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FRENCH HOUSE: RINOCEROSE: Music Kills Me

Zwei französische Psychologen lassen sich vom selbst gemalten Bild eines Patienten der geschlossenen Psychatrie inspirieren und gründen eine Band namens »Rinôcérôse«.

Zwei studierte französische Psychologen lassen sich vom selbst gemalten Bild eines Patienten der geschlossenen Psychatrie inspirieren und gründen eine Band namens »Rinôcérôse«. Dass sich dahinter keine chartkompatible Mainstream-Musik verbirgt, verwundert nicht wirklich. Und richtig: Jean-Philippe Freu und Patrice »Patou« Carrie sind des Wahnsinns fette Beute - sie mixen French House mit Rock. Der Elektro-Sound, den viele an Daft Punk so lieben, wird hier mit verzerrten Gitarren ad absurdum geführt. Live performen sie das nicht etwas gelangweilt am Mischpult stehend, sondern als mehrköpfige Instrumental-Gruppe - das fand auch bei MTV Beachtung.

Spagat zwischen Morbidem und Tanzbarem

Mit ihrem zweiten Longplayer »Music Kills Me« stricken die beiden Ex-Indierocker aus dem verschlafenen Montpellier am Konzept des Debüts »Installation Sonore« weiter. Alle zwölf Titel drehen sich um den Tod - und dazu Trauermusik? Weit gefehlt. Rinôcérôse wagt den Spagat und komponiert auf die morbiden Texte fröhlich stampfende Disco-Beats mit rockiger Note.

AC/DC im Elektro-Häcksler

Wer beim ersten Hören denkt, »das klingt ja wie AC/DC auf Ibiza«, liegt so verkehrt nicht, denn Angus Young und seine Mannen werden hier ebenso durch den Houserock-Häcksler gejagt wie The Cure oder die Rolling Stones. Das mutet extrem tanzbar an, bleibt aber nur oberflächlich im Gedächtnis haften. Für das nächste Album sollten sich Freu und Carrie ein neues Strickmuster überlegen, sonst wird es schnell fade. Trotzdem haben sich Rinôcérôse neben Air und Daft Punk zur dritten tragenden Säule der französischen Elektro-Abteilung gemausert.

Antje Scholz

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