HOME

E-Mail von Till: Ich will meine Gala wieder!

Die große Gala anlässlich der Verleihung der Goldenen Kamera fand in diesem Jahr nicht statt. Stattdessen gab es nur eine Pressekonferenz, moderiert von Frank Elstner. Da kommt Gala-Fan und stern.de-Kolumnist Till Hoheneder schonmal ein Christian-Bale-Fluch über die Lippen.

Leute, mal ganz ehrlich! Was ist bloß am Anfang dieses Jahres los? Kaum ist Ingrid van Bergen (interner Codename "Keith Richards") Dschungelkönigin, ist es auch schon wieder vorbei mit Glanz und Glamour! Stattdessen rastet Christian Bale am Filmset komplett aus und zeigt Deutschlands Liedchenschreiber Nr. 1, Dieter Bohlen, was ein richtiger Verbal-Mastino draufhaben muss, um unliebsame Kreaturen abzukanzeln: Das Wort "fuck" in allen erdenklichen Variationen! Herrlich! Fuck you you fucking fucky fuck! Da soll noch mal einer über die wortarmen Jugendlichen schimpfen!

Allerdings geht auch mir ein saftiger Four-letter-Fluch über die Lippen angesichts der Tatsache, dass ich dieses Jahr auf meine geliebte Goldene-Kamera-Gala verzichten musste. Wegen der Finanzkrise! Der Springer-Verlag schrumpft sich gesund und da weiß man angesichts von Sozialplänen nicht wirklich, wie man den Leuten die Gage von Thommy Gottschalk verklickern soll (allein Thommys Friseurkosten - Dauerwelle, syltblond Färbung und fönen - sind vierstellig!). Und Meryl Streep, Clint Eastwood oder Daniel Craig kommen bestimmt nicht wegen der Hörzu! Die kommen wegen dem roten Teppich, der Promotion und einem ordentlichen Startgeld. Wenn das gewährleistet ist, würden die sogar den bronzenen BussiBär oder den Blechnapf von Wild & Hund entgegen nehmen!

Also kein roter Teppich und Thommy, sondern eine heimelige Pressekonferenz mit Show-Zyklop Frank Elstner und den beiden Hörzu-Chefs. Dabei habe ich sie so geliebt, diese Goldene-Kamera-Gala! Unvergessliche Augenblicke mit großen Showstars! Jopie Heesters, der alleine fürs Überleben mittlerweile jeden Preis bekommen sollte! Oder letztes Jahr, der Höhepunkt für alle Rockfans: Klaus Meine, die lebendige Blaupause für alle rockenden Gartenzwerge mit Mikrophon (7,95 Euro bei Obi oder im Scorpions-Onlineshop) und an der Kopfhaut angenähter Mütze, überreicht einem sichtlich gerührten Chuck Berry den Preis für sein Lebenswerk! Den hat Chuck unstreitig als Erfinder der Rockmusik verdient. Was er nicht verdient hatte: Der arme Mr. Berry musste ohne Gitarre zu seinem Originalplayback von 1956 rumeiern! Mit Rudolf Schenker an der Gitarre! Ein ähnlich unpassendes Gespann wären Mike Krüger und Al Pacino in einem Shakespear Drama!

Aber nächstes Jahr gibt es Gott sei Dank wieder eine Gala. Bestimmt mit Preisen für die Vroni Ferres (neue Liebe, neues Glück!), Jopie Heesters (Laudator: irgendein feiner Kerl aus der guten, alten Zeit!) und - leider ohne Thommy Gottschalk. Das macht jetzt der Elstner, als merkbare Sparkonstante. Und wenn der nicht kann, dann kommt Wolfgang Lippert. Der würde es auch umsonst machen! Der Preis für das musikalische Lebenswerk geht an Noel Gallagher von Oasis. Wenn der bis dahin nicht schon Premierminister von England ist. Was er sich gut vorstellen könnte. Er würde jedenfalls besser mit Schnee klarkommen, als die jetzige Regierung beim letzen Wintereinbruch im Januar! Denn - wenn sich einer mit Schnee auskennt, dann Noel! Bis die Tage!