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Lil' Kim: HipHop hinter Gittern

Seit wenigen Wochen ist die ohnehin illustre Geschichte des US-amerikanischen HipHop um eine Fußnote reicher: Als erster weiblicher Szenestar verbüßt Lil' Kim eine Haftstrafe - und veröffentlicht währenddessen ihr neues Album.

Lil'Kim sitzt im Knast - und ist präsenter denn je. Wegen Meineides hatte ein New Yorker Gericht die Grammy-Preisträgerin zu einem Jahr und einem Tag hinter Gittern verurteilt. Nur wenige Tage vor dem Haftantritt im September erschien in den USA das jüngste Album der 30-Jährigen - von diesem Freitag an ist "The naked truth" auch in Deutschland erhältlich.

Unter Tränen soll sich Lil’ Kim - geboren als Kimberley Jones - kurz vor der Verkündung ihres Urteils zu dem Meineid bekannt haben: Sie hatte im Jahr 2003 vor einer Geschworenen-Jury ausgesagt, nicht bei einer Schießerei zwischen verfeindeten Rappern in New York anwesend gewesen zu sein - um einen daran beteiligten Freund zu schützen. Dieser war schon 2004 zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er mit seinen Schüssen einen Mann schwer verletzt hatte.

Viele Kollegen helfen mit

Die Zeit bis zum Haftantritt verbrachte die Rapperin mit fieberhafter Arbeit an "The naked truth", ihrem vierten Album. Ihrem Ruf innerhalb der Szene scheint das Urteil nicht geschadet zu haben - im Gegenteil: Mit Stars wie The Game oder Snoop Dogg beteiligten sich einige der bedeutendsten HipHop-Akteure an der Produktion. Letzterer hat ebenfalls Erfahrungen als prominenter Angeklagter: In den 90er Jahren stand auch Snoop Dogg im Zusammenhang mit einer Schießerei vor Gericht, wurde letztlich aber frei gesprochen.

Lil' Kim selbst musste als Lebensgefährtin von Notorious B.I.G. bereits eines der größten Dramen der Musikgeschichte miterleben: Der Rapstar wurde 1997 ermordet. Nach seinem Kollegen 2Pac war er damals das zweite Opfer der "Gangsta-Krieg" genannten blutigen Fehde in der HipHop-Szene innerhalb weniger Monate. In den folgenden Jahren feierte Lil’ Kim zahlreiche Erfolge - vor allem in den USA, mit einer Coverversion des Phil-Collins-Stücks "In the air tonight" 2001 aber auch in Deutschland.

Auch nach ihrer Verurteilung scheinen die Fans die schwarze Rapperin nicht im Stich zu lassen: Anfang Oktober platzierte sich das Album in den US-Top-Ten. Im Internet sind unter www.lilkim.com Treuebekundungen von Anhängern zu lesen: "Gott schütze dich, Baby, wir da draußen lieben dich!", heißt es - und: "Wäre es ein Weißer gewesen, wäre er dafür nicht ins Gefängnis gekommen." Lil' Kim gab sich unterdessen in einer Pressemitteilung kämpferisch: "Ich werde im Gefängnis Musik schreiben, lesen und regelmäßig beten", kündigte sie an. "Wenn ich wieder rauskomme, werde ich eine stärkere Frau sein."

Florian Oertel/DPA