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Wolfgang Wagner: Der Gralshüter auf dem Grünen Hügel

Er leitete die Bayreuther Festspiele länger als ein halbes Jahrhundert. Gesundheitliche Gründe führten vor zwei Jahren zu seinem Abschied. Nun ist Wolfgang Wagner im Alter von 90 Jahren gestorben.

Wolfgang Wagner ist tot. Der langjährige Leiter der Bayreuther Festspiele ist am Sonntag in Bayreuth im Alter von 90 Jahren gestorben, sagte der Sprecher der Festspiele. Er sei friedlich eingeschlafen, habe ihm die Chefin der Richard-Wagner-Festspiele, Katharina Wagner, mitgeteilt.

Der am 30. August 1919 geborene Enkel von Richard Wagner leitete von 1951 an zusammen mit seinem Bruder Wieland Wagner die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder begründeten Bayreuther Festspiele. Nach dem frühen Tod seines Bruders im Oktober 1966 war er mehr als vier Jahrzehnte lang alleiniger Festspielleiter. 1976 ließ er sich von seiner ersten Frau Ellen Drexel scheiden und heiratete seine langjährige Mitarbeiterin Gudrun Mack. Ihr überraschender Tod im November 2007 machte schließlich nach längeren Auseinandersetzungen den Weg frei für seine Nachfolge. Im September 2008 übernahmen seine beiden Töchter, die Halbschwestern Eva Wagner-Pasquier (64) und Katharina Wagner (31) das Zepter am "Grünen Hügel".

"Ein Zeitalter geht zu Ende"

Wolfgang Wagners Verdienste sind die Stabilisierung der Festspiele und die wegweisenden Verpflichtungen von Regisseuren wie Patrice Chereau für den "Jahrhundertring" 1976, Götz Friedrich ("Tannhäuser") und zuletzt Christoph Schlingensief ("Parsifal"). Unter seiner Leitung entstanden mehr als 1700 Aufführungen im Festspielhaus auf dem "Grünen Hügel". Er selbst schuf zwölf eigene Inszenierungen.

Der Sprecher der Festspiele sagte, die Nachricht vom Tode Wolfgang Wagner mache alle Mitarbeiter tief betroffen. "Ein Zeitalter geht zu Ende", betonte er. "Vor seinem Lebenswerk und seiner unglaublichen Persönlichkeit kann man sich nur verneigen."

Der Vorsitzende der Richard-Wagner-Stiftung, Toni Schmid, würdigte die Leistung Wagners für den Fortbestand der Bayreuther Festspiele. Wagner habe das Werk seines Großvaters über Generationen hinweg bewahrt und weitervermittelt und dabei Bewundernswertes geleistet, sagte Schmid, der auch dem Verwaltungsrat der Festspiele vorsitzt. Als Regisseur und charismatischer Festspielleiter habe er die Festspiele nach 1945 gemeinsam mit seinem Bruder Wieland erfolgreich etabliert und mit der Gründung der Richard-Wagner-Stiftung die Zukunft der Festspiele gesichert. "Seine Energie, seine Kreativität und nicht zuletzt sein Humor haben uns alle immer wieder beeindruckt und nachhaltig geprägt", erklärte Schmid.

Wagner mit Verdienstkreuz ausgezeichnet

Erst im November 2009 war Wagner von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) als Dank für sein einzigartiges Lebenswerk das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband verliehen worden. Das ist die zweithöchste Auszeichnung in der Bundesrepublik Deutschland, die nur sehr selten vergeben wird. "Sie haben die Bayreuther Festspiele auf die Weltbühne gehoben", sagte Seehofer zu der "Kulturinstitution" Wolfgang Wagner. Bundespräsident Horst Köhler würdigte den dienstältesten Intendanten der Welt damals als eine der herausragenden Persönlichkeiten des deutschen Kulturlebens.

DPA / DPA