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Keith Urban: Mr. Kidman

Sex, Drugs und Country haben Keith Urban, Ehemann von Nicole Kidman, bekannt gemacht. Nach einer Entziehungskur will er jetzt Europa rocken. Im stern.de-Interview spricht er über Alkohol, Mrs. Kidman - und australische Kühe.

Mit seiner blonden Surferfrisur glaubt ihm jeder, dass er Australier ist. Sein Lächeln, selbstbewusst und offen, lässt keinen Zweifel, dass auf dem Sofa ein Star sitzt. Selbst mit dem mausgrauem T-Shirt und der Kappe sieht er nicht aus wie jeder, sondern wie der smarte Gatte von Nicole Kidman. Keith Urban zeigt seine Sonnenseite. Was man nicht sieht: Er hat 19 Stunden Chaos-Flug hinter sich, und ist vom Flughafen mit quietschenden Reifen abgehauen, weil ein Fan sein Foto-Handy gezückt hatte. Erst vor einigen Tagen hat er drei Monate Entziehungskur zu Ende gebracht. Die dunkle Seite will er hinter sich lassen. Im April geht er mit seinem rockigen Album "Love, Pain & the whole crazy thing" in Deutschland auf Tour.

In den USA sind Sie ein Star. In Deutschland kennt man Sie bislang vor allem als Mr Kidman.

Ich mache aber ganz sicher schon länger Musik als ich verheiratet bin!

Ihre Wurzeln liegen im Country. Liegt das daran, dass sie auf einer australischen Farm aufgewachsen sind? Sie können Kühe melken und Pferde reiten.

Wahrscheinlich. Ich glaube, die Australier sind an sich sehr erdverbunden. Gleichzeitig bin ich mit der Country-Musik aufgewachsen, die mein Vater so mochte, das ging alles Hand in Hand. Aber ich habe auch in meiner Jugend viel Zeit in der Stadt verbracht, deswegen mischen sich in meine Musik viel Rock und Pop.

Wie groß war der Einfluss Ihres Vaters? Er war selber Drummer in einer Band.

Ich hatte immer Musik in mir, das ist so auf der Familienseite meines Vaters: Sein Vater war Klavierlehrer, und sein Vater war Pianist, viele meiner Onkel spielen Instrumente. Mein Vater liebte Country, also habe ich mich auch darin verliebt. Aber er mochte auch Rock'n'Roll, vor allem aus den 50ern und 60ern. Meine Mutter mag Neil Diamond und die Everly Brothers, mein Bruder hörte Supertramp und Fleetwood Mac. Das hat sich alles vermischt.

Das erste Lied, was Sie auf der Gitarre gespielt haben, war angeblich auch kein Country-Hit, sondern der Rock-Klassiker "House of the raising sun".

Das lag allerdings nur daran, dass ich die Akkorde dafür zuerst gelernt habe und mein Gitarrenlehrer dann meinte: So, jetzt kannst du ,House of the raising sun' spielen.

Was halten Sie davon, mit Bon Jovi oder Bryan Adams verglichen zu werden?

Ich glaube am Ende ist Musik einfach Musik, und die Leute werden selber rausfinden, welchen Künstler sie mögen. Aber Bryan hat mir sehr geholfen, ich war zum ersten Mal mit ihm in Europa auf Tour.

Würden Sie sich mit jemandem vergleichen?

Nicht mit jemandem bestimmten. Ich beziehe mich auf unterschiedliche Künstler. Ich liebe die Spiritualität von U2 und die Art, wie Country-Musik Geschichten erzählt. Auch Aufnahmen von Bryan Adams klingen immer noch toll.

Eigentlich gelten Sie als Gitarrengott. Auf dem neuen Album spielen Sie auch Klavier.

Ich beherrsche die Grundlagen, ich spiele wie ein Gitarrist, der Klavier spielt. Aber das passt zu dem Song ("Once in a lifetime").

Keine weiteren Überraschungs-Instrumente?

Didgeridoo zum Beispiel? Nein.

Das neue Album heißt "Love, Pain & the whole crazy thing". Liebe oder Schmerz - was davon hat für Sie eine größere Rolle gespielt?

Beides. Ich habe die Lieder aus einem sehr starken Verliebtsein heraus geschrieben. Aber wenn man es riskiert, geliebt zu werden, macht das eben auch anfällig für Schmerzen.

Fast das ganze Album klingt wie eine Liebeserklärung an Ihre Frau Nicole.

Ja, es gibt eine Hand voll Lieder, zu denen sie mich inspiriert hat und auch die Tatsache, wie sehr sie mein Leben zum Guten gewendet hat. Sie ist ein Sonnenstrahl in meinem Leben. Ich hatte gar nicht vor, Songs über sie zu schreiben. Ich habe einfach geschrieben - und dabei ist offensichtlich genau das rausgekommen, was ich fühle.

Mag Sie Ihre Musik?

Sie mag die Lieder über sich, all die anderen nicht. (lacht)

Als Sie sich kennen lernten, kannten Sie beide nicht viel von der Arbeit des anderen.

Ich wusste auf jeden Fall mehr darüber, was sie macht, als sie über mich. Gleichzeitig war ich erstaunt, wie viele ihrer Filme ich nicht kannte. Aber das war gut. Wir sind ja nicht deswegen zusammen gekommen. Es haben sich einfach zwei Menschen zum richtigen Zeitpunkt im Leben gefunden.

Viele Ihrer Song-Texte klingen sehr optimistisch.

Ich finde, das ist die einzige Wahl, die man hat: sich wenigstens um Optimismus zu bemühen, vor allem, wenn es schwierig wird. Wenn du dich auf das Problem konzentrierst, wächst das Problem. Konzentrierst du die auf die Lösung, dann wächst die Lösung. Ich habe ein starkes Vertrauen in mich, dass ich alles durchstehen kann, und versuche, meine Energie in positive Dinge zu stecken. Manchmal ist das hart, aber wie Monty Pythons sagten: "Always look on the bright side of life"¬- immer auf die heitere Seite des Lebens schauen. (lacht)

Woher nehmen Sie dieses Vertrauen? Liebe? Gott?

Nicht aus der Religion, es ist eher Spiritualität. Das sind zwei verschiedene Sachen für mich. Ich definiere Religion als etwas für Menschen, die nicht in die Hölle möchten. Und Spiritualität ist für die Leute, die dorthin nicht zurück wollen.

Sie haben drei sehr harte Monate hinter sich, Alkoholentzug in der Betty-Ford-Klinik. Trotzdem wirken Sie absolut gut gelaunt und optimistisch. Wie geht das?

Die vergangenen drei Monate haben mein Leben verändert. Weil ich die Gelegenheit hatte, meine Seele zu erkunden, in mein Inneres zu reisen. Deshalb sitze ich hier voller Dankbarkeit und einer Klarheit, die ich vorher nicht hatte. Eben zum Beispiel bin ich im T-Shirt auf den Balkon gegangen und habe die frische Luft eingeatmet - die einfachen Dinge im Leben schätze ich wieder. Ich habe eine Menge über mich herausgefunden, wer ich bin und wie ich so geworden bin. Ich habe mir einen Moment Zeit genommen um herauszufinden, wie ich in die richtige Richtung weitergehen kann. Und nicht wieder die gleichen Kämpfe verlieren wie früher.

Und was ist die richtige Richtung?

Im April werde ich in Europa auf Tournee gehen, und darauf freue ich mich sehr. Meine Musik hat für mich eine völlig neue Bedeutung bekommen. Ich höre sie mit neuen Ohren und fühle sie mit einem veränderten Herz. Ich habe in den vergangenen drei Monaten gelernt, Prioritäten zu setzen. Meine Familie ist mir sehr, sehr wichtig. Ich möchte der beste Ehemann sein, der ich nur sein kann, der beste Sohn, Bruder, Onkel. Daran habe ich wirklich gearbeitet.

Der Kokain-Entzug 1998, jetzt der Alkohol-Entzug. Haben Sie Angst, dass Sie wieder rückfällig werden?

Ich weiß, dass ich jeden Tag wachsam sein muss, bis ich ganz gesund bin. Das gilt für jeden, der einen Entzug macht. Aber ich heule nicht täglich vor lauter Panik auf der Couch, so dramatisch ist es nicht.

Wie wichtig war für Sie die Unterstützung durch Ihre Frau, während Sie in der Klinik waren?

Sehr wichtig. Drei Monate sind eine lange Zeit, für mich haben sie sich angefühlt wie eine Ewigkeit. Dank Nicole habe ich sie überstanden.

Während des Entzugs hat ein Unterwäschemodel behauptet, eine Affäre mit Ihnen gehabt zu haben.

So läuft das halt, dir werden Sachen entgegen geschleudert. Ich habe einfach mit meinem Programm weiter gemacht und die Vorwürfe nicht wirklich an mich herankommen lassen. Ich weiß, und Gott weiß, wem mein Herz gehört.

Hat dieses Intermezzo Ihre Ehe beeinflusst?

Wir haben eine Menge durchgemacht in den vergangenen drei Monaten. Unsere Ehe hat uns beiden die Kraft gegeben, das durchzustehen. Wissen Sie, ich habe 39 Jahre gewartet, bis ich geheiratet habe. Mir bedeutet es alles, verheiratet zu sein. Und ich möchte auch wirklich nur einmal heiraten. In dieser Hinsicht bin ich sehr loyal. Wenn der Ring einmal dran ist, bleibe ich.

Planen Sie tatsächlich eine zweite Hochzeitsfeier mit Nicole, wie zu lesen ist?

Keine Ahnung, darüber haben wir noch nicht gesprochen. Aber es klingt nach einer guten Idee. Ich finde es sehr wichtig, in einer Beziehung romantisch zu bleiben.

Da fehlen für die Bilderbuchfamilie ja nur noch die Kinder!

Wir würden gerne eine Familie haben, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Das Wichtigste für mich ist aber im Moment mein Album. Ich habe sechs Monate daran gearbeitet - und dann war ich in der Klinik, als es erschienen ist. Also freue ich mich darauf, endlich mit den Songs aufzutreten.

Das Interview führte Inga Leister