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Haldern Pop Festival 2004 Pop-Perlen am Niederrhein

Auch die britische Band I Am Kloot trat beim Haldern Pop Festival auf
Auch die britische Band I Am Kloot trat beim Haldern Pop Festival auf
© Brauerei Diebels
Großartige Musik, eine nette und entspannte Atmosphäre, und das alles bei traumhaftem Wetter: Auch 2004 bewies Haldern Pop seine Ausnahmestellung unter den Musikfestivals.
Von Carsten Heidböhmer

Nein, der Himmel hing nicht voller Geigen, eher schon die Bühne: Zum Abschluss des Haldern Pop-Festivals, nach zwei tollen Tagen voller Musik, wurde den Zuschauern ein opulentes Abschlusskonzert geboten: Die irische Band Divine Comedy hatten zu ihrem Auftritt gleich ein komplettes Orchester mitgebracht und setzten damit einen sympathischen Kontrapunkt zum Motto der ganzen Veranstaltung: "Die Zukunft ist klein".

Wer bei der Erwähnung eines Orchesters an Schauerlichkeiten wie den gemeinsamen Auftritt der Scorpions mit den Berliner Philharmonikern denkt, liegt weit daneben: Hier handelt es sich um keine verkitschten Rocksongs, sondern um groß angelegte Popmusik, die für diese Dimensionen komponiert worden ist. Sänger Neil Hannon genoss den Auftritt sichtlich, es schien, als sei für ihn ein Jugendtraum in Erfüllung gegangen. So geriet das Konzert zum unbestrittenen Höhepunkt des an Sternstunden ohnehin nicht armen Festivals.

Ein Vierteljahrhundert Musikgeschichte

Dabei schien es nicht leicht, den unmittelbar vorangegangenen Auftritt von Paul Weller mit seiner vorzüglichen Band zu toppen. Der "Pate des Britpop", bereits seit einem Vierteljahrhundert mit seinen einflussreichen Bands The Jam, Style Council oder auch solo im Geschäft, zeigte eindrucksvoll, dass er trotz seines Alters die meisten jungen Bands noch locker in die Tasche steckt.

Adam Green beschließt den ersten Abend

Bei traumhaftem Wetter hatte das Festival am Niederrhein bereits am Freitagnachmittag begonnen. Amphibic, HAL, Ghinzu und Nicolai Dunger wärmten die nach und nach einströmenden Zuschauer auf. Den Abend eröffnete die englische Band I Am Kloot, die mit ihren ruhigen Folk-Rock-Songs für eine entspannte Athmosphäre sorgte. Beim anschließenden Auftritt der belgischen Rocker dEUS floss dann ordentlich Schweiß, ehe der Abend mit ruhigeren Tönen ausklang: Durch mehrere Radio-Hits bekannt, zogen Starsailor an diesem Abend ein großes Publikum an. Das schönste Konzert spielte aber der New Yorker Adam Green, der Songs aus seinem letztjährigen Album "Friends of Mine" zum Besten gab. Mit der perfekt eingespielten Band und seinen unnachahmlichen Tanzeinlagen lieferte er den idealen Ausklang für den ersten Tag.

The Soundtrack Of Our Lives feiern eine Messe

Den zweiten Tag eröffneten Patrick Wolf und South. Danach gab es ein Wiedersehen mit Embrace, die sich wie keine Zweite auf Pathos-getränkte Popsongs verstehen. Kein Wunder, dass sogar Coldplay-Sänger Chris Martin ein paar Songs für die Band beisteuerte. Lange im Gedächtnis bleiben wird der Auftritt von The Soundtrack Of Our Lives. Das lag zum einen an der erstaunlichen Live-Qualität der schwedischen Gruppe. Zum anderen verfügt der schwergewichtige Sänger Ebbot Lundberg über ein gewaltiges Charisma. In Erlöserpose scheint er mehr einen Gottesdienst denn ein Rockkonzert zu zelebrieren - das Publikum in Haldern folgte ihm ergeben.

Staubtrockener Südstaatenrock

Die derzeit wohl angesagteste Band des Festivals war Keane, die den Pathos-Faktor wieder höher schraubten und mit einer makellosen Darbietung der Songs aus ihrem Bestseller-Album "Hopes and Fears" bestachen. Wer ob dieser beschaulichen Musik ein wenig in Lethargie verfallen war, wurde von den Kings Of Leon schlagartig geweckt. Die Söhne eines amerikanischen Wanderpredigers lieferten eine schnörkellose Darbietung ihres staubtrockenen Südstaatenrocks - so einfach kann gute Musik manchmal sein!

Höhepunkt am Schluss

Dem weithin unbekannten Jose Gonzales kam die undankbare Aufgabe zu, die Zeit bis zu dem furiosen Finale zu überbrücken. Der gebürtige Schwede ging mit seinen fragilen Folk-Songs leider ein wenig unter - die meisten warteten gebannt auf Paul Weller und Divine Comedy. Das Ausharren hat sich gelohnt: Fast alle Fans blieben bis zum Schluss und wurden mit herausragenden Konzerten belohnt.

Den Veranstaltern kann man nicht hoch genug anrechnen, dass sie es seit nun 21 Jahren schaffen, in freundlich-bescheidenem Rahmen am Niederrhein regelmäßig ein hochklassiges Musikfestival zu bieten. Im vergangenen Jahr hat man zudem das Plattenlabel Haldern Pop Recordings gegründet, deren nächste Veröffentlichung ein Konzertmitschnitt der belgischen Band Das Pop vom diesjährigen Festival sein wird. Eine nette Idee: So kann sich jeder Musikfan die lange Wartezeit bis zum nächsten Jahr verkürzen.


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