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"Bauer sucht Frau"-Finale: Brunftzeit auf dem Bauernhof

Die zweite Staffel einer der erfolgreichsten TV-Serien dieses Jahres ist zu Ende. Reichlich Tränen, viel Knutscherei und ein bisschen Rummachen im Heu - so sieht ein quotenreiches Finale ganz im Sinne von RTL aus. Fazit zum Finale von "Bauer sucht Frau": eine ganz große Liebe, viele Schmetterlinge und noch mehr bittere Enttäuschungen.

Von Katharina Miklis

Den Partner fürs Leben zu finden gleicht manchmal der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Davon können auch die neun Kandidaten der RTL-Erfolgsserie "Bauer sucht Frau" ein Lied singen. Heu haben sie ohne Ende in der Scheune. Aber, verdammt, wo bleibt die Nadel? Sie sind im Durchschnitt 35 Jahre alt und hatten teilweise noch nie im Leben eine Freundin. So fallen die ersten Annäherungs- und Flirtversuche auch eher katastrophal aus.

Bestes Beispiel dafür: der 41-jährige, jungfräuliche Bauer Jürgen. Nachdem seine erste Wahl beim Scheunenfest, der Kennenlernsause zu Beginn der Staffel, bereits dankend abwinkt, wollte er seine zweite Wahl mit den Worten "etwas schlanker wäre auch nicht schlecht gewesen, aber was soll man machen ..." mit auf seinen Hof nehmen. So wenig Einfühlungsvermögen wird bestraft. Am Schluss bleibt Bauer Jürgen allein. Auch der gerne als "gutmütiger Nordfriese" betitelte Andreas, 43, lässt kein Fettnäpfchen aus. Die 42-jährige Arzthelferin Lisa kämpft bis zum Schluss, um aus dem kühlen Nordlicht romantische Züge herauszukitzeln. Doch an Andreas sind wahrlich Hopfen und Malz verloren. Die ganze Staffel über schafft er es nicht ein einziges Mal, seiner Wunschkandidatin in die Augen zu schauen. Wenn ihm ein Thema nicht passt, steht er einfach auf und geht. Auch bei Andreas ist klar: Er bleibt mit Mama und Papa allein auf dem Hof und wird auch in Zukunft nur in treue Kuhaugen blicken können.

In Bayern läuten die Hochzeitsglocken

Aber zwischen Kuhstall ausmisten und Trecker fahren findet sich tatsächlich auch die ganz große Liebe. Man muss ihr nur eine Chance geben. So war es bei dem 45-jährigen Bayern Bruno, der in der 38-jährigen Krankenschwester Anja seine große Liebe fand. Bruno: "Ich habe von der ersten Sekunde gespürt, dass Anja die Richtige ist. Ich war noch nie in meinem Leben so verliebt!" Anfangs musste das Publikum vor den Bildschirmen jedoch mit Bruno zittern. Für Anja war alles etwas zu dreckig und unordentlich. Da musste sich einiges ändern - die Bedingung für das große Liebesglück. Nach dem vorgezogenen Frühlingsputz konnte Bruno nun zum Finale seine Anja in die Arme schließen. Bei beiden hat es mächtig gefunkt. Anja sucht jetzt einen Job in Brunos Nähe und will seinen Hof nicht mehr verlassen. Hochzeit und Familie nicht ausgeschlossen.

Hoffnung zwischen Heu und Hühnern

Auch der raubeinige Rinderwirt Bernhard findet zum Schluss doch noch seine große Liebe. Und das, obwohl seine Liebesgeschichte besonders gut zeigt, wie viel Schmu in der Land-Schmonzette steckt. So ist der 43-Jährige in Wirklichkeit gar kein "echter Bauer", sondern betreibt einen Verleih für landwirtschaftliche Maschinen. Der "Bild"-Zeitung verrät er sogar, dass er von den Landmaschinen-Herstellern Rabatte beim Kauf von Treckern und Maschinen bekommt, wenn er sie werbewirksam ins Bild rückt. Gar nicht so blöd, der Bauer. Auch der Streit zwischen Bernhard und seiner blonden Beate, 41, war nur für die Kamera gespielt, die Trennung nur vorgegaukelt. In Wirklichkeit hatten die beiden einfach nur keine Lust mehr darauf, ihre Beziehung vor dem RTL-Publikum breitzutreten. Die Liebe siegt zuletzt. Und keiner kriegt es mit. Bernhard und Beate wohnen schon lange zusammen und sind glücklich.

Zweimal die große Liebe, sieben Enttäuschungen. So die Quintessenz der ländlichen Kuppel-Show. Was anfangs schnell als zartes Pflänzchen der Liebe erschien, zerbrach spätestens als die Kameras von RTL den Hof verließen. Das schmusige Liebesglück des 23-jährigen Jungbauern Andi und der gleichaltrigen Floristin Kathi sah gestern Abend beim großen Finale noch viel versprechend aus, als die Kameras bis unter die Bettdecke zoomten. Mittlerweile sollen sie jedoch schon getrennt sein. Genauso verlief es zwischen Pfundskerl Maik und Sabine. Selbst das süße Hundebaby, das Maik ihr zum Finale symbolisch überreichte, konnte Sabine nicht von seinen inneren Werten überzeugen. Der 29-jährige Furthi verlor seine Alexandra schon nach wenigen Folgen. Ihr stank es schlicht und einfach zu sehr auf dem Land. Und was bei Michael und der Fußpflegerin Bianca so romantisch began, ist auch schon längst vorbei. Der 33-jährige Milchbauer Markus klebte von Anfang an wie eine Klette an der hübschen Silke. Ihr wurde die penetrante Baggerei zu viel. Mittlerweile hat sie einen Neuen in der Stadt.

Mit Spießigkeit und Landromantik sind wieder Quoten zu machen

Bis zu 8,45 Millionen verfolgten im Schnitt am Montagabend die ländliche Partnersuche vor dem Bildschirm. Das ist eine ordentliche Zahl. Und zeigt, was die Leute sehen wollen. Mit Spießigkeit und Landromantik sind wieder Quoten zu machen. Leider wird so etwas bei RTL gerne ausgeschlachtet. Eine Hochzeit steht an, das erste "Bauern-Baby" aus der ersten Staffel ist übrigens auch schon da. Staffel drei, vier, fünf ... sind zu befürchten. So lange, bis die schüchternen Flirtversuche der tollpatschigen Bauern nicht mehr niedlich, sondern nur noch nervig sind. Die Kunst ist es eben, den Punkt auszuloten, an dem den Zuschauern vor lauter Gefühlsduselei fast schlecht wird. Aber eben nur fast. Und so ein Punkt ist schnell überschritten.

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