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"Bermuda-Dreieck Nordsee": Satte Action, absurdes Pathos

So kennen wir RTL: Das Eventmovie "Bermuda-Dreieck Nordsee" ist actionreich und spannend, aber auch pathetisch und klischeebehaftet. Etwas macht den Film aber zu einem relevanten Ereignis: die reale Bedrohung.

Von Anna Miller

Imposante Aufnahmen von der Nordsee, unberührte Natur, Leuchttürme, Halligen. Heimatgefühl. Geborgenheit. Doch wie so oft: Die Idylle trügt. Unweit der Insel Nordersand plant der Energiekonzern Global Senergy die Einlagerung von CO² auf offener See. Die ambitionierte PR-Beraterin des Großkonzerns, Marie Niklas (Bettina Zimmermann), muss einen Event auf der Nordsee-Plattform organisieren - Helikopterpilot Tom Jaeger (Hannes Jaenicke) soll sie dorthin bringen.

Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein: Tom ist Naturliebhaber und Freund des Meers - auch wenn er seiner Ex-Frau Hannah (Karoline Eichhorn) keinen Glauben schenken will, dass ein "Hexenloch" in der Nordsee ganze Schiffe verschwinden lässt. Marie ist eine Großstadtzicke, die auf hohen Hacken der Karriere nachjagt. Doch als die beiden plötzlich auf offener See in Gefahr geraten, Hunderte tote Möwen an den Strand gespült werden und Toms Tochter Sara (Josephine Preuß) plötzlich spurlos verschwindet, tun sich die beiden zusammen.

Der Mittelteil ist eher lachhaft als lustig

"Bermuda-Dreieck Nordsee" ist eine Mischung aus Verschwörungstheorie, patriotisch gefärbter Schicksalsgeschichte und Action-Abenteuer - die richtige Mischung für einen RTL-Katastrophenfilm. Der Streifen beginnt spannend und durchaus ungewöhnlich. Die Beziehungen der Protagonisten untereinander sind authentisch und ehrlich aufgezeichnet.

Jedoch: Die Figuren werden nur oberflächlich skizziert, und die fehlende Dramaturgie zwischen den Protagonisten versuchen die Macher mit einer actiongeladenen Handlung zu kompensieren. Was im Mittelteil völlig fehlschlägt: Es gibt groteske Entführungsszenen und lächerlich anmutende, deplazierte Verfolgungsjagden. Absurder Höhepunkt: Ein Schiff wird durch die Fluten völlig zerstört, die Passagiere an Bord sind aber alle trocken. Der Film verkommt vorübergehend zu einem lachhaften, aber nicht lustigen Zeitvertreib.

Die letzte halbe Stunde bietet dann aber doch wieder die Qualitäten, die man von einem Katastrophenfilm erwarten darf: großartige, schnelle Kameraführung und -schnitte, Spannung, dass einem der Atem stockt, und ein wenig Heldentum an der richtigen Stelle. Die Schauspieler agieren solide - Walter Kreye sticht als Bürgermeister von Nordersand heraus.

5,7 Millionen Budget für eine schreckliche Realität

Der 5,7 Millionen Euro teure Film von Regisseur Nick Lyon hat einige dramatische Szenen zu bieten - die noch dramatischer wirken, ist man sich erst einmal über den Hintergrund des Plots klar: 2000 verschwand ein Fischkutter spurlos in der Nordsee, riesige Blasen wurden gesichtet. Und die Bundesregierung hat im Juli erst das Gesetz zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid beschlossen...

Das wichtigste Argument, sich den Film anzuschauen, ist also neben der Action sein Thema. Die Schlussszene von "Bermuda-Dreieck Nordsee" ist zwar so pathetisch, dass es schon wieder lustig ist. Aber nur bis man begreift: Der Ruf nach einem bewussten Umgang mit der Welt kann nur in den Ohren eines Zynikers kitschig klingen.

"Bermuda-Dreieck Nordsee" mit Bettina Zimmermann, Hannes Jaenicke und Gudrun Landgrebe. Ausstrahlung: Sonntag, 25.09.2011, 20:15 Uhr auf RTL.