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Pete Townshend: "Wir waren niemals Freunde!"

Nach 24 Jahren gibt es ein neues Album von der legendären Rockband The Who, die früher auf der Bühne Instrumente zerschlugen und mit der Rockoper "Tommy" neue Maßstäbe setzten. Im stern-Interview resümiert Pete Townshend sein Leben.

Herr Townshend, wer ist Ihr Lieblingsmusiker der letzten Jahre?

Joni Mitchell, ihr Album "Travellogue", das ist die Platte mit den Orchester-Songs.

Warum war es in den 60er Jahren leichter, ein Rockstar zu werden?

Es gab keine Regeln - außer den Regeln unserer Eltern. Wir waren ein unbeschriebenes Papier, aber wir hatten unsere Träume. Wir lebten in der Verleugnung, verursacht durch das Kriegs-Trauma, dass unsere Eltern durchlitten hatten. Wir liehen uns den Blues, Klassische Musik, Country, Western, 50er-Jahre-Pop - und erschufen unsere eigene Art von Musik. Dabei ging es nicht so sehr um das Jungsein, sondern um die Abgrenzung von den Ansichten unserer Eltern.

Was war Ihr Höhepunkt der vergangenen Jahre?

Das Fertigschreiben meines Buches "The Boy Who Heard Music". Das brachte mich dazu, die Musik für das Album "Wire & Glas" (EP, die im Juli 2006 als Vorgeschmack auf neue The-Who-Album erschien, Anm. d. Red.) zu komponieren. Sobald ich das Buch beendet hatte, wusste ich, dass ich etwas gefunden hatte, was mich inspirieren würde für ein zweites Leben mit The Who. Das war nicht unbedingt etwas, was ich gewollt hatte, aber mir klar, dass es eine zweite Chance ist.

Und Ihr Tiefpunkt?

Der Tod von John Entwistle (Bassist von The Who, verstarb 2002, Anm. d. Red.). Und der Tod von zwei Erwachsenen, die in ihrer Kindheit sexuell missbraucht wurden. Ich wollte ihnen helfen, indem ich ihnen ihre psychologische Behandlung bezahlte.

Welchen Song hätten Sie gerne geschrieben?

"Three Steps To Heaven" von Eddie Cochran. Wenn ich einen aktuellen Song auswählen müsste, dann wäre es: "People Are All The Same" von den Sugababes.

Nervt es Sie, dass Ihr Publikum nichts anders außer den alten The-Who-Klassiker hören will?

Das ist nicht wahr! Sie hören alles, solange wir auch die Klassiker spielen. Aber 24 Jahre lang hatten wir keine neuen Songs. Jetzt spielen wir acht oder neun neue Songs auf unseren Konzerten - und die Leute sind glücklich.

Sie sind 61 Jahre alt. Was haben Sie noch im Leben vor?

Meine Autobiographie schreiben - hoffentlich bevor ich 64 Jahre alt werde, damit ich sie mit 65 veröffentlichen kann. Außerdem möchte ich meine Deutschkenntnisse erweitern. Und alle wichtigen Segel-Scheine in der Tasche haben. Ich bin ein erfahrener Seemann, aber meine Qualifikation ist bescheiden. Und ich möchte eines Tages Opa werden.

Wenn Sie sich vor zwanzig Jahren einen Rat hätten geben können, wie hätte dieser gelautet?

Du machst alles prima, Pete! Mach dir keine Sorgen! Vor 20 Jahren hatte ich gerade mein Soloalbum "White City" veröffentlicht. Außerdem schrieb ich an dem Bühnenmusical "Iron Man" von Ted Hughes. Ich arbeitete an vielen verschiedenen Sachen, die mir alle Spaß machten. Trotzdem war ich irgendwie unerfüllt. Und das hing mit meinem Bedürfnis zusammen, meine Therapie zu Ende zu bringen. Als ich sie endlich abgeschlossen hatte, war ich zufrieden. Ich mache heute noch Therapie, wenn ich das Gefühl habe, dass ich es brauche.

Sind Sie und Roger Daltrey immer noch Freunde - oder doch eher Geschäftspartner?

Wir waren niemals Freunde! Aber wir sind kreative Partner seit vielen Jahren. Heute sind wir uns näher als jemals zuvor, weil wir nur noch uns haben. (der The-Who-Schlagzeuger Keith Moon verstarb 1978, Bassist John Entwistle 2002, Anm. d. Red.)

Wie wird man sich in 50 Jahren an The Who erinnern?

Die Leute werden sich an "My Generation" erinnern. Wie wir Gitarren kaputt schlugen und Hotelzimmer. Aber auch unsere Musik wird ernsthaft erinnert werden. Wir hatten eine soziale Bedeutung. Allerdings waren wir nicht dafür verantwortlich, sondern unser Publikum.

Interview: Hannes Roß

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