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Public Viewing in Bayreuth: Wagner fürs Volk

Wagner ist nicht elitär. In lockerer Atmosphäre baut das Public Viewing Hemmschwellen ab. Mit der kindgerechten Fassung des "Tannhäuser" und einem Erlebnisparcours zielt die Festspielnacht auf das Opernpublikum von Morgen.

Richard Wagner wollte Oper für alle machen, auch für Kinder. Vor der dritten Live-Übertragung einer Wagner-Oper aus dem Festspielhaus in Bayreuth wurde am Samstag erstmals unter freiem Himmel eine Aufzeichnung des "Tannhäuser" aus dem Projekt "Wagner für Kinder" gezeigt. Katharina Wagner hatte die Reihe vor einem Jahr gestartet - mit Erfolg.

Nach dem "Tannhäuser" durfte der Zuschauernachwuchs auf einem Erlebnisparcours seine Kreativität entfalten und einen Blick hinter die Kulissen einer Opern-Inszenierung werfen. Bei sommerlichen Temperaturen herrscht auf dem Bayreuther Volksfestplatz Party-, Strand- und Biergartenatmosphäre zugleich, ein echter Kontrast zum manchmal etwas steifen Umfeld oben auf dem "Grünen Hügel".

Mehr als 1000 Kinder lassen sich in die Welt des Minnesängers Tannhäuser und der Liebegöttin Venus entführen. Im "Sängerkrieg auf der Wartburg" treffen zwei Welten zusammen, erläutert Festspielleiterin Katharina Wagner. In der einen ist alles verboten, in der anderen kann man tun und lassen, was man will. "Oper ist ein Gesamtkunstwerk, daraus lernen Kinder auch fürs Leben."

Lena schlüpft nach der gut einstündigen Aufzeichnung des "Tannhäuser" in das Kostüm der Liebesgöttin Venus. Die angehende Maskenbildnerin Susanna Thullen schminkt die Fünfjährige und stylt ihre Haare. Nebenan bemalt die neunjährige Julia ein T-Shirt mit der Liebesgöttin. Wenige Meter weiter stehen Daniel (4) und Dennis (5) mit Helm und Brustpanzer, in der Hand große Schwerter, die ihnen deutlich über die Köpfe reichen.

Später werden die Bilder der Wagner-Oper "Die Walküre" in der Inszenierung des Dramatikers Tankred Dorst für die Erwachsenen von acht ferngesteuerten Kameras auf den Platz übertragen. "Sie bieten die Möglichkeit, die Akteure auf der Bühne aus nächster Nähe zu zeigen", betont Regisseur Michael Dillmann. Viele der insgesamt rund 40 000 Besucher sehen allerdings nur einzelne Aufzüge der "Walküre" auf der 90 Quadratmeter großen LED-Wand. Denn einschließlich der beiden einstündigen Pausen dauert das Werk fast sechs Stunden.

Am späten Abend lassen sich auch die Sänger auf dem Volksfestplatz feiern. "Ich freue mich auf nächstes Jahr", bedankt sich Katharina Wagner beim Publikum. Dann wird die diesjährige Neuinszenierung des "Lohengrin" in der Regie von Hans Neuenfels live übertragen. Für Kinder ist eine Kurzfassung der Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" geplant".

Manfred Präcklein, DPA / DPA
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