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Tournee: Das Rockereignis des Jahres

Die Tickets zur anstehenden Deutschland-Tour der Rolling Stones gehen weg wie warme Semmeln - und das, obwohl sie nichts Neues im Gepäck haben. Aber wer will das schon.

Die bevorstehende Gastspielreise der Rolling Stones durch Stadien, Hallen und Clubs in 25 Städten des Kontinents verspricht das Rock-Ereignis des Jahres zu werden. Die 2002 in den USA begonnene "Licks-World-Tour" zum 40. Bühnenjubiläum der größten Erfolgs- und Skandalband der Rock-Geschichte hat am 4./6. und 8. Juni Deutschland- und Europapremiere in München. An drei bedeutenden Spielstätten ihrer unvergleichlichen Karriere erwarten die Stones dort über 70.000 zahlende Fans und mehr als 200 akkreditierte, internationale Medienvertreter.

Die Band hat außer einem Best-Of-Album keine Neuerscheinung im Gepäck, verfügt jedoch über einen offenbar unerschöpflichen Legenden-Bonus: Von den 515.000 für Deutschland zur Verfügung stehenden Karten waren zwei Wochen vor Tourstart schon mehr als 400.000 verkauft. Die Stones reisen mit drei Bühnen, die in Deutschland allesamt nur in München zum Einsatz kommen. Die Open-Air-Bühne wiegt 350 Tonnen, ist 54 Meter breit und 25 Meter hoch. Zum Videosystem gehören acht drehbare Säulen, der Stromverbrauch entspricht dem von vier Häuserblocks in New York City.

Über Einnahmen der Stones gibt es keinerlei Auskunft. "Aus dem Markt" aber, aus dem sie als absolute Spitzenverdiener ihrer Branche einen Höchstanteil schöpfen, "gehen allein in diesem Juni in Deutschland nur im Open-Air-Bereich rund 250 Millionen Euro heraus", hat der führende Tourneeveranstalter Oskar Hoppe errechnet: "Für Tickets, Würstchen und noch ein T-Shirt".

Gitarrist Wood wird 56, Schlagzeuger Watts wird 62

Die Stones haben im Jahr ihrer Jubiläums-Tour auch privat Grund zum Feiern. Kurz vor dem Auftakt wird Gitarrist Ronald David Wood am 1. Juni 56 Jahre alt. Tags darauf, am 2. Juni, wird Schlagzeuger Charles Robert Watts 62. Sänger Michael Philip Jagger wird an einem spielfreien Tag zwischen zwei Auftritten in Hamburg und in Prag am 26. Juli runde 60, ebenso wie noch in diesem Jahr Gitarrist Keith Richards (18.12.). Die Planungen dafür sind noch geheim.

Der Termin der Ankunft der Stones in München steht noch nicht genau fest. Die Band reist auf der Tour in der Regel mit Privatflugzeugen. Für ihr leibliches Wohl sorgt ein eigens mitfahrendes Catering. Außerdem ist ein 300-köpfiges Tour- und Produktionspersonal mit der Band unterwegs, örtlich kommen noch bis zu 80 Kräfte hinzu, um von der Sicherheit bis hin zur Beleuchtung einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Auf den Spuren der eigenen Geschichte

Im legendären Münchner Circus-Krone-Bau (Show am 8.6.) gehörten 1965 zwei Auftritte zur ersten Begegnung Deutschlands mit den Stones. Die wüste Tour war begleitet von Fan-Aufständen und Polizei-Einsätzen mit Wasserwerfern, Gummiknüppeln und Hunden. Vor genau 30 Jahren spielten die Engländer 1973 erstmals in der Münchner Olympiahalle (Show am 4.6.). Zum Entzücken der Boulevardpresse machte Keith Richards zu dieser Zeit dem «unanständig schönen» Münchner Top-Model Uschi Obermeier den Hof. Noch im selben Jahr ging die Band in der Isar-Metropole ins Studio, wo ihre zeitlose Hymne "It's Only Rock'n'Roll" entstand.

Als Wegbereiter der Rock-Gigantomanie brachten die Stones 1976 in der Halle mit dem berühmten Zeltdach eine Inszenierung auf die Bühne, die mit ihrem Pomp alles bisher Dagewesene in Europa in den Schatten stellte. Adel und High-Society umwarben die anzüglichen, aufwieglerischen Jet-Setter.

Die größte Live-Band aller Zeiten

Von 1982 an, dem Jahr ihres 20. Gründungsjubiläums, gaben sich die Stones im Münchner Olympiastadion (Show am 6.6.) die Ehre. Bei dieser Open-Air-Tour erreichte ihr beispielloser Rock'n'Roll-Zirkus erstmals in Europa ein Live-Publikum von mehr als einer Million Fans. Die 1990 auch in dem Stadion aufgeführt Stones-Show wurde im Imax-Format gefilmt und ist bis heute eine Glanznummer in den speziellen Kinos mit bis zu acht Stockwerke hohen Leinwänden.

Die Gruppe setzte inzwischen riesige Geldmengen um, in dem Medienrummel um sie mischte längst auch die Finanzpresse mit. Als die bis heute unbestritten größte Live-Rock’n’Roll-Band aller Zeiten 1998 zuletzt in Deutschland gastierte, hatten am Ende dieser Welttournee 4,6 Millionen Menschen in 25 Ländern 108 Auftritte der Rolling Stones erlebt. Die neue Tour endet am 14. September in London.

Die weiteren Deutschlandtermine:

Oberhausen (13.6.)
Berlin (15.6.)
Leipzig (20.6.)
Hockenheim (22.6.)
Hamburg (24.7.)
Hannover (8.8.).

Gert Böse