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E-Mail von Till: Jacksons Tod erinnert an Rex Gildo

Fast jeder Prominente hatte etwas zum Tod von Michael Jackson zu sagen - sogar Oliver Kahn: stern.de-Kolumnist Till Hoheneder findet die Kommentare heuchlerisch. Und fühlt sich an den Tod von Rex Gildo erinnert.

Von Till Hoheneder

Leute, mal ganz ehrlich! Michael Jacksons Tod ist traurig - aber überraschend leider nun wirklich nicht! Was mich jedoch überrascht hat, ist die zynische Aftershow Party nach Jacksons Überfahrt in den Hades. An vorderster Front wie immer mit dabei: Die übliche Armada der RTL/Sat1-Boulevardmagazine! Stellvertretend für alle möchte ich hier Michael Jackson-Intimus Oliver Kahn nennen, die so oder so ähnlich voller Trauer in die Mikrophone schwafelten: "Soviel Glanz nach außen, soviel Traurigkeit nach innen, der Druck et cetera - bla blubb." Zusammenfassend fielen also Sätze, die man so ähnlich - und zum Teil von den selben Typen - auch nach Rex Gildos tragischem Sprung aus dem Klofenster gehört hatte. Kein Wunder, was für erschreckende Parallelen! Zwei begnadete Tänzer, die die unpopuläre Seite ihrer Sexualität nicht wirklich im Griff hatten und deswegen im Herbst ihrer Karriere oft auf dumpfes Unverständnis oder gar Ablehnung trafen.

Aber auch die internationale Prominenz ließ sich nicht lumpen und geizte nicht mit heuchlerischen und perfiden Trauerkommentaren. Madonna sagte ungefähr noch am selben Tag wenige Minuten vor Bekanntgabe von Michaels Tod: "Ich kann seit Tagen nicht aufhören zu weinen!" Weniger emotionale Gemüter wie ich schieben das allerdings eher auf die letzte Schlupflidoperation, bei der der Tränenkanal wohl in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Oder sie hat sich einfach so über ihre letzte Shoppingtrophäe aus Malawi gefreut! Die kleine Mercy war mit dem Kaufpreis von 13 Millionen ja ein echtes Sommerschnäppchen und hat sich praktisch über die Paybackpunkte der letzten Kinderkäufe amortisiert. Ich frage mich, was es wohl bedeutet, wenn es beim Kinderkauf heißt: Ich hab' ihnen noch ein paar Pröbchen in die Tüte getan!

Es ist doch wirklich widerlich, dass die komplette Medien- und Showbranche, die in den letzten zehn Jahren keine Gelegenheit ausgelassen hat, sich über Jackson lustig zu machen, jetzt auf kollektive Trauermimik umschaltet. Genüsslich wurde doch über alle Affenfreunde, Gesichts-OPs, Mundschutzticks und Kindesmissbrauchprozesse berichtet. Was für eine verlogene Mischpoke! Vom bösen Eminem, leicht rassistischem Eddy Murphy bis hin zum harmlosen Weird Al Yankovic - alle haben sich doch über die Freakshow von Jacko lustig gemacht.

Dass aber jetzt Joe Jackson, der Vater und brutale Folterer des Kindes Michael Jackson, von den Medien hofiert und in Talkshows eingeladen wird, um den trauernden Papa zu geben, ist doch nur ekelhaft. Papa Joe kann sich jedoch das Grinsen zwischen gespielter Trauer kaum verkneifen, da er jetzt schon das Archiv seines Sohnes plündert und die Kasse klingeln hört! Da zeigt sich doch die ganze Verachtung dieses Geschäfts! Angesichts des Jackson-Hypes stellt man doch resigniert wieder mal fest: Wenn nichts mehr geht - am besten Sterben! Any promotion is good promotion! Die Verkäufe von Jackson-CDs und Merchandising-Produkten gehen jetzt durch die Decke und jeder A- bis D-Promi wird natürlich seinen verkaufsträchtigen Grund finden, Jackson zu "ehren". Ich warte also voller Freude auf die Michael Hirte CD "Auf Wiedersehen, mein Freund - Hirte plays Jacko"! Bis die Tage!