VG-Wort Pixel

Neues Musikvideo Rammstein sagt "Adieu" – Fans rätseln über Bedeutung und befürchten Ende der Band

Till Lindemann im Rammstein-Video zu "Adieu"
Till Lindemann im Rammstein-Video zu "Adieu"
© Screenshot Youtube
Rammstein haben mit "Adieu" bereits das sechste Musik-Video ihres Albums "Zeit" veröffentlicht. Die Band thematisiert darin bildgewaltig einen Wendepunkt ihrer Geschichte, ohne den es Rammstein heute wohl nicht mehr geben würde.

"Adieu, Goodbye, Auf Wiedersehen", als die Fans von Rammstein diese Zeilen das erste Mal hörten, werden nicht wenige Augen größer geworden sein. Beendet die Band mit diesen Worten ihre Karriere? Ist das der Abgesang einer fast 30-jährigen Erfolgsgeschichte? 

Am Donnerstag haben Till Lindemann und Co. das offizielle Musikvideo zu "Adieu" veröffentlicht. Und ganz Rammstein-like lädt es vielleicht noch mehr als die Musik zum Interpretieren ein. Eines wird jedoch deutlich: Dass die Band im April ihr achtes Studio-Album veröffentlichen konnte, ist keine Selbstverständlichkeit. Beinahe wäre schon deutlich früher Schluss gewesen.

Rammstein veröffentlichen Musikvideo zu "Adieu": Ein Wendepunkt, um die Karriere zu retten

Einmal mehr ist ein Rammstein-Musikvideo eher ein Kurzfilm: bildgewaltig, hochwertig produziert und mit jeder Menge heimlicher Querverweisen gespickt. So sitzt die Band zu Beginn als eine Art Sondereinsatzkommando schwer bewaffnet in einem Truppen-Transporter und fährt durch eine Stadt bei Nacht, während Till Lindemann den Kopf aus dem Fenster streckt – ganz so wie der Joker im DC-Film "Batman: The Dark Knight". Ziel scheint ein roter Lichtkegel zu sein, der aus einer Oper in den wolkenverhangenen Himmel strahlt. 

Auffällig sind schon in den ersten Sekunden die vielen christlichen Symbole, die der Zuschauer im Wagen entdecken kann: Ein Kruzifix am Spiegel, eine Bibel, aus der eine Seite gerissen wird, Kreuze als Tätowierungen in den Gesichtern der Bandmitglieder. Sie feiern das letzte Abendmahl – mit Zigaretten und Schnaps aus einem Flachmann. Der Transporter hält, die Band stürmt in die Oper, während auf dem Kennzeichen des Autos deutlich "Lifad 6" zu lesen ist – eine Abkürzung für das sechste Rammstein Album "Liebe ist für alle da". 

Eine wilde Schießerei beginnt. Die Band erkämpft sich den Weg zu einer schweren Metalltür mit der Aufschrift "Mutter-22". Auch dies eine Anspielung auf ein gleichnamiges früheres Album. Zudem trägt die Band offensichtlich ihren Stil der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre. Till Lindemann, schwarz geschminkt und mit Irokesen-Schnitt, Gitarrist Richard Kruspe mit pechschwarzem Haar, das ihm ins Gesicht hängt. 

Als die Bandmitglieder den Raum betreten, finden sie ihre eigenen Körper konserviert in Zentrifugen. Sie trauern kurz, und stecken den Raum und somit offenbar eine ältere Version von sich selbst in Brand. Ihr Äußeres erinnert dabei stark an das Cover von "Mutter". 

Album "Mutter" offenbar zentrales Motiv des Songs

Die Zeit um dieses Album scheint zentral für die weitere Karriere der Band gewesen zu sein. In mehreren Dokumentationen gaben die Musiker an, sich in dieser Phase beinahe getrennt zu haben. Die damalige USA-Tournee wurde abgebrochen – angeblich aus gesundheitlichen Gründen. Grund für den Streit waren insbesondere die unterschiedlichen Vorstellungen, wie man sich künstlerisch weiterentwickeln wollte. 

Zu diesem Bild passt auch, dass die Band sich im Video zu "Adieu" in einem Käfig in Form eines Rammstein-Logos wiederfindet, den Horden von zombiehafte Kreaturen belagern, die offenbar ihre Fans darstellen sollen – gefangen im Erfolg. 

Nachdem die Bandmintglieder von ihren "Fans" übermannt werden, fahren sie in den Himmel hinauf. Man sieht sie nun bis auf Lindemann ohne Schminke, frisch frisiert, offenbar zufrieden. Genau so stürzen sie sich in den Abgrund, aus dem der rote Lichtkegel leuchtet. 

Fans rätseln über Bedeutung des Videos

In vielen Foren und Kommentarspalten sammelten sich innerhalb weniger Stunden tausende von Interpretationen zu dem Video. Viele stießen ins gleiche Horn: Die Band thematisiert ihren Werdegang und den "Wendepunkt" nach dem Album "Mutter", das um ein Haar zur Trennung von Rammstein geführt hatte. Im Video wird diese Veränderung wohl damit symbolisiert, dass die "neue" Version von Rammstein, die in die Oper stürmt, ihre alte umbringen musste, weil sie sonst selbst an ihr zu Grunde gegangen wäre. 

Nun, da sie sich neu erfunden und alle Freiheiten haben, sind sie in der Lage, sich dem Druck und den Erwartungen zu stellen und sich aus eigener Kraft aus dem "Käfig" zu befreien. 

Unklar bleibt weiter, ob "Adieu" tatsächlich den Abschied von Rammstein einläutet. So sehr es textlich danach klingt, so vehement hatte Gitarrist Paul Landers diese Interpretation auf einem Fan-Treffen dementiert, wie der "Berliner Kurier" berichtet: "Rammstein hat nie über das Aufhören nachgedacht. Die Songs auf dem neuen Album basieren auf Erfahrungen und Verlusten, die die Bandmitglieder erleben mussten." 

Ein weiteres Argument, das gegen eine Trennung der Band spricht, ist das alternative Ende, das zusammen mit dem Abspann präsentiert wird. In diesem liegen Musiker erschossen auf den Fluren der Oper, die sie gestürmt hatten. Vielleicht zeigt Rammstein hier, was passiert wäre, wenn sie es nicht geschafft hätten, sich neu zu erfinden. "Adieu, Goodbye, Auf Wiedersehen."

Quelle: Berliner Kurier, Youtube: Rammstein

Mehr zum Thema

Newsticker