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Filmkritik

"Fack ju Göhte 3": Danke, setzen, sechs - was an "Fack ju Göhte 3" Spaß macht und was nervt

Die Klasse ist so doof wie eh und je und Zeki Müller sexy wie nie: Der dritte Teil von "Fack ju Göhte" folgt der bewährten Erfolgsformel. Zotig und herrlich absurd hätte die Komödie eine eins verdient - wäre da nicht der pädagogische Zeigefinger der Autoren.

Pepe Nietnagel, seine Schwester Marion (schon damals gespielt von ) und Hannelore Elsner als frivole Austauschschülerin: Eine ganze Generation von Schülern wuchs in den 70er Jahren mit den "Pepe, der Paukerschreck"-Filmen auf. Herrlich blöd und albern nahm die Reihe schon damals den Schulalltag aufs Korn und bestätigte den vom Latinum geplagten Primanern am Mommsen-Gymnasium: Schule ist doof.

Mit "Fack ju Göhte" darf seit 2013 endlich auch die Generation der Digital Natives mit Schülerstreichen aufwachsen. Auch wenn Zahnpasta unter der Türklinke schon längst keinen Lehrer mehr aus der Fassung bringt - die Schulkomödie mit Elyas M'Barek als chaotischer Lehrer und Katja Riemann als panischer Schuldirektorin Gudrun Gerster steht in der Tradition der Paukerschreck-Filme. "Fack ju Göhte" ist schon jetzt, wie damals "Die Lümmel von der ersten Bank", Kult.

Filmszenen aus "Fack ju Göhte 3": Die Lümmel von der ersten Bank
Fack Ju Göhte 3

Panik im Lehrerzimmer: Biggi (Sandra Hüller), Direktorin Gerster (Katja Riemann) und Frau Leimbach-Knorr (Uschi Glas) droht die Versetzung. Die Goethegesamtschule soll geschlossen werden. Auch im dritten Teil von "Fack ju Göhte" geht es herrlich zotig und absurd zu.

"Fack ju Göhte 3" kehrt mit Elyas M'Barek zurück in die Schule

Am Donnerstag kommt der dritte und letzte Teil "Fack ju Göhte 3" in die Kinos. Die Handlung des sogenannten "Final Fuck" knüpft an Teil eins an und kehrt vom unglaubwürdigen Thailand-Schulausflug des zweiten Films an die Goethe-Gesamtschule zurück. Endlich wieder Chaos im Klassenzimmer: Verzweifelte Lehrer schnüffeln an Klebestiften und frustrierte Schüler werden per Hundechip unter Kontrolle gehalten. Dazu alberne Streiche, unterstes Sprachniveau und plumpe Witze. Das Drehbuch überspitzt gekonnt. Selbst wenn ein Radiergummi im Nasenloch eines Schülers verschwindet, wirkt das nicht platt wie Mario Barth, sondern feinsinnig wie Loriot.

Das liegt zum Großteil an den Schauspielern, allen voran und Katja Riemann. Vergessen Sie "Dr. Specht", "Bad Teacher" und "Seymour Skinner" - diese beiden sind das coolste Lehrer-Direktoren-Gespann in Film und Fernsehen. Aber auch die Schülerbande um Jella Haase als Chantal, Max von der Groeben als Danger, Gizem Emre als Zeynep und Aram Arami als Burak macht so viel Spaß wie seit Pepe Nietnagel nicht mehr.

Uschi Glas glänzt als verhärmte Lehrerin

Die größten Sympathien gebühren jedoch Uschi Glas. Sie spielt die verhärmte Lehrerin Ingrid Leimbach-Knorr mit viel Witz und Selbstironie. Als ewiges Opfer hat sie die Lacher auf ihrer Seite. "Sie kannten Hitler doch noch persönlich?", muss sie sich von Chantal fragen lassen. Glas adelt diesen letzten Teil der Schultriologie.

Die Handlung des dritten Teils ist schnell erzählt. Direktorin Gerster bekommt Besuch vom Schulinspektor, der sich leider nicht von ihrer "Basic Instinct"-Pose beeindrucken lässt. Der Goethe-Gesamtschule droht die Schließung und die Klasse von Lehrer Müller soll nur zum Abitur zugelassen werden, wenn sie einen Eignungstest besteht. Daraufhin breitet sich Panik und Frustration bei den Schülern aus - die wie immer in Zerstörung und Chaos mündet.


Der "Final Fuck" wird zum Betroffenheitskino

Pädagogisch nicht wertvoll, aber unterhaltsam und witzig - so hätte "Fack ju Göhte 3" werden können. Doch leider konnten die Macher um Autor und Regisseur Bora Dagtekin der Versuchung nicht widerstehen, im dritten und letzten Teil eine Botschaft zu vermitteln: Mobbing ist schlimm, Mobbing unter Schülern noch schlimmer. Statt Stinkefinger wird den Zuschauern der Zeigefinger entgegen gestreckt. Chantal heult nicht mehr leise. Nervig.

In einer Schlüsselszene erzählt Lehrer Müller davon, dass er als Kind selbst gemobbt wurde. Aus dem Schenkelklopfer wird langatmiges Betroffenheitskino. Fehlt nur noch, dass Markus Lanz plötzlich fragt: "Was macht das mit einem?" Die Problematisierung mag nicht so recht zu der seichten passen. Sie wird dadurch zäh wie Matheunterricht in der sechsten Stunde.

Erst die Outtakes am Schluss und ein Rückblick auf die besten Szenen der Trilogie zur Melodie "One Moment in Time" von Whitney Houston versöhnen den Zuschauer: Schade, dass es nun vorbei ist. Ihr wart die Besten seit Pepe Nietnagel. 

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