nächste Album gefeilt, erscheinen soll die Platte im Herbst. Zeit für Dinge jenseits des Show-Geschäfts will er sich bei all der Hektik immer wieder nehmen - für Yoga, Laufen und Billard-Spiele zum Beispiel.

DPA / DPA
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