Tribute-Album The Police im Reggae-Gewand


Man nehme die Musik von The Police und köchele die Songs so lange auf kleiner Flamme, bis alle Effekte verdunstet sind und nur noch die pure Essenz übrig bleibt: Reggae. Jetzt feiert ein kleines Hamburger Label die jamaikanische Seite der britischen Band.
Von Tobias Schmitz

Police-Gitarrist Andy Summers hatte sich immer gegen allzu direkte Vergleiche mit dem Karibik-Sound gewehrt: "Es gibt dieses widersinnige Klischee, dass The Police eine weiße Reggae-Band sei. Das waren wir überhaupt nicht. Eine weiße Reggae-Band wären UB40. The Police war The Police. Wir haben Elemente des Reggae übernommen, vor allem die Basslinie und das Tempo, und kreativ damit gearbeitet - das war unser Ausgangspunkt." Wie stark der Einfluss des Reggae auf The Police trotzdem war, zeigen am besten Stings Bassläufe in Songs wie "Walking On The Moon" oder "So Lonely". Das beständige Pulsieren der Bassgitarre ist die Basis des Ganzen - ohne Stings präzises Timing würden die Lieder komplett auseinander fallen.

Das kleine Hamburger Label Echo Beach hat den Songkatalog von The Police durchforstet und 13 Werke aus der Feder von Sting, Stewart Copeland und Andy Summers in extrem entspannte Reggae-Versionen umgearbeitet. Größtenteils instrumental abgemischt, schlendern hier die Bässe in gelassenem Gleichmaß dahin. Label-Chef Nicolai Beverungen hatte schon vor zehn Jahren die Idee, Police-Songs als Dub-Versionen herauszubringen. Die Plattenfirma EMI und Stings Management reagierten auf diese Pläne nicht eben euphorisch: "Produziert mal eine Probenummer, dann sehen wir weiter!" Die geriet dann allerdings gleich so überzeugend, dass selbst Kontrollfreak Sting schnell grünes Licht für das Projekt gab.

Eingespielt wurden die Tracks mit Szene-Größen wie Earl Sixteen, Big Youth, der Okada Backing Band, Sängerin Zoe und deren Produzenten Guido Craveiro, der auch schon für die britische Band Moloko arbeitete. Auch Eased, Mitglied der Band Seeed, nahm mit Hingabe an den Aufnahmesessions teil. Das Ergebnis: absolut überzeugend, auch und gerade für Menschen, die sich nicht in der Dub- und Reggae-Szene auskennen. Zeitlupen-Beats, Hall-Effekte und trockenste Bässe machen "DubXanne" zum lässigen Sommervergnügen.


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