SKANDINAVIEN-POP Neuer »a-ha«-Effekt


Auf dem neuen Album »Lifelines« geben a-ha all das zum Besten, was man an ihnen seit den 80ern schätzt: herzzerreißende Melodien, klarer Sound und die unverwechselbare Stimme von Morten Harket.

Mitte der 90er Jahre hätte kaum jemand daran gezweifelt, dass die Geschichte der norwegischen Pop-Gruppe a-ha zu Ende ist. Das bis dahin letzte Album »Memorial Beach« wurde von den Kritikern gelobt, doch von den Käufern verschmäht; die drei Musiker gingen eigene Wege, und die Musik-Mode schien sich immer weiter von den melodiebetonten Songs der Superstars der 80er zu entfernen.

»Lifelines«

Doch dann landete das wiedervereinte Trio im Jahr 2000 mit dem Album »Minor Earth Major Sky« für sich selbst überraschend einen Hit. Stücke wie »Summer Moved On« und »Velvet« eroberten auch junges Publikum - was heute kaum einer Band aus den 80er Jahren gelingt. Beflügelt von dem Erfolg legt a-ha nun mit dem Album »Lifelines« nach, das am Montag in den Handel kommt. In den 15 aufwendig produzierten Songs geben die Norweger nochmal all das zum Besten, was die Fans an ihnen schätzen: herzzerreißende Melodien, klarer Sound, die unverwechselbare Stimme von Morten Harket und eine Mischung aus Abenteuer und Melancholie.

Überraschend frisch

Nach rund 20 Jahren der drei im Musikgeschäft klingt »Lifelines« überraschend frisch. Von der Energie und Dynamik schließt es am ehesten zu den ersten LPs von Mitte der 80er auf, als Paul, Magne und Morten mit »Take On Me« über Nacht zu Stars wurden. »Es ist die klassische Geschichte - wenn du 40 bist, benimmst du dich als wärest du 20«, sagt Magne Furuholmen und grinst. Vor neun Jahren hatte er bei a-ha die Lichter ausgehen lassen. Er stieg aus, widmete sich der Malerei und schrieb Filmmusik unter dem Pseudonym Timbersound.

Es macht wieder Spaß

»Es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht. Ich hatte das Gefühl, gegen alle zu kämpfen«, erinnert sich Furuholmen und malt verbissen an einem spitzen Hut in seinem Notizbuch. Heute macht es wieder Spaß. Der Erfolg des vergangenen Albums habe ihm Kraft verliehen. »Es gab mir das Selbstvertrauen, persönlichere Lieder zu schreiben und viel meiner Gefühle einzubringen.«

Die Finger wundgespielt

Auch für Sänger Morten Harket war der Erfolg der Comeback-Platte entscheidend, es noch einmal mit a-ha zu versuchen. So viel wie nie zuvor bei a-ha hat er auch Musik mitgeschrieben. Vier Songs sind seine gemeinsame Arbeit mit Magne. Er hatte erst nach dem Aus für die Band 1993 mit dem Schreiben angefangen. »Ich konnte damals kein Instrument spielen. Ich habe mir das Gitarre spielen beim Komponieren beigebracht und das tat den Fingern ganz schön weh«, erinnert er sich. Nach dem Solo-Album »Wild Seed« (1995) habe es für ihn keinen Zwang mehr gegeben, wieder für a-ha zu singen. »Aber es wäre ungerecht gewesen, der Band die Chance zu verweigern, zu dem zu werden, was sie werden kann.«

Ein Gericht mit acht Gängen

Dieses Gefühl, sich nicht verwirklicht zu haben, plagt auch seine beiden Kollegen. »Wir hätten viel mehr erreichen können«, sagen Magne und Paul praktisch wortgleich. Zu sehr seien sie besonders in den ersten Jahren durch den Medienrummel von der Musik abgelenkt worden. »Irgendwann begreifst du aber, dass es nicht unendlich viele Gelegenheiten geben wird, der Welt etwas mitzuteilen«, sagt Furuholmen. Das war auch einer der Gründe dafür, »Lifelines« lang und abwechslungsreich zu machen. »Es ist wie ein Gericht mit acht Gängen, für jeden etwas. Vielleicht hätten auch sieben gereicht, aber wir konnten uns nicht mehr bremsen.«


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