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Hundertwasser-Musical: Hommage an den "Weltverschönerer" uraufgeführt

In Uelzen ist ein Musical über den Maler und Architekt Friedensreich Hundertwasser uraufgeführt worden. Die Musik stammt aus der Feder von Liedermacher Konstantin Wecker.

Er war ein "schräger Vogel" - und für seine Kunst zog er sich sogar splitternackt aus. Der weltberühmte Maler und Architekt Friedensreich Hundertwasser hatte 1968 mit seiner "Nacktrede" gegen den vorherrschenden Kunststil demonstriert und in Wien einen Eklat provoziert. Im Theater sorgt der Hundertwasser-Darsteller heute kaum noch für Wirbel, wenn er alle Hüllen fallen lässt und nur noch seine Mütze trägt. Ein Musical über den im Jahr 2000 gestorbenen Wiener Künstler wurde am Freitagabend in Uelzen uraufgeführt. Die Musik dazu - mal kraftvolle Songs mit Ohrwurm-Charakter, mal sanfte Balladen - komponierte der Liedermacher Konstantin Wecker.

Das Stück, für das der aus Bremen stammende Autor Rolf Rettberg die Texte geschrieben hat, ist gespickt mit vielen ironischen Seitenhieben auf die Massenvermarktung von Hundertwassers Kunst. So kurbelt etwa sein Manager "Mr. Money" im golden glänzenden Anzug die Geschäfte an. Eine Humus-Toilette, die ein Symbol für Hundertwassers Umweltengagement sein soll, sorgt für wiederkehrende Gags ebenso wie eine prüde Wiener Kulturstadträtin, die Mozartkugeln verfallen ist.

Kampf gegen gerade Linien

Als roter Faden in der Geschichte dient die Reise des Weltenbummlers Hundertwasser mit seinem Segelschiff "Regentag" nach Neuseeland. Der Kölner Musicaldarsteller Achim Conrad spielt die Titelrolle gekonnt mit österreichischem Zungenschlag und verkörpert Hundertwasser als einen Mann mit Visionen: "Jeder trägt in seinem Herzen ein Utopia." Hundertwassers goldene Zwiebeltürmchen, bunte Säulen und Spiralen, die sich auch im Bühnenbild wiederfinden, haben Millionen Anhänger. Seine Kunst hat der hagere Mann mit dem langen Bart dem Kampf gegen gerade Linien und rechte Winkel gewidmet. Zu Lebzeiten wurde er aber auch als "Verkitscher" und "Fassadenverhübscher" geschmäht. "Ich will die Welt nicht verändern, ich will sie verschönern", hatte Hundertwasser einmal gesagt.

Wecker bekennt sich zu Hundertwassers Kunst

Der Liedermacher Wecker hält die Werke des Wieners keineswegs für Kitsch. Spätestens seit er das Hundertwasserhaus in Wien gesehen habe, in dem kein Fenster dem anderen gleicht, sei er "ein bekennender Freund seiner Architektur". "Als Ökologe war Hundertwasser seiner Zeit weit voraus", meint Wecker, der in den 70er Jahren mit seinem Album "Genug ist nicht genug" zu internationaler Anerkennung gelangt. Zuletzt ging er mit Brecht-Liedern und eigenen Texten auf Tournee und verfasste ein Kindermusicals.

Elemente von Klezmer-Musik

Eine zentrale Rolle in den Musical spielt auch die Beziehung Hundertwassers zu seiner Mutter sowie seine jüdische Herkunft und die Ermordung seiner Familienmitglieder in der Nazizeit. Ein großes Hakenkreuz hängt über der Bühne, ein traditioneller jüdischer Chanuka-Leuchter ist zu sehen. Dazu hat Wecker Melodien komponiert, die an die traditionell jüdische Klezmer-Musik erinnern.

Bis zum Oktober sollen insgesamt fast 70 Vorstellungen in Uelzen gezeigt werden. Von den insgesamt 50.000 Karten seien mindestens 30 Prozent im Vorverkauf weg gegangen, sagt der Geschäftsführer der Uelzener Produktionsgesellschaft, Thomas Parr. Zur ersten Liga Millionen teurer Musical-Produktionen zählt er die Inszenierung nicht. "Wir wollen es in der Mittelklasse der Musicals platzieren", meint Regisseur Gerhard Weber, früherer Intendant der Landesbühne Hannover und seit Juli Chef am Theater in Trier.

Monika Wendel, DPA / DPA