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Popeye: Ein Spektakel in Spinatgrün

Er boxte sich zu einem Spitzenplatz unter den populärsten Comic- und Trickfilmgestalten Amerikas durch: Vor 75 Jahren wurde Popeye geboren. Zu seinen Ehren wurde die Spitze des Empire State Buildings in New York grün erleuchtet.

Zu Ehren einer der bekanntesten amerikanischen Helden leuchtete die Spitze des Empire State Buildings in New York am Wochenende grün. Genauer gesagt: spinatgrün. Die Rede ist von einem tätowierten Mann mit Matrosenmütze, der gern faulenzt, stets Pfeife raucht, unsterblich in die spindeldürre Olive Oyl verknallt ist und zu kraftstrotzender Hochform aufläuft, sobald er eine Portion Spinat in sich hineingeschaufelt hat. Vor 75 Jahren wurde Popey, der Seemann, geboren.

Zum ersten Mal tauchte der Bursche, der meist ein Auge zukneift, am 17. Januar 1929 im damals schon zehn Jahre alten "Thimble Theatre" auf, einer Comic-Rubrik, die der Zeichner Elzie Segar an zahlreiche Zeitungen verkaufte. Popeye boxte sich zu einem Spitzenplatz unter den populärsten Comic- und später auch Trickfilmgestalten Amerikas durch. Und der Spinatumsatz stieg sprunghaft um 30 Prozent.

Bild des Durchschnittsamerikaners

Segars Zeichenstil wirkte zwar etwas hölzern, aber Popeyes Charakter entsprach ganz dem Bild des anständigen und gutmütigen, wenn auch manchmal schlitzohrigen und beim Verlassen des Mustopfes nicht besonders schnellen Durchschnittsamerikaners. Obendrein hatte er einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und dank der Geheimwaffe Spinat die Fähigkeit, alles Böse kurz und klein zu schlagen. Vor allem wenn der primitiv-brutale Bluto alias Brutus mal wieder die geliebte Bohnenstange Olive entführt hatte.

Dass Popeye zwar eine Vergangenheit als Seemann hatte, aber von Segar, der neun Jahre nach der "Geburt" seines bekanntesten Helden starb, nie als Kriegsmatrose angelegt worden war, ging in den Propagandaschlachten des Zweiten Weltkriegs unter. Da wurde er zum Spinatmatrosen, der Amerikas "Mighty Navy" unterstützte. Bis heute beanspruchen sowohl die Marineflieger als auch die Küstenwache Popeye als Maskottchen.

Ein Draufgänger als Vorbild

Dabei war das Vorbild, nach dem Segar seinen Helden gezeichnet hatte, nicht unbedingt der Vorzeigetyp einer stolzen Waffengattung. In Segars Heimatstadt Chester im US-Bundesstaat Illinois lebte Anfang der 20er Jahre ein Draufgänger namens Frank Fiegel. Der recht kleine, aber kräftige Mann hatte nur noch ein Auge und behielt seine Pfeife oft sogar dann im Mund, wenn er in "Wiebusch’s Tavern" mal wieder eine Kneipenschlägerei vom Zaun gebrochen hatte.

Auch für Olive Oyl gab es in Chester ein Vorbild, wie man im örtlichen Popeye-Museum erfahren kann. Die Dame Dora Paskel war ungewöhnlich hoch gewachsen und dünn. Stets trug sie einen fein geknoteten Dutt auf dem Hinterkopf. Für viele andere Figuren hatte Segar in den Straßen seiner Heimatstadt Inspiration gefunden.

Nur Bluto wollte keiner gewesen sein. Der Finsterling war jedoch in Segars Zeitungscomics auch nur einmal aufgetaucht. Zur Standardfigur wurde Bluto erst, als die Fleischer Studios Anfang der 30er Jahre die Zeichentrickfilmserie "Popeye the Sailor" starteten, eine der erfolgreichsten nach den berühmteren Disney-Produktionen.

Inbegriff für Amerika

Mitte der 40er kam Popeye dann erstmals in Farbe in die Kinos und 1957 erlebte er sein Fernsehdebüt. Jahrelang liefen die Kurzfilmserien in zahlreichen Ländern und der Spinatmatrose wurde auch in den entferntesten Ecken der Welt zu einem Inbegriff für Amerika, ähnlich wie Micky Maus, Coca Cola oder Blue Jeans. Das soll in Chester - auch in der Hoffnung auf Touristenströme - Monate lang gefeiert werden. Höhepunkt ist das traditionelle Popeye-Picknick am Labor Day (6. September).

Thomas Burmeister / DPA
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