RAWA-BENEFIZGALA Nachgefragt: Katja Riemann

Was wussten Sie vor dem 11. September von der Lage in Afghanistan?

Ich wusste, was eigentlich jeder hätte wissen sollen, dass seit 1996 die Taliban ein Schrecken- und Oppressionsregime führen. Dass es keine Frauen und Mädchen mehr in diesem Land gibt, respektive man ihnen ihre Stimme genommen hat und ein lebenswürdiges Leben. Ich wusste, dass gefoltert wird, gesteinigt, Frauen erschossen und die Menschen in einem Land der Ruinen leben, das vormals ein orientalisches Paradies gewesen sein muss.

Wieso engagieren Sie sich für RAWA?

Erstaunlich, dass begründen zu müssen. Manche Menschen mögen sich dafür engagieren, ihr Geld zu verdoppeln, ihre Steuern im Ausland unter dem Tisch fallen zu lassen, um am Ende des Tages nicht mehr zu wissen, was mit dem all dem angehäuften Geld geschehen soll.

Ich kann nicht glauben, was geschieht und stehe ungläubig da, wie heute, jetzt, so etwas passieren kann. Was man den afghanischen Frauen antut. Ich glaube an die Kraft des Friedens, die Energie der Freiheit, an Gemeinsamkeit der Menschen. Ich denke, das Leben ist zu kurz, um ausschließlich zu leiden und bin erschüttert angesichts der Phantasie, die Menschen in ihrer kurzen Geschichte entwickelt haben, um sich gegenseitig zu quälen, zu unterdrücken. Ich engagiere mich, weil ich es darf, im Gegensatz zu vielen anderen Menschen in der Welt.

Was soll mit dem Spendengeld geschehen?

Es wird für den Aufbau eines Krankenhauses genutzt. Medizinische Versorgung ist in Zeiten des Krieges umso notwendiger. Aber es wurde eben auch nicht davor halt gemacht, die Krankenhäuser zu zerstören, von welcher Seite auch immer.

Welche Hilfe erwarten Sie von der Politik?

Oh, das ist eine schwierige Frage. Denn die Politiker haben ja immer die Schere im Kopf zwischen dem, was ihr Ideal ist oder war, dem, was möglich ist und ihrer Wiederwahl. Ich bin gegen Krieg, gegen jeden, aber wir haben diesen Schulterschluss gemacht. Kamen da die deutschen Politiker in Zugzwang? » Mit den Amis « oder: » wir werden auch ihr Feind «? Ich erwarte, dass sie Menschen bleiben, dass ihr Herz weiterhin angerührt wird, wenn sie sehen, wie in Kabul die Menschen leben, wie die Flüchtlinge nicht mal mehr das Land verlassen dürfen, wie Kinder hungern, Familien zerstört werden, Frauen hingerichtet, wie ein Leben nichts mehr wert ist, wie ein zerstörtes Land zerstört wird. Ich erwarte vielleicht, dass sie auch mal keine Antwort haben. Aber, wieweit hängen die Menschen eines Landes und deren Politiker noch miteinander im Verbund? Ist das nicht wie Öl auf Wasser? Grundsätzlich von Politik, von Politikern erwarte ich, dass sie ihre Leute beschützen. Aber ich denke, jetzt wird es endlich Zeit

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