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Momente der TV-Geschichte Deutschlands erstes Nipplegate - wie eine durchsichtige Bluse die Gemüter erhitzte

Wünsch dir was: Dietmar Schönherr
Da war der Skandal noch nicht perfekt: "Wünsch dir was"-Moderator Dietmar Schönherr neben den Mannequins, die verschiedene Outfits präsentierten. Ganz vorne links ist die durchsichtige Bluse zu sehen, für die sich Leonie Stöhr entscheiden wird.
© Horst Ossinger/ / Picture Alliance
Eine transparente Bluse schrieb TV-Geschichte: Vor 50 Jahren ließ in der Show "Wünsch dir was" mit Dietmar Schönherr und Vivi Bach eine Kandidatin ihre Brustwarzen unter einem Oberteil hervorblitzen. Deutschland war mehr als erregt.

Der 7. November 1970 sollte ein normaler Fernsehabend für die ganze Familie werden. Das Moderatorenpaar Dietmar Schönherr und Vivi Paar präsentierte in seiner Live-Show "Wünsch dir was" mehrere Familien, die gegeneinander antraten. Doch in einem der Spiele kam es zu einem der größten Skandale der deutschen Fernsehgeschichte: dem ersten Nipplegate.

Anders als 34 Jahre später bei Janet Jacksons legendärem Super-Bowl-Auftritt 2004 führte keine Garderoben-Dysfunktion zu Aufruhr, sondern eine bewusste Provokation der Spielemacher. Im Zuge der Sex-Welle und Aufklärung fragten sie die Familien schon zu Beginn, ob eine der Töchter oben ohne auftreten würde. Alle verneinten. Doch dann, in der letzten Spielrunde, bekam die Nation trotzdem ihren Skandal.

Die Töchter der Familien hatten die Wahl aus fünf Outfits. Sie sollten sich für eins entscheiden, das sie persönlich gerne anziehen würden. Vater, Mutter und Bruder hatten dann zu erraten, welche Garderobe sie sich wohl ausgesucht hatte. "Wir haben hier eine Art Laufsteg organisiert", sagte Moderator Dietmar Schönherr. Mehrere Mannequins führten die Modelle vor, darunter eines mit einer transparenten Bluse.

"Sie trägt so gerne Hosen"

"Ich glaube das", sagte die Mutter spontan. Allerdings ahnungslos, dass ihre Tochter damit gleich für einen Skandal sorgen würde. "Sie trägt so gerne Hosen", erklärte sie gutgläubig. "Mir scheint die Hose nicht das Bemerkenswerteste an diesem Kostüm", antwortete Schönherr. Dann betrat die damals 17-jährige Leonie Stöhr die Bühne. Sie hatte sich tatsächlich für den Look mit dem durchsichtigen Oberteil entschieden. Mit wippendem Busen schritt sie an den Kameras vorbei. Zu viel für die damals prüde Bundesrepublik.

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Beim ZDF in Mainz standen die Telefone nicht mehr still. Zuschauer erregten sich über das Dargebotene. Noch größer war das Medienecho, das am darauffolgenden Montag über die Show hereinbrach. Von einer "Obszönität" war da die Rede. Die Folge: Morddrohungen gegen die Verantwortlichen und Bombenwarnungen bei den folgenden Shows. "Unglaublich, was damals abging“, erklärte Stöhr später.

"Wünsch dir was" sorgte für mehrere Skandale

Die durchsichtige Bluse war nicht der einzige Skandal bei "Wünsch dir was". Ein knappes halbes Jahr später war es erneut eines der Spiele, das für Aufsehen sorgte. Um die Gefahr von Unfällen zu demonstrieren, bei denen Autos im Wasser landen, sollten sich die Familien in einem Bassin aus einem sinkenden Fahrzeug befreien. Eine der Kandidatinnen geriet in Panik und konnte sich nicht lösen, Rettungstaucher mussten eingreifen. Obwohl es in Wahrheit nur Sekunden dauerte, wirkte es am Bildschirm eine gefühlte Ewigkeit, in der die Zuschauer sie in Todesangst sahen.

Ein Jahr später und trotz Topquoten gaben die Fernsehmacher die Show entnervt auf. Nach drei Jahren und 24 Sendungen war Schluss. Trotzdem gilt "Wünsch dir was" bis heute als wegweisend und nahm viele Skandal-, und Ekel-Elemente vorweg, die heute in Reality-TV-Shows wieder zu sehen sind. Wahrscheinlich waren Schönherr und Bach ihrer Zeit einfach um Jahre voraus.

mai

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