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"Tatort"-Soundtrack: Ein Krimi zum Mitsingen und Mittanzen

Ganz viel Oldies und ein bisschen "Supergeil" im Bremer "Tatort": Kommentierende Songs und der Komponist des Viralhits "Supergeil" ergaben einen ungewöhnlichen Soundtrack. Zur Freude vieler Zuschauer.

Von Sarah Stendel

Um sie drehte sich der Fall "Alle meine Jungs": die Bremer Müllmänner. Untermalt wurde der "Tatort" von einem ausgefallenen Soundtrack.

Um sie drehte sich der Fall "Alle meine Jungs": die Bremer Müllmänner. Untermalt wurde der "Tatort" von einem ausgefallenen Soundtrack.

Hier ein bisschen "Sympathy for the Devil" von den Rolling Stones, dort eine Prise Hildegard Knef und Boney M darf "Daddy Cool" beisteuern: Beim Bremer "Tatort" stahl der Soundtrack diese Woche dem Fall die Show.

Ein bunter Mix aus Oldies und Hits wie "Get Lucky" von Daft Punk feat. Pharrell Williams begleiten den Krimi um eine mafiös-zusammengehaltene Gruppe von Ex-Knackis, die bei der Müllabfuhr arbeiten und sich ihrem Paten-ähnlichen Bewährungshelfer "Papa" fügen. Die musikalische Untermalung geschieht aufdringlich und sorgt auch schon einmal für Verwirrung: Dass "Motherless Child" von den Les Humphries Singers zu einem Bild von Mutter und Kind gespielt wird, mag im ersten Moment unpassend erscheinen. Da sich die gesamte Story aber um den Erhalt einer (kriminellen) Ersatzfamilie dreht, in der die gezeigte Mutter im Bild später auch noch von ihrer eigenen Ersatz-Mutter brutal verraten wird, ist die Wahl sehr treffend.

Ungewöhlich auch, dass die Songs nicht erst im Schnitt hinzukamen, sondern bewusst so kommentierend im Drehbuch standen. Das erzählt der Regisseur Florian Baxmeyer laut ARD: "Meine Cutterin Friederike Weymar, die nicht nur fantastisch schneidet, sondern auch ein großes musikalisches Verständnis hat, war richtig beleidigt, dass die Autoren das alles schon festgelegt hatten und es dann auch noch so gut passte. Vor allem die Schlussmontage zu Hildegard Knefs 'So oder so ist das Leben' ist in ihrer Aussage heftig. Dazu kommt die Musik von Jakob Grunert, die entscheidend mit dazu beiträgt, dass 'Alle meine Jungs' nicht ins Komödiantische abgleitet, sondern aus meiner Sicht genau den richtigen Ton trifft."

Dabei ist der erwähnte Jakob Grunert momentan vor allem für einen Spaß-Song bekannt: Er ist der Komponist hinter Friedrich Liechtensteins Viral-Hit "Supergeil", der für die Werbung einer Supermarktkette genutzt wurde. Das Original hatte eigentlich einen kritischen Ansatz und nahm die Selbstbeweihräucherung der Berliner Großstadtszene aufs Korn. Es ist unter dem Namen "Der Tourist feat. Friedrich Liechtenstein" erschienen.

Grunert hat mit Baxmeyer schon an anderen Filmprojekten gearbeitet, es ist sein dritter "Tatort". Hier achtete er darauf, dass seine Kompositionen im Gegensatz zu den Hit-Titeln kaum auffallen. "Der Film hat eine comichaft überhöhte Realität. Das wollte ich auch in der Musik transportieren. Außerdem war es mir wichtig, diese minimalistisch anzulegen. Das ist mir generell wichtig: Nicht übers Ziel hinauszuschießen, sondern nur das zu machen, was nötig ist", erzählte er im Interview mit der "Welt".

Auf Twitter fragten mehrere Nutzer nach dem ausgefallenen "Tatort"-Soundtrack und die ARD lieferte prompt eine Übersicht über alle gespielten Songs.