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Oasis: Die Rückkehr der Britpop-Rüpler

Prügelei, Pubs und Prolerei - nachdem die Gallagher-Brüder in den letzten Jahren eher die Klatschspalten belegt haben, ist ihnen mit dem neuen Album ein erstaunlicher Wurf gelungen. Auf "Dig out your soul" klingen sie wieder gut. Warum bloß?

Von Oliver Fuchs

Drei Dinge muss ein Mann im Leben tun: Haus bauen, Baum pflanzen, Sohn zeugen. Noch was vergessen? Ach ja, einmal muss man Oasis live hören, in der ersten Reihe, mit Bierdusche und Schürfwunden und Prellungen, volles Programm. Einmal sehen, wie Noel Gallagher inbrünstig die Gitarre schrubbt und sein Bruder Liam demonstrativ gelangweilt ins Mikrofon nuschelnölgrölt. Lautstärke auf Anschlag. Rock 'n' Roooooooll!

In den 90er Jahren waren Oasis die Könige des Britpop, dreist, lärmig, großspurig. Ihre Kompositionen zeichneten sich aus durch Simplizität. Angeberische Virtuosität hatten sie nie nötig. Maximal drei Akkorde, die auch ein Betrunkener greifen kann. Eine Glühbirne einzudrehen ist dagegen eine hochkomplexe Angelegenheit.

Wenn es aber so einfach ist, einen Oasis-Song zusammenzuschrauben, warum macht das dann keiner? Leider haben auch Oasis selbst seit über zehn Jahren keinen einzigen Hit hingekriegt, nichts, was nur im Entferntesten an himmelstürmende Hymnen wie "Live Forever" heranreicht.

Und jetzt die große Überraschung: Das neue Album "Dig Out Your Soul" rockt über weite Strecken gewaltig. Dass die Brüder noch mal so krachend kraftvoll klingen würden, war nicht zu erwarten. Musik zum Arme-in-die-Luft-Reißen und Bierflaschen-mit-den- Zähnen-Knacken. Dazu lässt sich vielleicht sogar ein Sohn zeugen.

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