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MUSIK-TOURNEEN: Kommen sie, oder kommen sie nicht?

In der Konzertbranche herrscht seit dem 11. September Verunsicherung: Immer mehr US-Musiker sagen ihre Europa-Tourneen ab. Manche - so wird vermutet - benutzen den Terror aber nur als Vorwand.

Fast täglich sagen derzeit US-Bands ihre für diesen Herbst anstehenden Deutschland-Tourneen ab oder schieben sie nach hinten. Superstar Janet Jackson kommt gar nicht, das Mädchen- Trio Destiny?s Child und die Rocker von Blink 182 wollen ihren Verpflichtungen erst im nächsten Jahr nachkommen, während die Absage der Dave Matthews Band die für November terminierte Rolling Stone Roadshow platzen ließ.

Absagen wegen der Terroranschläge

Meist werden die Absagen mit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September und deren Folgen begründet. Ob das immer stimmt, darüber gehen in der Branche jedoch die Meinungen auseinander. Und nicht alle Veranstalter leiden unter der Situation. Für manche hat sich die Lage sogar verbessert.

Verluste in Millionenhöhe

»Die Amerikaner sind derzeit relativ zögerlich«, sagt Kirsten Czastrau von der Kölner Konzertagentur Peter Rieger, die für die abgesagte November-Tour von Janet Jackson verantwortlich war. »Das lief sehr gut, wir hatten sogar Zusatzkonzerte angesetzt, deshalb sind wir jetzt natürlich ein bisschen traurig«, sagt Czastrau. Berichte, nach denen ihrer Agentur durch Absagen und weniger Buchungen rund zehn Millionen Mark entgangen seien, will sie aber nicht bestätigen: »Das ist aus der Luft gegriffen.« Tröstlich sei da, dass wenigstens die europäischen Nachbarn treu blieben. Auf dem Markt für US-Bands sehe es derzeit jedenfalls eher trist aus.

Mit der Verschiebung des Konzerts von Destiny?s Child hat der Frankfurter Konzertveranstalter Shooter zu kämpfen. Man gibt sich aber gelassen. »Es entstehen natürlich Kosten, aber da will ich nicht den großen Meckerer machen«, sagt Sprecher Dirk Eisermann. Dennoch blickt er mit leichter Sorge in die Zukunft: »Die Planungen fürs Frühjahr oder Sommer sind relativ dünn. Wenn wir am 1. Dezember immer noch so dastehen, dann haben wir ein Problem.« Zudem sei es derzeit schwieriger, Karten für Schlager- und Volksmusik an den Zuschauer zu bringen.

Event-Riese profitiert sogar

»Wir haben keine Absagen«, heißt es dagegen bei dem Event-Riesen Deutsche Entertainment AG (DEAG). »Bei uns geht die Auslastung sogar nach oben«, berichtet DEAG-Sprecher Conrad Rausch. Nach seinen Beobachtungen verschieben viele Menschen derzeit langfristige Investitionen zu Gunsten kurzfristiger Freizeitaktivitäten. »Die Leute geben ihr Geld in Deutschland aus.« Bei der DEAG sieht man im Übrigen nicht jede Absage als begründet an. »Wir haben das Gefühl, dass manche das ausnutzen und das, was nicht so gut läuft, absagen und dem 11. September in die Schuhe schieben«, sagt Rausch.

»Ungeheure Nachfrage«

Ähnlich sieht es auch der Frankfurter Veranstalter Marek Lieberberg. »Der 11. September wird jetzt dazu genutzt, eine schlechte Geschäftspolitik zu entschuldigen. Das ist ein unzulässiger Trick«, sagt er. Seine Firma erlebe eine gute Saison: »Wir spüren, dass eine ungeheure Nachfrage existiert.« So habe man in der vergangenen Woche die besten Zuwachsraten bei den Vorverkäufen für David Copperfield und »Lord Of The Dance« verzeichnet. Durch die Absage der Rolling Stone Roadshow seien ihm lediglich »einige minimale Kosten im Bereich von 10.000 Mark« entstanden. Auch von zögerlichen Buchungen fürs kommende Jahr will Lieberberg nichts wissen. Er habe etwa Zusagen von Santana und Supertramp vorliegen.