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Kelly Rowland im Interview: "Ich bin eine gute Diva"

Bei Destiny's Child stand sie immer im Schatten von Beyoncé Knowles. Doch solo hat Kelly Rowland aufgeholt und mittlerweile das zweite Album veröffentlicht. Im stern.de-Interview verrät der Allround-Popstar, wie er wirklich ist - und was müde macht.

Von Sophie Albers

Wie eine Barbie sitzt sie da. Der Teint ist makellos, genauso die schwarz-feucht glänzenden Löckchen, der Blick aus den glasklaren Augen, das Lächeln, das perfekte Zähne entblößt, und das Outfit aus hautenger Jeans und schwarzem Shirt. Aber was ist das? Barbie hat Husten. Kelly Rowland, die in natura ungefähr zehn Jahre jünger aussieht, als auf all den getunten Fotos, die von dem US-Star kursieren, beugt sich über ein Taschentuch und bellt mehr oder weniger leise. Dazwischen lacht sie und entschuldigt sich, dass sie in der vergangenen Woche krank gewesen sei. Länger Zeit hat sie dazu nicht. Die Ex-Destiny's-Child-Sängerin muss schließlich ihre Karriere am Laufen halten. Denn im Showbiz ist man schneller vergessen, als man Kelly sagen kann.

Neben dem Ausschlachten des Post-Destiny's-Child-Ruhms durch Musik, die sich eigentlich genauso anhört, ist Rowland als Schauspielerin ("Freddy vs Jason") und Roter-Teppich-Deko unterwegs und verbindet in den Hilfiger-Sessions, wo der Künstler mitten im Publikum steht, die Musik mit der Mode. Sie hat zu Ende gebellt und ist bereit zum Gespräch.

Die Sonderedition Ihres neuen Albums heißt "Ms. Kelly Diva Deluxe". Was ist eigentlich eine Diva? Und was ist deren Deluxe-Version?

Es ist mehr Diva. Es ist frecher, man präsentiert sich selbst noch mehr als Diva. Das bezieht sich auf alles, was du als Diva mitbringst. Darum geht es.

Ist Diva nur gut, oder hat es auch schlechte Seiten?

Ich bin eine gute Diva! [Lacht laut] Eine Diva hat großes Selbstvertrauen, und das ist wichtig, wenn du auf die Bühne gehst.

Wer sind denn Ihre Vorbild-Diven?

Whitney Houston ist eine großartige Diva.

Immer noch? Die verehren Sie doch schon seit Kindertagen.

Ich liebe liebe liebe sie! Donna Summer ist eine großartige Diva, Patti LaBelle, Barbra Streisand, die verehre ich auch.

Wenn man sich das Showgeschäft gerade so anguckt, hat man das Gefühl, dass die Leute keine Lust mehr auf Diven haben. Authentizität ist gefragt - wie bei Amy Winehouse oder Pete Doherty, kaputte Diven sozusagen...

[Hustenanfall] Etwas, das ich an mir selbst sehr schätze - ich hoffe Sie halten mich jetzt nicht für verrückt, wenn ich das sage - ist die Tatsache, dass ich nett und freundlich bin. Deshalb finde ich die Tommy Hilfiger Sessions auch so toll, denn es entspricht dem, wo Kelly Rowlands Divatum herkommt: Ich habe großes Selbstvertrauen, aber ich bin auch nett und echt. Wissen Sie, ich bin mit Destiny's Child groß geworden, habe all die großen Hallen und Stadien gespielt, aber ich selbst trete viel lieber in kleinen Clubs auf, wo ich den Leuten in die Augen gucken kann, so wie sie mir in die Augen gucken können. Du spürst, was sie fühlen und hörst, was sie sagen. Daran ist nichts Schlechtes.

Macht es Ihnen nicht Angst, dass die Leute so nah sind. Da gibt es ja keine Bühne, Sie stehen mitten im Publikum.

Überhaupt nicht.

Ist ja schon ein großer Schritt von der Superstar-Bühne in den Pit...

Ich finde eher, es ist ein Schritt nach oben, weil du merkst, ob du wirklich mit den Leuten kannst. Und die Leute mögen das, weil du ja sonst meist auf eine riesige Bühne gepackt wirst. Aber wie bist du eigentlich von Nahem? Das macht dich menschlicher.

Hat Ihnen dieser direkte Kontakt gefehlt?

Ja. Denn das macht mich als Mensch und Solokünstlerin aus.

Hat das vielleicht auch damit zu tun, dass das Image von Destiny's Child vor allem Fake war? Zu perfekt?

Wie zu perfekt?

Zu schön, jedes Haar saß, keine Delle, Falte nirgendwo...

Das ist das Image, aber der Sound...

Ich rede ja nicht vom Sound.

[lacht] Ich weiß nicht, was ich sagen soll... Ich denke, jeder Mensch hat etwas Unperfektes an sich, jeder hat einen Fehler. Das macht uns zu Menschen.

Was ist Ihrer?

Oh meiner, hm, warten Sie. Ich bin sensibel. Das kann für und gegen mich arbeiten. Ich bin sehr sensibel und sehr pingelig.

Was ist denn schlecht daran, sensibel zu sein?

Wenn irgendwer irgendwas sagt, dann bist du sofort völlig verunsichert, so eben.

Sie sind leicht verletzbar?

Manchmal. Aber meine Haut ist definitiv dicker geworden, muss sie auch für den Job. Manchmal macht mich selbst konstruktive Kritik fertig. Ich bin ein Baby. Das war auch bei Destiny's Child schon so.

Apropos Baby: Sie sind 27 und haben eigentlich alles erreicht. Was kann da noch kommen? Oder um es anders zu sagen: Macht Ruhm nicht manchmal müde?

Ruhm macht manchmal müde, ja. Wenn Du einen Hit hast oder in deiner Karriere etwas Großes passiert, dann erwartet jeder von dir, dass du es toppst. Es ist wichtig, dass man sich davon nicht beeindrucken lässt, dass man weitermacht und vor allem Spaß hat. Wenn Du erfolgreich bist, ist das toll, aber wenn du nicht so viel Erfolg hast, wie du denkst, dass du haben solltest, solltest du auch das als Lernprozess sehen. Was hätte ich anders machen können? Du musst auf so viele Dinge achten, und das kann ermüdend sein.