Teitur Ein Sänger und ein Star


Die Färöer-Inseln gehören gemeinhin nicht zu den kreativen Zentren der Popmusik. Wer von dort stammt, muss besonders gut sein, um internationale Anerkennung zu finden. Teitur Lassen hat es geschafft, mit Musik von seltener Schönheit zu einem der besten Sänger und Songwriter unserer Zeit zu werden.
Von Tobias Schmitz

Von den vielen schrecklichen Dingen, die man über Musiker schreiben kann, aber weder lesen noch hören will, ist dies der schlimmste Satz: "Sänger xy interessierte sich schon immer für Musik." Auf Platz zwei der Liste des Grauens: "Bereits als Jugendlicher begann Sänger xy zu komponieren." Platz drei: "Es wird Zeit, dass sich sein Talent herumspricht!" Und nun das: Die Geschichte von Teitur Lassen, der sich auf seinen Platten nur Teitur nennt, passt haargenau zu all diesen Sprach-Klischees:

Geboren und aufgewachsen auf den zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln und musikalisch sozialisiert durch das Radio und die Songs Leonard Cohens und Bob Dylans, schreibt Teitur mit 13 Jahren seine ersten Songs. Als junger Mann arbeitet er abwechselnd als Radio-DJ auf Färöer und komponiert auf dem Festland in Kopenhagen seine Lieder, mit denen er auch vor kleinem Publikum auftritt. Als er seine Songs nicht mehr auf Färöisch, sondern auf Englisch schreibt, wächst sein Erfolg.

Mit 25 geht er für zwei Jahre nach New York und feilt an seinem Debütalbum: "Poetry & Aeroplanes", 2003 erschienen, feiern Musikkritiker als kleines Wunder. Still, klug, selbstironisch sind Teiturs Lieder, durchzogen von leiser Melancholie. Natürlich werden sie nicht im Radio gespielt - Teiturs Karriere kommt trotzdem voran. Ähnlich wie beim kanadischen Songwriter-Genie Ron Sexsmith sind es vor allem Musiker-Kollegen, die ihn als Geheimtipp handeln. Seine Konzerte füllen sich fast ausschließlich durch Mund-zu-Mund-Propaganda..

Auch das 2006 erschienene Album "Stay Under The Stars" bietet jene seltene Kombination aus brillanten Melodien und scharfsinnigen Texten, die ihm, der nun unermüdlich Konzert um Konzert gibt, ein immer größer werdendes Publikum sichern. Teiturs bisher wohl bekanntester Song findet sich allerdings auf dem Album eines anderen Künstlers: Souljazz-Sängerin Corinne Bailey Rae nimmt das zusammen mit Teitur komponierte "Choux Pastry Heart" auf ihr Debütalbum, das in England mit dreifach Platin ausgezeichnet wird.

Wie stilsicher der 30-Jährige inzwischen musiziert, zeigt Teiturs aktuelle Produktion "The Singer". Freier als je zuvor spielt er dort mit seiner Stimme und seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten als Songwriter , ohne dabei das jungenhafte, unbeschwerte Moment seiner Kunst zu verlieren. "I always had the voice / and now I am a singer", textet er im ersten Song. Fast so, als sei er sich erst jetzt seiner Begabung bewusst geworden - und davon total überrascht. Ja, Teitur hatte immer die Stimme. Ein Sänger aber ist er bereits seit dem Tag, an dem er zum allerersten Mal eine Melodie sang.


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