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INTERVIEW: Vom Tellerwäscher zum Plattenmillionär

»Miss California« ist der Sommerhit. Der hörbar von Santana entliehene Song hält sich in den USA seit Wochen in den Top Ten, bei uns stieg er letzte Woche von Null auf Sechs in die Charts ein. Der 23-jährige Sänger Dante Thomas aus Salt Lake City erfüllt sich damit seinen Traum von der Popkarriere.

»Miss California« ist der Sommerhit. Der hörbar von Santana entliehene Song hält sich in den USA seit Wochen in den Top Ten, bei uns stieg er letzte Woche von Null auf Sechs in die Charts ein. Der 23-jährige Sänger Dante Thomas aus Salt Lake City erfüllt sich damit seinen Traum von der Popkarriere. Auch für Rapper Pras von »The Fugees« ist der Erfolg traumhaft: Bei seinem neuen Label »Rat Pack« ist die »große weiße Hoffnung« unter Vertrag.

Sie sind ein weißer Junge aus der Mormomenstadt Salt Lake City. Wie sind sie dazu gekommen, R&B und Soul zu singen?

Meine Mutter ist Opernsängerin, liebt aber R&B und Soul. Als ich ein kleiner Junge war, spielte sie Zuhause immer Donny Hathaway, Stevie Wonder, Marvin Gaye, The Temptations- all die Großen. Ich war vielleicht 7 oder 8, als ich in ihr Schlafzimmer ging und ihre Platten auflegte, um dazu zu singen. Aber bis ich 16 war, habe ich es nicht wirklich Ernst genommen. Klavierspielen und singen, das machte ich einfach, aber es gehörte zu diesen Dingen, über die ich mir nicht wirklich Gedanken machte. Ich stand eher auf Sport. Trotzdem war das nichts, was ich den Rest meines Lebens machen wollte. Musik war immer wie ein Freund für mich, etwas, das mich beruhigte. Andere machen Tai Chi oder Yoga, das ist ihre Meditation. Musik war schon immer meine Meditation.

Es gibt viele gute Sänger, aber nur wenige haben auch kommerziellen Erfolg. Was haben Sie anders gemacht?

Ich wusste einfach, dass ich etwas mit Musik machen wollte. Irgendwann kündigte ich meinen Job als Tellerwäscher und Teilzeitkoch in einem italienischen Restaurant. Mit 82 Dollar in der Tasche fuhr ich zweieinhalb Tage lang mit dem Greyhound-Bus nach New York. Die erste Nacht verbrachte ich im Busbahnhof neben Obdachlosen. Später fand ich ein Zimmer in der Bronx. Wann immer es ging, sang ich. Bei Block-Parties oder »Open Mike-Sessions« etwa. Aber der Erfolg blieb aus. Ich ging zurück nach Utah und wurde Elektriker. Ich hatte einen echten Job, von 9 bis 5: Garagentüren installieren. Eines Tages rief mein früherer Manager aus New York an und sagte: »Dante, es ist echt eine Schande, dass Du das Singen aufgibst.« Ich sagte: »Es bezahlt einfach meine Rechnungen nicht!« Er meinte: »Gib? Dir eine letzte Chance. Dann hast Du wenigstens alles versucht und mußt nichts bereuen!« Ich ging zurück zur Ostküste und nach 6 Monaten der üblichen Anstrengungen und Probleme, lief ich Pras über den Weg. Ich sang ihm einfach etwas auf der Straße vor. Vier Stunden später waren wir im Studio und nahmen »Miss California« und drei weitere Songs auf. Am nächsten Tag bekam ich meinen Deal. Der Rest ist Geschichte. Hier bin ich.

Sie sind wahrscheinlich einer der wenigen Künstler, dessen weiße Hautfarbe gegen ihn arbeitet.

Dude, willst Du die witzigste Geschichte hören? Mein Roadmanager ist ein echt cooler schwarzer Typ aus Jersey. Mindestens bei drei verschiedenen Radiostationen in Europa kamen wir herein, und die Leute dachten, er wäre Dante. Sie gaben ihm die Hand und er sagte: »Moment mal, der da ist Dante.« Aber ich habe kein Problem damit. Es gibt Kritiker, die mich fragen: »Du bist weiß, warum singst Du R&B, also schwarze Musik?« Mir fällt nur eine Antwort darauf ein: Soul Musik ist für die Seele, nicht für eine Farbe.

Wer ist »Miss California«?

Die amtierende? Keine Ahnung. Aber als wir im Studio waren, kam einmal »Miss New York« vorbei. Die war der Hammer, Mann! Meine persönliche »Miss California« aus dem Song ist ein sehr reiches Mädchen, das nebenbei noch modelt und schauspielert. Sie hat wirklich alles, aber Niemanden der sie versteht. Ich sitze da und denke: »Was willst Du von mir? Was kann ich Dir geben?« Es stellte sich heraus, dass sie nicht wirklich weiß, ob die Leute sie selbst oder ihr Aussehen und ihr Geld mögen. Wir hörten uns »Miss California« an und ich sagte: »Du bist meine Miss California!« Sie ist sogar im Video, aber ich verrate nicht, welches Mädchen sie ist.

Was sagen Ihre Eltern zu Ihrem Erfolg?

Meine Mutter freut sich. Mein Vater ist eher ein ruhiger Typ. Aber wenn er ausnahmsweise mal etwas sagt, muss ich echt gut zuhören. Als ich meinen Plattenvertrag bekam, sagte er: »Sohn, denke immer daran: wenn Du Höhenangst hast, klettere nicht auf den Berg.« Ich saß da und dachte: »Was hat er gerade gesagt?« Es dauerte ein paar Tage bis ich ihn verstand. Natürlich hat er recht. Aber ich mag Höhen.

Interview: Götz Bühler