Premiere Märchenstunde mit Grönemeyer


Popstar Herbert Grönemeyer und der amerikanische Theatermacher Robert Wilson feierten im Berliner Ensemble mit dem Musical "Leonce und Lena" Premiere.

Es war eine Märchenstunde für Erwachsene: Popstar Herbert Grönemeyer (47) und der amerikanische Theatermacher Robert Wilson (61) zeigten am Donnerstagabend im Berliner Ensemble erstmals das von ihnen zum Musical umfunktionierte Theaterstück "Leonce und Lena". Aus dem Werk von Georg Büchner wurde eine romantische Geschichte voller Witz und Sentimentalität. Das Premieren-Publikum nahm die Aufführung mit viel Applaus und großem Jubel auf, in den sich nur vereinzelte Buhrufe mischten. Grönemeyer kehrte damit nach gut 20 Jahren wieder an das Theater zurück, wenn vorerst auch nur hinter die Bühne.

Klänge aus Jazz, Swing, Pop und Rock

"Wir nehmen uns selbst viel zu ernst", lautet das Credo der Inszenierung. Beschwingte Musik und zehn stilistisch unterschiedliche Lieder hat Grönemeyer für das "Leonce und Lena"-Projekt komponiert und getextet. Mit Klängen aus Jazz, Swing, Pop und Rock wird die Geschichte der beiden Königskinder Leonce und Lena sowie eines in Konventionen erstarrten und leicht irren Hofstaates erzählt.

Der gelangweilte Prinz (Markus Meyer) und die die sehnsuchtsvolle Prinzessin (Nina Hoss) sollen gegen ihren Willen miteinander verheiratet werden, verlieben sich dann aber "rein zufällig" und ohne von der Identität des anderen zu wissen, ineinander. Am Ende wollen sie gemeinsam einen utopischen Staat gründen, in dem keiner mehr arbeiten muss. "Wir werden froh und faul und alt", singt der Königshof zum Schluss.

Sechs Mal habe er das Stück gelesen, um Büchners Humor zu verstehen, sagt Grönemeyer. "Ich glaube, er macht sich vor allem über die Deutschen mit ihren Pseudoproblemen lustig." Für die Deutschen sei es sogar harte Arbeit, sich zu langweilen. "Wir leben in schwierigen Zeiten, klar, aber wir sind genauso wenig in der Lage, über uns zu lachen, uns nicht ganz so ernst zu nehmen", meint der Sänger, der im vergangenen Jahr mit "Mensch" sein bislang erfolgreichstes Album herausgebracht hat.

Stilsicheres Bildtheater voller Farbeffekte

Grönemeyer lässt die Schauspieler sowohl romantische Balladen als auch rockige Titel singen. Der texanische Regisseur Wilson zeigt dazu gewohnt stilsicheres Bildertheater voller Farbeffekte, fantasievollen Kostümen ganz aus verschieden farbigem Leder und einer prächtig-bunten Bühnenbildlandschaft. Ein kleines Orchester unter anderem mit Klavier, Bass, Keyboard, Trompete, Banjo, Geige, Schlagzeug und Akkordeon spielt live im Theater, gesungen wird in deutscher Sprache.

Neben den Titelhelden Nina Hoss und Markus Meyer erhielten vor allem Stefan Kurt als Valerio und Walter Schmidinger als König Peter stürmischen Applaus. Kurt überzeugte auch als stimmlich gewandter Sänger, der seinen Komponisten Grönemeyer gekonnt parodierte. Grönemeyer stand in den 70er und frühen 80er Jahren selbst auf der Theaterbühne, wo er unter anderem mit Starregisseur Peter Zadek zusammenarbeitete. Einem großen Publikum wurde er als Schauspieler durch seine Rolle in Wolfgang Petersens Film "Das Boot" (1981) bekannt.

DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker