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Geglückter Neuanfang: Rattle holt Papageno nach Baden-Baden

Furioser Auftakt für die Osterfestspiele in Baden-Baden mit einer modernen "Zauberflöte". In Salzburg wurde Christian Thielemann gefeiert - der "Parsifal" weniger.

Doppelte Festspiel-Premiere vor dem Osterfest: Das Festspielhaus Baden-Baden hat am Samstag den erfolgreichen Grundstein für eine neue Tradition mit den Berliner Philharmonikern gelegt. Und Salzburg, von den Philharmonikern verlassen, versuchte mit der Dresdner Staatskapelle unter Christian Thielemann einen Neuanfang seiner Osterfestspiele. Bezeichnenderweise setzte Thielemann auf den urdeutschen "Parsifal", während Sir Simon Rattle für sein Debüt in Baden-Baden "Die Zauberflöte" des Salzburgers Mozart ausgesucht hat.

In Baden-Baden feierte das Publikum Orchester und Ensemble nach der knapp dreistündigen Aufführung mit langanhaltendem Applaus für eine modern inszenierte und musikalisch filigrane "Zauberflöte". Vor allem die Philharmoniker unter Rattle überzeugten mit ihrer feinen und lustvollen Interpretation. Das Orchester drängte sich nie in den Vordergrund, sondern nutzte seine ganze Klasse, die jungen Sänger zum Glänzen zu bringen. Der kanadische Regisseur Robert Carsen setzte auf eine karge Bühne mit Kunstrasen und einem auf Video eingespielten Wald. Tamino und Tamina irrten auf der Suche nacheinander barfuß durch die ihnen gestellten Prüfungen. Papageno und Papagena waren als Weltenbummler mit Ruck- und Schlafsack unterwegs.

Dagegen ist die Neuinszenierung von Richard Wagners "Parsifal" zur Eröffnung der neu begründeten Salzburger Osterfestspiele im Großen Festspielhaus zwiespältig aufgenommen worden. Während die Sächsische Staatskapelle unter Christian Thielemann, die erstmals als Residenzorchester des exklusiven Festivals fungierte, mit Ovationen bedacht wurde, ging über dem Regieteam um Regisseur Michael Schulz, Generalintendant am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen, ein Buhgewitter nieder. Die sängerischen Leistungen wurden vom Premierenpublikum uneinheitlich beurteilt. Besonders großen Beifall erhielt der südafrikanische Startenor Johan Botha in der Titelrolle.

Neuanfang nach Finanzskandal

Die Salzburger Festspiele waren 1967 von Herbert von Karajan mit seinen Berliner Philharmonikern gegründet worden. Nach einem 2009 aufgeflogenen Finanzskandal kündigten die Philharmoniker die Zusammenarbeit auf und gründeten in Baden-Baden das neue Festival. Rattle gab sich im Vorfeld überzeugt, dass beide Festivals nebeneinander bestehen können. Die Zahlen gaben ihm Recht: Der "Parsifal" ist ausverkauft, für die anderen Konzerte sind noch einzelne Karten da, hießt es aus Salzburg. In Baden-Baden sind ebenfalls kaum noch Karten zu haben.

Das Salzburger Festival als kleine Schwester der berühmten Sommerfestspiele dauert bis zum 1. April, es stehen weitere Orchester-, Chor- und Kammerkonzerte auf dem Programm. Die letzte Vorstellung der "Zauberflöte" am 1. April wird live im Fernsehen (SWR und 3sat) sowie in einigen Kinos übertragen. Im kommenden Jahr widmen sich die Salzburger Osterfestspiele drei großen Komponisten: Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Strauss und Wolfgang Rihm. Das teilte die Leitung der Festspiele, Dirigent Christian Thielemann und Intendant Peter Alward, am Sonntag bei der Programmpräsentation mit.

jwi/DPA / DPA