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Micky Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Heiligabend, Heimatabend

Man kann über Weihnachten ja sagen, was man will. Aber nicht, dass es nicht schön ist. Micky Beisenherz feiert mit der ganzen Familie. Ramazotti und beschissen verpackte Geschenke inklusive.

Eine Kolumne von Micky Beisenherz

Micky allein zu Haus? Nix da - die ganze Familie feiert.

Micky allein zu Haus? Nix da - die ganze Familie stößt an.

Langsam fährt er links an mir vorbei, und ich wundere mich, was er überhaupt hier will. Wer ruft den? Noch nutzloser als dieser Schneeräumer fühlt sich heute Nacht nur noch der Edeka-Opa. Der allerdings ist Schauspieler und privat ganz happy. Wie viele es wohl gibt, die diese Zeit unerträglich finden? Sich in Lichterketten gelegt fühlen. Festtagsbeleuchtung? Alarmsignale!

Ich jogge die Övelgönne entlang und blicke in die schönen kleinen Häuser am Elbhang. Katalogähnliche Inneneinrichtungen, gedeckte Tische, aufgebaute Notenständer. Wie sehr sich einige auf diesen Abend gefreut haben müssen. Wie sehr es einigen vor diesem Abend gegraut haben muss. Unter jedem Dach ist auch ein Ach. Eine Gnade, zu denen zu gehören, die die Weihnachtszeit wirklich mögen. Zumindest den Teil, der nicht schon im Juli mit Dominosteinen beginnt. Eher so ab November.

Das letzte Aufbäumen des Jahres, bevor nach Neujahr alles für zwei Monate im Schneematsch ersäuft. Ich mag diesen ganzen Kitsch, ich kann sogar die Musik ertragen. Vor allem, wenn sie von Joni Mitchell ist. Oder den alten Kram von Dean Martin. Gut, den obligatorischen Kirchgang spar ich mir. Was doppelt bescheuert ist, da ich tatsächlich immer noch 'ne Dauerkarte für den Verein habe. Bequemlichkeit. Oder doch dieses Gefühl, irgendwann da oben abgewiesen zu werden mit dem Hinweis darauf, im Sommer 2017 die Zahlung eingestellt zu haben. Keine Ahnung. Aber, dass Kirche und Christen mit Nächstenliebe nicht zwingend verbunden sind, haben wir in diesem Jahr alle gelernt.

Außerdem: Omma Lore geht auch nicht. Und die ist mit 90 Zielgruppe. Hat aber zu viel zu tun. Waschen. Putzen. Kochen. Vor allem, da die ganze Verwandtschaft anrückt.

Und ich? Gucke lieber das "Extras"- Christmas Special von Ricky Gervais. Immer wieder gut. Der Mensch braucht Rituale. Und sei es nur das legendär beschissene Einpacken. Meine Päckchen sehen aus, als habe ein Schimpanse mit Down-Syndrom versucht, das Pentagon nachzubauen. Ich könnte den heiligen Gral verschenken. So, wie ich ihn verpacken würde – niemand hätte mehr Freude daran. Zum Glück interessiert meine Tochter eh nur das Papier. Wahrscheinlich das einzige Weihnachten, an dem man mit so wenig Einsatz so viel Effekt erzielen kann. Für ein fünf Monate altes Kind ist Weihnachten einfach: Knisterpapier her und rein in den Mund. Im nächsten Jahr ist sie schon ca. 536 Spielsachen älter.

War das eigentlich immer schon so irre? Haben wir früher auch so viel bekommen? Gefühlt gab es doch immer nur das eine große Teil. Das Playmobil-Piratenschiff. Die Lego-Burg. Irgendein Elektro-Teil, bei dem garantiert irgendwas nicht funktionierte oder die Batterien fehlten. Die sich an dem Abend natürlich auch nicht mehr auftreiben ließen. Guck ich mir meine Nichten, Neffen oder die Kinder meiner Freunde an, denke ich oft, dass so manche Toys-'R'-Us-Filiale kümmerlich schlecht bestückt dagegen wirkt. Overkill. German Toy Horror Story.

Ich habe rosa Puppen-Traumhäuser gesehen, da hingen so viele Barbies drin rum – das Ding sah aus wie ein Puff. Oder die Lobby vom Interconti in Düsseldorf. Was aufs Gleiche hinausläuft. Leuchtende Kinderaugen? My Ass. So manches Geschenk wurde von meinen kleinen Verwandten förmlich wegbeamtet.

Aufreißen, gucken, oh schön, weg.

Aufreißen, gucken, oh schön, weg.

Aufreißen, gucken, oh schön, weg.

Etwas betrüblich zu sehen, dass ein fünfjähriges Kind mit dem Betrachten des frisch geschenkten Spielzeugs fast schneller durch ist, als der Gleichaltrige, der es ein paar tausend Kilometer weiter gefertigt hat. Kann man sich nicht mit allen darauf einigen, dem Kind nur EIN Teil zu schenken? Eher kann man den Nahost- Konflikt lösen, ich weiß. Wir waren damals wahrscheinlich genauso, und: Bei meiner Tochter wird es nicht anders laufen. In ein paar Jahren.

Jetzt hat sie erst einmal das große Glück, bei ihrer Urgroßoma auf dem Schoß zu sitzen. Wie schön, dass die beiden sich nicht verpasst haben. Heiligabend zusammen unter einem Dach. Vier Generationen. Omma. Eltern. Mein Bruder, seine Frau, die Kinder, wir. Später kommen noch Onkels und Tanten dazu. Mein Cousin Christian und sein Verlobter. Mein Cousin Tömmes. Wir werden uns wohl betrinken. Und Tränen lachen. Am Ende überredet er Omma wieder zu ein paar Ramazotti. Wie die Waltons. Mit einem guten Schuss Simpsons.

Omma Lore meint, ich trüge die Kleine "wie 'n Sack Sülze". Wie genau das gemeint ist, ist ihr Geheimnis. Sie und Pippa haben sich gleich hervorragend verstanden. Schon, als sie im Krankenhaus das mobile Bettchen der Neugeborenen als Rollator missbraucht und über die Flure geschoben hatte. Jetzt ist sie bei ihr auf dem Arm und ist bester Laune. Noch. Kann sich schnell ändern. Die kleine Diva. Mein Freund Oli meint, meine Tochter sähe aus wie Omma. Und ja, diese Bäckchen, diese weiche Haut, dieses Grundfröhliche im Blick – das kommt hin.

Alte Leute haben das große Pech, später genauso pflegebedürftig zu sein wie Babys – nur, ohne so süß zu sein. Omma Lore hat Glück gehabt. Sie ist wirklich sehr süß. Und gar nicht pflegebedürftig. Im Gegenteil. Die macht uns noch alle frisch. Ich hoffe, es bleibt ewig so. Hau mir bloß ab mit Realitäten. Unglaublich, dass diese beiden Menschen, die sich gerade einen Sessel teilen, fast ein komplettes Jahrhundert trennt.

Familie – was für eine Gnade.

Schade, dass Onkel Franz nicht mehr dabei ist. Super Typ. Viel zu früh gestorben. Der klassische komische Onkel mit dem Herz aus Gold. Sah so ein bisschen aus wie Martin Bangemann mit dieser Matula-ähnlichen Ermittlerlederjacke. Hat uns Kindern immer über die Haare gestrichen und Grunzgeräusche gemacht. Dafür gab es jedes Jahr eines von diesen kabelgesteuerten Autos, hinter den man her rennen musste. Naja. Später gab es Geld. Schon besser. War ein zuverlässiger Top-Schenker. Bis zum Schluss.

In den letzten Jahren hat er diabetesbedingt so schlecht gesehen, dass er mit dem Kopf fast im Kartoffelsalat hing, um zu gucken, was in der Schale ist. Himmel, wie er sich damals über den leeren Maxi Cosy gebeugt hat und Dutzi-Dutzi zu der Kinderjeans gemacht hat, obwohl Fiete längst oben in seinem Bettchen lag und schlief.

Diese Geschichte, wie diese eine kleine dickliche Nichte tatsächlich zum Blockflöten- Konzert ansetzte und so schief spielte, dass meine Mutter mit dem Braten in der Küche bleiben musste, damit keiner ihren Lachanfall mitbekam. Während ich mich die ganze Zeit gefragt habe, ob man sich mit Marzipankartoffeln die Ohren hermetisch abriegeln kann.

Seit meine Mutter die iPod-Docking-Station gekriegt hat, streiten mein Bruder und ich jedes Jahr über die Soundtrackhoheit des Abends. Mein Vater kriegt wieder Cognac. VSOP-Qualität. Ob er das herausschmeckt? Um ehrlich zu sein, ist das ein bisschen so, als würde man Lang Lang für die Bar vom Ibis Ludwigshafen buchen, aber verdient hat er es alle mal. Für Papa gab's Heiligabend immer zwei Überraschungen: Das, was er bekommen hat – und das, was wir Kinder gekriegt haben. Man hat auch ein besseres Gefühl beim Schenken. Omma hat bereits neuen Teppich fürs Schlafzimmer bekommen. War ihr Wunsch. Wir haben zusammengelegt. Ich liebe diese Einstellung. Genau wie sie muss man es machen. Genau so.

Mir ist es lieber, wenn jemand sich mit 112 noch ein flammneues Auto kauft, als mit 70 zu sagen: Ein neues Sofa lohnt nicht mehr. Wie schön ist es, hier zu sein. Und ich denke an die, die Weihnachten nicht hier sind. An die, die Heiligabend das erste mal auf einen geliebten Menschen verzichten müssen. An die, die krank sind, und sich gerade noch zu ihren Eltern schleppen konnten. An die, die sonst auf dicke Hose machen und jetzt ganz weich werden. Die Weihnachten feiern, obwohl sie nicht mal Christen sind, es aber irgendwie so eine Art Familienfest ist.

Chabos wissen, wer der Baba ist. Schenkt, so viel ihr wollt, fresst, trinkt. Und genießt es. Genießt einander. Vergesst den Ärger. Das ist es nicht wert. Es ist ein großes Glück, dass ihr euch habt. Und so ein scheißflüchtiges ...

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(